Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sind auslandsmobile Studierende erfolgreicher im späteren Berufsleben?

21.02.2013
Mindestens 20 % der Hochschulabsolventinnen und -absolventen sollen laut Leuven-Kommuniqué aus dem Jahr 2009 bis 2020 einen Studien- oder Praktikumsaufenthalt im Ausland absolviert haben.

Deutschland setzt sich noch ehrgeizigere Ziele: Hierzulande soll die Hälfte aller Studierenden im Studium Auslandserfahrung sammeln und ein Fünftel aller Studierenden für mindestens ein Semester im Ausland studieren. Dahinter steht das Ziel, den Europäischen Hochschulraum mit Leben zu füllen, aber auch die Überzeugung, dass Auslandsaufenthalte für die späteren Karrierechancen von Studierenden von Vorteil sind.

Aber ist das wirklich so? Sind Studierende, die einen Teil ihres Studiums im Ausland verbringen, später beruflich erfolgreicher? Diese Frage hat der Hochschulforscher Nicolai Netz anhand von Daten aus den Absolventenpanels des HIS-Instituts für Hochschulforschung (HIS-HF) in Hannover untersucht.

In der Tat unterscheiden sich Hochschulabsolvent(inn)en, die im Rahmen ihres Studiums einen Auslandsaufenthalt absolviert haben, von ihren ehemaligen Kommiliton(inn)en, die nicht auslandsmobil waren, in mehrfacher Hinsicht. Unter anderem sind sie nach Abschluss des Studiums häufiger im Ausland berufstätig. So sind fünf Jahre nach dem Examen anteilig etwa dreimal so viele Absolvent(inn)en mit studienbezogener Auslandserfahrung im Ausland beschäftigt wie Absolvent(inn)en ohne Auslandserfahrung. Fast die Hälfte der im Ausland Tätigen arbeitet in einem Land, in dem ein studienbezogener Auslandaufenthalt absolviert wurde. Besonders hoch ist die Übereinstimmung des aktuellen Beschäftigungslandes mit dem Zielland des studienbezogenen Auslandsaufenthalts im Falle von Auslandspraktika: 85 % der im Ausland Beschäftigten arbeiten in dem Land, in dem sie während des Studiums ein Auslandspraktikum absolviert haben. Auslandspraktika erlauben es – so schließt Netz – offenbar in stärkerem Maße als Studienphasen oder Sprachkurse im Ausland, betriebliche Kontakte aufzubauen, die sich später nutzen lassen.

Absolventinnen und Absolventen, die während ihres Studiums im Ausland waren, schätzen ihre Fremdsprachenkenntnisse und ihre Kenntnisse fremder Kulturen deutlich höher ein als Absolvent(inn)en ohne Auslandsaufenthalt. Sie empfinden derartige Kompetenzen zudem als wichtiger für ihre berufliche Tätigkeit und wenden diese in ihrem Berufsalltag häufiger an. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn die Absolvent(inn)en für einen längeren Zeitraum im Ausland waren.

„Wer während des Studiums einen Auslandsaufenthalt absolviert hat, ist später mit einer höheren Wahrscheinlichkeit in internationale Arbeitszusammenhänge eingebunden als jene, die nicht im Ausland waren“, erläutert Netz, der für seine Untersuchung die Daten der zweiten HIS-HF-Befragung des Absolventenjahrgangs 2005 ausgewertet hat. „Die Entscheidung für oder gegen einen Auslandsaufenthalt im Studium stellt damit häufig einen Scheideweg dar, an dem die Grundlage für eine spätere Tätigkeit mit internationalem Bezug geschaffen wird.“

Studierende mit studienbezogenem Auslandsaufenthalt sind später also häufiger international tätig. Doch hat die Auslandserfahrung auch Auswirkungen auf ihren Berufserfolg? „Die Anzeichen dafür sind eher schwach. Auslandsaufenthalte wirken sich nur auf einige Indikatoren des Berufserfolgs und auch nur für bestimmte Absolventengruppen positiv aus“, sagt Netz. Keine Unterschiede zwischen auslandserfahrenen und nicht auslandserfahrenen Absolvent(inn)en lassen sich z. B. mit Blick auf das Arbeitslosigkeitsrisiko feststellen. Es ist bei Akademiker(inne)n insgesamt gering. Allerdings hat ein deutlich höherer Anteil der auslandserfahrenen Absolvent(inn)en fünf Jahre nach dem Examen eine Promotion begonnen und/oder abgeschlossen. Dies hat Konsequenzen für deren berufliche Stellung. Der höheren Promotionsneigung entsprechend arbeiten auslandserfahrene Absolvent(inn)en häufiger als wissenschaftliche Angestellte, ohne bereits Leitungsfunktionen einzunehmen, und in befristeten Beschäftigungsverhältnissen. Allerdings gibt es fünf Jahre nach dem Examen in einigen universitären Fachrichtungen – wie den Wirtschaftswissenschaften – bereits Anzeichen dafür, dass auslandserfahrene Absolvent(inn)en etwas häufiger in Führungspositionen aufsteigen als nicht auslandserfahrene Absolvent(inn)en.

Einen geringen Einfluss hat Auslandserfahrung zudem auf das Einkommensniveau. „Studienbezogene Auslandserfahrung ist vor allem dann mit einem höheren Einkommen assoziiert, wenn Absolvent(inn)en in einem international ausgerichteten Unternehmen tätig sind“, erklärt Netz. In solchen Unternehmen haben auslandserfahrene Absolvent(inn)en ein um etwa 7 % höheres Brutto-Jahreseinkommen als nicht auslandserfahrene Absolvent(inn)en. Auch für Absolvent(inn)en einzelner Fachrichtungen – beispielsweise für Geisteswissenschaftler(innen) – gehen studienbezogene Auslandsaufenthalte mit einem leicht höheren Einkommensniveau einher. „Die Aufgabe weiterführender Forschung sollte sein, die zugrunde liegenden Wirkungsmechanismen zu identifizieren“, so Netz.

Die Studie „Studienbezogene Auslandsmobilität und Berufsverbleib von Hochschulabsolvent(inn)en“ ist als vertiefende Analyse in die jüngst veröffentlichte HIS-HF Absolventenuntersuchung eingebunden. Interessierten steht die Studie als PDF-Download unter http://www.his.de/pdf/pub_fh/fh-201214.pdf kostenlos zur Verfügung. HIS-HF befragt im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) jeden vierten Absolventenjahrgang. Die erste Befragung findet ca. ein Jahr nach dem Examen statt; es folgt eine zweite Befragung etwa fünf Jahre nach Studienabschluss. Ausgewählte Jahrgänge wurden ein drittes Mal etwa zehn Jahre nach dem Examen befragt. Die Ergebnisse sind bundesweit repräsentativ. (tm)

Netz, N. (2012): Studienbezogene Auslandsmobilität und Berufsverbleib von Hochschulabsolvent(inn)en. In: Grotheer, M./Isleib, S./Netz, N./Briedis, K. (Hg.): Hochqualifiziert und gefragt. Ergebnisse der zweiten HIS-HF Absolventenbefragung des Jahrgangs 2005. Hannover, HIS:Forum Hochschule 14|2012, S. 259-313.

Nähere Auskünfte:
Nicolai Netz
Tel.: 0511/1220-471
E-Mail: netz@his.de
Kolja Briedis
Tel.: 0511/1220-232
E-Mail: briedis@his.de
Pressekontakt:
Theo Hafner
Tel.: 0511/1220-290
E-Mail: hafner@his.de
Tanja Meister
Tel.: 0511/1220-384
E-Mail: meister@his.de

Theo Hafner | idw
Weitere Informationen:
http://wwwhis.de
http://www.his.de/pdf/pub_fh/fh-201214.pdf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Massenverlust des Antarktischen Eisschilds hat sich beschleunigt
14.06.2018 | Technische Universität Dresden

nachricht Teure Flops: Nur 5% der Innovationsideen werden erfolgreich
12.06.2018 | Institut für angewandte Innovationsforschung e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Überdosis Calcium

Nanokristalle beeinflussen die Differenzierung von Stammzellen während der Knochenbildung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Freiburg und Basel haben einen Hauptschalter für die Regeneration von Knochengewebe identifiziert....

Im Focus: Overdosing on Calcium

Nano crystals impact stem cell fate during bone formation

Scientists from the University of Freiburg and the University of Basel identified a master regulator for bone regeneration. Prasad Shastri, Professor of...

Im Focus: AchemAsia 2019 in Shanghai

Die AchemAsia geht in ihr viertes Jahrzehnt und bricht auf zu neuen Ufern: Das International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production findet vom 21. bis 23. Mai 2019 in Shanghai, China statt. Gleichzeitig erhält die Veranstaltung ein aktuelles Profil: Die elfte Ausgabe fokussiert auf Themen, die für Chinas Prozessindustrie besonders relevant sind, und legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.

1989 wurde die AchemAsia als Spin-Off der ACHEMA ins Leben gerufen, um die Bedürfnisse der sich damals noch entwickelnden Iindustrie in China zu erfüllen. Seit...

Im Focus: AchemAsia 2019 will take place in Shanghai

Moving into its fourth decade, AchemAsia is setting out for new horizons: The International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production will take place from 21-23 May 2019 in Shanghai, China. With an updated event profile, the eleventh edition focusses on topics that are especially relevant for the Chinese process industry, putting a strong emphasis on sustainability and innovation.

Founded in 1989 as a spin-off of ACHEMA to cater to the needs of China’s then developing industry, AchemAsia has since grown into a platform where the latest...

Im Focus: Li-Fi erstmals für das industrielle Internet der Dinge getestet

Mit einer Abschlusspräsentation im BMW Werk München wurde das BMBF-geförderte Projekt OWICELLS erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde eine Li-Fi Kommunikation zu einem mobilen Roboter in einer 5x5m² Fertigungszelle demonstriert, der produktionsübliche Vorgänge durchführt (Teile schweißen, umlegen und prüfen). Die robuste, optische Drahtlosübertragung beruht auf räumlicher Diversität, d.h. Daten werden von mehreren LEDs und mehreren Photodioden gleichzeitig gesendet und empfangen. Das System kann Daten mit mehr als 100 Mbit/s und fünf Millisekunden Latenz übertragen.

Moderne Produktionstechniken in der Automobilindustrie müssen flexibler werden, um sich an individuelle Kundenwünsche anpassen zu können. Forscher untersuchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Hengstberger-Symposium zur Sternentstehung

19.06.2018 | Veranstaltungen

LymphomKompetenz KOMPAKT: Neues vom EHA2018

19.06.2018 | Veranstaltungen

Simulierter Eingriff am virtuellen Herzen

18.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Rätselhaftes IceCube-Ereignis könnte von Tau-Neutrino stammen

19.06.2018 | Physik Astronomie

Automatisierung und Produktionstechnik – Wandlungsfähig – Präzise – Digital

19.06.2018 | Messenachrichten

Überdosis Calcium

19.06.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics