Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auswirkung des Elterngelds vom Institut für Community Medicine untersucht

10.06.2010
Nach Einführung des Elterngeldes zum 1. Januar 2007 gab es in Vorpommern mehr Mütter, die ein zweites oder drittes Kind geboren haben. Außerdem kamen in Familien mit einem höheren Einkommen mehr Kinder zur Welt.

Insgesamt ist aber die Anzahl der Neugeborenen nicht gestiegen. Das ergab eine Analyse des Instituts für Community Medicine der Universität Greifswald, die in der aktuellen Ausgabe von Social Science & Medicine, der weltweit meist zitierten sozialwissenschaftlichen Fachzeitschrift, präsentiert wird.

„In Deutschland sind diese Daten einzigartig. Wir haben nahezu alle Kinder, die seit März 2003 in der Region geboren wurden, registriert, und mit mehr als 70 Prozent der Mütter konnten wir ein zusätzliches, tief gehendes Interview führen“, so Dr. J. René Thyrian vom Institut für Community Medicine, „dadurch haben wir ein ziemlich genaues Bild über den Gesundheitszustand der Frauen und Kinder und auch ihrer Lebensumstände“.

Prof. Wolfgang Hoffmann, geschäftsführender Direktor, ergänzt: „Zumeist werden solche Analysen mit Sekundärdaten durchgeführt, also Daten, die nicht im persönlichen Kontakt erhoben wurden, sondern zum Beispiel beim Statistischen Landesamt gesammelt werden. Unser Studienteam hat mit allen Müttern gesprochen und hat damit Informationen, die weit über die üblichen Auswertungen hinausgehen.“

Grundlage der Aussage ist der bevölkerungsbasierte Survey of Neonates in Pommerania (SNiP), im Rahmen dessen zwei Jahre vor und zwei Jahre nach der Einführung alle Kinder, die in den Kranken-häusern Greifswald, Anklam und Wolgast geboren wurden und deren Mütter untersucht wurden. Ein Vergleich der beiden Zeiträume brachte das Ergebnis.

Die Forscher planen nun, die zur Geburt interviewten Mütter und deren Kinder im Rahmen der Schuleingangsuntersuchung im Alter von fünf Jahren erneut zu kontaktieren und zu befragen. „So können wir die weitere Entwicklung der Kinder beschreiben und analysieren. Dies liefert wertvolle Hinweise über Fehlentwicklungen oder aufkommende Gesundheitsprobleme, wie zum Beispiel Übergewicht oder Aufmerksamkeitsstörungen“, so Dr. Thyrian, „erste Erfahrungen haben wir bereits in Zusammenarbeit mit den Gesundheitsämtern gemacht“. Und Prof. Hoffmann ergänzt: „Unser Ziel ist, Wissen in konkrete Programme umzuwandeln, wie Gesundheit effektiv gefördert und Krankheit verhindert oder zumindest gelindert werden kann.“

Die Veröffentlichung in Social Science & Medicine ist eine Gemeinschaftsarbeit von Dr. J. René Thyrian, Dipl.-Psych. Konstanze Fendrich, Dr. Anja Lange, PD Dr. Johannes-P. Haas, Prof. Dr. Marek Zygmunt und Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann. Die Arbeit entstand in Kooperation des Instituts für Community Medicine der Universität Greifswald mit dem Deutschen Zentrum für Kinder- und Jugendrheumatologie in Garmisch-Partenkirchen, dem Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin und der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Universität Greifswald.

Die SNiP-Studie ist eine bevölkerungsbezogene, prospektive, Geburtskohortenstudie, die vom Forschungsverbund Community Medicine der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald initiiert und durchgeführt wurde (www.community-medicine.de). Sie wurde finanziell gefördert durch das Bundes-ministerium für Bildung und Forschung (NBL3 Programm, Fördernummer 01 ZZ 0103). Eine detaillierte Beschreibung der SNiP-Studie findet sich in einer Ausgabe der internationalen Fachzeitschrift Paediatric and Perinatal Epidemiology, 2010, 24 (2), S. 190-199.

Referenz
Thyrian, J. R., Fendrich, K., Lange, A., Haas, J.-P., Zygmunt, M., Hoffmann, W.: Changing maternity leave policy: Short-term effects on fertility rates and demographic variables in Germany, Social Science & Medicine (2010), doi: 10.1016/j.socscimed.2010.05.004

Ansprechpartner für Rückfragen

Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann, MPH
Gf. Direktor des Instituts für Community Medicine
Ellernholzstraße 1/2, 17487 Greifswald
Telefon 03834 86-7750
wolfgang.hoffmann@uni-greifswald.de
Dr. J. René Thyrian, Dipl.-Psych.
Wissenschaftlicher Koordinator der SNiP-Studie
Institut für Community Medicine
Ellernholzstraße 1/2, 17487 Greifswald
Telefon 03834 86-7592
thyrian@uni-greifswald.de

Jan Meßerschmidt | idw
Weitere Informationen:
http://www.community-medicine.de/
http://www.uni-greifswald.de

Weitere Berichte zu: Elterngeld Kindermedizin SNiP-Studie Science TV Social Impacts Thyrian

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Europaweite Studie zu „Smart Engineering“
30.03.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie