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Asthma: Mehr Wissen - weniger Notfälle?

04.12.2008
Asthma-Studie der Universität Witten/Herdecke abgeschlossen / Fortbildungen kamen bei Ärzten und Praxisteams gut an

477 Ärzte, 255 Arzthelferinnen und 250 Patienten - So lautet die nüchterne Zahlenbilanz des Studienteams der medizinischen Fakultät an der Universität Witten/Herdecke zum Abschluss der so genannten L.I.S.A.-Studie.

Mit L.I.S.A., der Leitlinien-Implementierungs-Studie Asthma, wurden Haus- und Kinderärzten in Nordrhein-Westfalen die Empfehlungen der aktuellen ärztlichen Leitlinie Asthma nahe gebracht. Der Hintergrund: Leitlinien kondensieren aktuelles und wissenschaftlich basiertes Wissen zu Handlungsempfehlungen für Ärzte. Von denen werden sie aber oft nicht wahrgenommen.

Wie erfahren Ärzte eigentlich von neuen Behandlungskonzepten?

"Dann muss man sie eben in die Arztpraxen bringen", sagten sich die Wissenschaftler der Universität und entwickelten Schulungen für Ärzte und Medizinische Fachangestellte, früher "Arzthelferinnen" genannt. Mit Unterstützung der Bundesärztekammer besuchten sie fortan ärztliche Qualitätszirkel in NRW um die Leitlinienempfehlungen mit den Kollegen zu diskutieren: Wie werden die Schweregrade bei Asthma festgelegt?

Welche Medikamente haben einen langfristigen Nutzen bewiesen? Wie lauten die aktuellen Empfehlungen beim Notfall? Und: Was tun, um den Betroffenen mehr Selbstständigkeit zu ermöglichen? Zusätzlich zu den Fortbildungsveranstaltungen bekamen die Mediziner Zugang zum internetbasierten E-Learning der UWH. Hier konnte, wer wollte, sein Wissen weiter vertiefen.

Während die Ärzte von Arztkollegen geschult wurden, trafen sich die Arzthelferinnen mit einer spezialisierten Medizinischen Fachangestellten der Universität, um mehr über die Asthma-Erkrankung und den richtigen Umgang mit ihr zu lernen. Dabei wurde die korrekte Bedienung der Untersuchungs-Geräte in den Praxen genauso geübt wie der Gebrauch der verschiedenen Asthmasprays und -Inhaliergeräte.

Dieser Wissenstransfer war eingebunden in die eigentliche Studie: Ärzte und Arzthelferinnen bearbeiteten vor und nach den Schulungen Fragebögen um ihr Asthma-Wissen zu testen. Derzeit werden die etwa 2000 Fragebögen ausgewertet, um den Wissenszuwachs zu messen und zu vergleichen.

Und was haben die Patienten davon?

Profitieren die Patienten von den aufwändigen Schulungen ihrer Therapeuten? Das ist die zentrale Fragestellung der L.I.S.A.-Studie. Die Hypothese lautet: Die Umsetzung der Leitlinien-Empfehlungen in den Haus- und Kinderarztpraxen führt zu einem Rückgang der Notfälle bei den Asthma-Betroffenen. Diese Hypothese wurde durch etwa 500 Telefoninterviews geprüft, bei denen die Patienten Auskunft über ihre Erkrankung gaben.

Die Studien-Auswertung ist noch in Arbeit. "Wir haben den Eindruck, dass die meisten Ärzte in vielen Teilbereichen bereits entsprechend der Leitlinien-Empfehlungen gehandelt haben, ohne die eigentliche Leitlinie zu kennen. Bei anderen Themen, etwa der Notfalltherapie, gab es aber große Diskrepanzen", sagt der Studienleiter und Internist Nik Koneczny.

Überrascht war das Studien-Team von der hohen Teilnahmebereitschaft der nordrhein-westfälischen Niedergelassenen. Koneczny: "Wir haben ursprünglich nur mit halb so vielen Arztpraxen gerechnet. Offensichtlich kamen das Thema und das Fortbildungsangebot gut an. Allen Teilnehmern möchten wir auf diesem Weg für´s Mitmachen noch mal herzlich danken!"

Informationen & Kontakt: www.AsthmaWissen.de Studienleitung: N. Koneczny Tel: 02302-926-717, LISA@evidence.de

Wissenschaftlicher Hintergrund:

Die L.I.S.A.-Studie (Leitlinien-Implementierungs-Studie Asthma) ist eine kontrollierte Interventionsstudie der Universität Witten/Herdecke mit den Projektpartnern Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) und Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ), gefördert durch die Förderinitiative der Bundesärztekammer zur Versorgungsforschung. Im Zeitraum von März 2007 bis Juni 2008 wurden 477 Allgemein- und Kinderärzte in ihren ärztlichen Qualitätszirkeln zur evidenzbasierten und leitliniengerechten Asthma-Diagnostik und Therapie geschult. Nachfolgend wurde den Teilnehmern eine Schulung des Praxisteams und ein internetbasiertes CME-E-learning angeboten. Inhaltliche Grundlage war die Nationale Versorgungsleitlinie (NVL) Asthma. Gemessen wurden Wissenszuwachs und Verhaltensänderung bei Ärzten und Arzthelferinnen sowie ungeplante Arztkontakte (Notfälle) und Wissenszuwachs/Verhaltensänderung bei den Patienten mittels Telefoninterviews. Ziel der L.I.S.A.-Studie ist die Erprobung und Evaluation unterschiedlicher Leitlinien-Implementierungs-Strategien in einem primärärztlichen Setting in Deutschland.

Kay Gropp | Uni Witten/Herdecke
Weitere Informationen:
http://www.uni-wh.de
http://www.AsthmaWissen.de

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