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Artenvielfalt als Garant für gesundes Ökosystem

19.08.2008
Studie quantifiziert Effekte in drei unterschiedlichen Weltregionen

Ein internationales Forscherteam, dem auch Wissenschaftler der Universität Göttingen angehören, hat erstmals im Freiland gezeigt, wie sehr die Artenvielfalt wichtige Funktionen des Ökosystems fördert.

Eines der untersuchten Beispiele, war eine Kaffeeplantage in Indonesien. Ein umweltfreundliches Management, das eine größere Biodiversität unter den Bestäuberinsekten ermöglicht, kann dazu beitragen, die Kaffeeproduktion zu steigern, berichten die Forscher im Fachmagazin "PloS Biology".

"Wir konnten erstmals den positiven Effekt der Artenvielfalt quantifizieren", meint Studien-Autor Teja Tscharntke, Leiter der Abteilung Agrarökologie an der Universität Göttingen, im pressetext-Interview. "Grundsätzlich stellt sich die Frage, ob man tatsächlich so viele Insekten für ein gesundes Ökosystem braucht. Die Antwort, die wird gefunden haben, macht es deutlich", so der Experte, der mit Kollegen aus Neuseeland, den USA und der Schweiz dieser Frage nachging.

"Es machen nur scheinbar alle Insekten das gleiche." Die Umwelt sei nämlich wesentlich heterogener, als man ursprünglich geglaubt habe. Jede Art reagiere anders auf eine unterschiedliche Blütendichte, manche Spezies bevorzugen die ersten Blüten, andere eher die Spätblühenden. Positive Auswirkungen habe auch ein großer Artenreichtum von Schlupfwespen, die als Räuber unterschiedlich auf die Populationsdichte von Insekten reagieren und sie so besser kontrollieren und schädliche Massenvermehrungen verhindern.

"Zwar mögen die verschiedenen Arten einer Gruppe in einem Ökosystem scheinbar dieselbe Funktion erfüllen, tatsächlich reagieren sie aber in ihrem Verhalten ganz unterschiedlich auf die so vielfältigen Umweltbedingungen", meint der Forscher. "Die natürlicherweise vorkommende Lebensraum-Heterogenität ist eine entscheidende Voraussetzung dafür, dass die Biodiversität an Bedeutung gewinnt. So ist der komplementäre Effekt der verschiedenen Arten dann am größten, wenn auch die Ressourcen in Raum und Zeit unterschiedlich verteilt sind."

Bisher konnte man solche Untersuchungen nur im kleinen Rahmen von Labors oder in abgeschlossenen Parzellen machen, so dass die wirkliche Heterogenität in der freien Natur wenig berücksichtigt wurde. Für die Studie haben die Wissenschaftler drei unterschiedliche Lebensräume in drei unterschiedlichen geografischen Regionen untersucht. Neben der Artenvielfalt der Bestäuberinsekten in der Kaffeeplantage in Indonesien wurde die Schlupfwespenpopulation in Ecuador untersucht. Eine weitere Studie zum Zusammenhang der Pflanzendiversität auf die Biomasse führten die Forscher im Grasland am Thüringer Schiefergebirge durch.

"Die Wechselwirkungen zwischen Artenvielfalt und ökosystemaren Dienstleistungen sind für den Menschen immer dann am größten, wenn die Ressourcen für Pflanzen und Tiere möglichst heterogen verteilt sind", meint Tscharntke. Die natürliche Heterogenität sei eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass die Biodiversität an Bedeutung gewinne. Die Welt hat derzeit mit einem rapiden Artenverlust zu kämpfen. Dies habe die Wissenschaftler dazu veranlasst, die Rolle der Artenvielfalt auf das Funktionieren von Ökosystemen genau zu untersuchen. Allerdings sei das bisher immer nur in beschränktem Maße möglich gewesen. "Damit ist dies die erste wissenschaftliche Arbeit, die die Bedeutung der Biodiversität im Hinblick auf die Umwelt-Heterogenität bei ganz unterschiedlichen Ökosystem-Prozessen und in nicht-experimentellen Ökosystemen gezeigt hat", so Tscharntke abschließend gegenüber pressetext.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.gwdg.de/~uaoe/Agraroekologie.html

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