Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Für Autofahrer über 80 Jahre steigt das Unfallrisiko stark an

12.04.2013
Autofahrerinnen und Autofahrer über 80 Jahre verfügen über das höchste Unfallrisiko. So verursachen die über 80-Jährigen bis zu dreimal mehr Verkehrsunfälle mit Sachschaden als jüngere Autofahrer.

Forscher der Universität Zürich schlagen deshalb vor, nicht wie heute üblich bereits die 70-Jährigen zu einem obligatorischen Fahreignungstest zu schicken. Geeigneter wäre ein Fahrtraining, denn die Fahrsicherheit lässt sich auch im hohen Alter wieder auffrischen.

Junglenker gelten oft als Raser und ältere Autofahrer leiden unter dem Ruf, bei komplexen Verkehrssituationen unsichere und gefährliche Verkehrsteilnehmer zu sein. Jüngere Personen erhalten darum den Führerausweis nur auf Probe und Senioren ab 70 Jahren müssen sich alle zwei Jahre einer Fahreignungskontrolle unterziehen.

Ob diese beiden Altersgruppen tatsächlich unsere Strassen unsicher machen, wollten Forscher der UZH genauer wissen. Gianclaudio Casutt, Prof. Mike Martin und Prof. Lutz Jäncke vom Psychologischen Institut der Universität Zürich haben die Unfallrate von Autofahrern unterschiedlicher Altersgruppen unter Berücksichtigung des Unfallschweregrads und der Unfallbeteiligung berechnet und miteinander verglichen. Sie haben dabei auch die jährliche Fahrleistung pro Altersgruppe berücksichtigt.

18- bis 24-Jährige nicht die risikoreichste Gruppe
Die Ergebnisse zeigen, dass Autofahrer zwischen 70-75 Jahren kein erhöhtes Unfallrisiko aufweisen. «Die Altersgrenze von 70 Jahren für eine Fahreignungskontrolle scheint deshalb nicht zwingend notwendig zu sein», folgert Casutt. Wenn überhaupt, dann müsste die Altersgrenze bei 75 Jahren oder älter angesetzt werden. Das höchste Unfallrisiko pro gefahrenen Kilometer weisen die über 80-Jährigen auf, gefolgt von den 75- bis 80-Jährigen. Erst an dritter Stelle kommen die Junglenker im Alter zwischen 18 und 24 Jahren.

Dieses erhöhte Unfallrisiko bei den über 75-jährigen Autofahrern bezieht sich auf Unfallverursacher, die selber unverletzt blieben. Zudem verdoppelt sich das Risiko der Altersgruppe der 75- bis 80-Jährigen, bei einem selbstverschuldeten Unfall schwer verletzt zu werden. Bei den über 80-Jährigen vervierfacht sich dieses Risiko. Das Sterberisiko ist sogar acht Mal höher.

«Uns hat erstaunt, dass die Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen nicht mehr die risikoreichste Gruppe hinsichtlich des Unfallrisikos darstellt», erklärt Casutt. Die älteren Autofahrerinnen und Autofahrer haben im Gegensatz zu den jungen Neulenkern, die eine Zweiphasenausbildung absolvieren mussten, keine Fahrtrainings geniessen dürfen. «So ist es durchaus denkbar, dass ältere Lenker bei entsprechendem Training und unter Ausnutzung der bekannten Plastizität des Gehirns ihre Fahrsicherheit steigern könnten», sagt Jäncke.

Literatur:
Gianclaudio Casutt, Mike Martin und Lutz Jäncke. Alterseffekte auf die Fahrsicherheit bei Schweizer Kraftfahrern im 2010. Zeitschrift für Verkehrssicherheit 59 (2013). Nr. 2, S. 84.

Kontakt:
Prof. Lutz Jäncke
Psychologisches Institut, Abteilung Neuropsychologie
Universität Zürich
Tel: +41 44 635 74 01
E-Mail: l.jaencke@psychologie.uzh.ch
lic. phil. Gianclaudio Casutt
Psychologisches Institut, Abteilung Neuropsychologie
Universität Zürich
Tel: +41 44 635 74 51
E-Mail: g.casutt@psychologie.uzh.ch

Nathalie Huber | Universität Zürich
Weitere Informationen:
http://www.uzh.ch/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise