Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Arbeitswissenschaftliche Studie: Wie benutzerfreundlich sind Verpackungen?

25.05.2010
Zu gut verpackt

Arbeitswissenschaftler der TU Chemnitz stellten bei Nutzertests fest, dass Hersteller bei der Entwicklung ihrer Produktverpackungen oft unzureichend auf Bedürfnisse und Fähigkeiten verschiedener Verbraucher achten.

Verpackungen halten Lebensmittel frisch und lange Zeit genießbar. Doch obwohl ein sicheres Behältnisses zum Schutz der Lebensmittel beispielsweise beim Transport notwendig ist, sorgen viele Verpackungen beim Kunden für Ärger und Unverständnis. Dabei geht es nicht nur um Verpackungsmüll, der die Gemüter erregt, sondern auch um die Handhabung einzelner Verpackungen. Umfragen zeigen, dass Probleme mit Verpackungen alltäglich sind. Besonders ältere Menschen sind offenbar betroffen, da sie altersbedingte Einschränkungen bei Kraft, Tastsinn und Sehfähigkeit haben.

Die Professur Arbeitswissenschaft der Technischen Universität Chemnitz unter Leitung von Prof. Dr. Birgit Spanner-Ulmer führte zu diesem Thema Kundenbefragungen und Nutzertests durch. Um Probleme mit der Gebrauchstauglichkeit besser identifizieren zu können, wurde die vermeintlich sensiblere Altersgruppe der Älteren zum Auspacken an die Universität eingeladen. 21 Probanden zwischen 57 und 77 Jahren stellten sich den Test. Dabei standen 35 verschiedene Produktverpackungen im Fokus der Untersuchung. Nur drei der getesteten Verpackungen konnten von allen Probanden geöffnet werden. Sieben Produkte stellten für über 30 Prozent der Versuchspersonen ein nicht lösbares Problem dar; allen voran ein Päckchen Hefe, das derart eingeschweißt war, dass es von 78 Prozent der Probanden nicht geöffnet werden konnte. Die Zeiten, die benötigt wurden, um eine Verpackung zu öffnen, lagen bei der Hälfte der Produkte im Durchschnitt bei über einer halben Minute. Spitzenreiter war auch hierbei die Hefe mit durchschnittlich 40 Sekunden. Einzelne Probanden benötigten zum Öffnen bestimmter Verpackungen bis zu 90 Sekunden. Auch Getränkeverpackungen wurden untersucht. Hier erwies sich neben dem Öffnen auch das Ausgießen oftmals als schwierig. Bei manchen Verschlusssystemen verschütteten über 60 Prozent der Versuchspersonen das Getränk.

Probleme beim Öffnen von Verpackungen sind nicht nur ärgerliche Verzögerungen, ehe man an das eigentliche Produkt gelangt: Durch Zuhilfenahme von ungeeigneten Hilfsmitteln kann es im schlimmsten Fall zu Verletzungen kommen, die nicht selten im Krankenhaus behandelt werden müssen. "Die Schuld bei Problemen ist nicht bei den Konsumenten zu suchen. Hersteller achten bei der Entwicklung ihrer Produktverpackungen oft unzureichend auf Bedürfnisse und Fähigkeiten der verschiedenen Verbraucher", erklärt Frank Dittrich, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Professur Arbeitswissenschaft, und ergänzt: „Auch wenn der Weg zur kundenorientierten Verpackung von den Herstellern schon längst beschritten wurde, sind viele Probleme zu finden, die teilweise schon in Studien vor 30 Jahren bemängelt wurden. Ein Klassiker sind Schraubverschlüsse von Gläsern, beispielsweise von Gurkengläsern, die nur mit extrem hohem Kraftaufwand zu öffnen sind. Gleiches gilt für zu kleine Drehverschlüsse, die nicht genügend Fläche bieten, um ausreichend Kraft zum Öffnen aufbringen zu können.“ Aber auch Verpackungen, bei denen auf eine kundenfreundliche Gestaltung geachtet wurde, müssen nicht zwangsläufig gebrauchstauglich sein. So traten auch im Versuch der Chemnitzer Arbeitswissenschaftler immer wieder nicht funktionierende Öffnungsmechanismen auf. Oder die Mechanismen, die die Nutzerfreundlichkeit erhöhen sollten, waren nicht ausreichend gekennzeichnet und wurden somit von den Probanden gar nicht wahrgenommen.

Eine benutzerunfreundliche Verpackung wird längst nicht mehr von jedem Konsumenten einfach hingenommen. Eine anschließend zum Nutzertest durchgeführte Umfrage zeigt, dass für fast 40 Prozent der Befragten eine gebrauchstaugliche Verpackung eine kaufentscheidende Rolle spielt. Diese wenden sich bei Problemen mit Verpackungen aber nicht an Hersteller oder Verkaufspersonal. Für Hersteller bedeutet das, dass sie bei einem schlecht gelösten, aber kaufentscheidenden Produktmerkmal keine Information erhalten, wie die Verpackung beim Kunden ankommt bzw. von diesem akzeptiert wird. "Hersteller sollten deshalb nicht reagieren, sondern agieren und die Gebrauchstauglichkeit von Produktverpackungen als Wettbewerbsfaktor für sich nutzbar machen", so Dittrich.

Weitere Informationen erteilt Frank Dittrich, Telefon 0371 531-37878, E-Mail frank.dittrich@mb.tu-chemnitz.de

Mario Steinebach | Technische Universität Chemnitz
Weitere Informationen:
http://www.tu-chemnitz.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Europaweite Studie zu „Smart Engineering“
30.03.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

Ein Wimpernschlag ist unendlich lang dagegen – innerhalb von 350 Billiardsteln einer Sekunde arrangieren sich die Atome neu. Das renommierte Fachmagazin Nature berichtet in seiner aktuellen Ausgabe*: Wissenschaftler vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben die Bewegungen eines eindimensionalen Materials erstmals live verfolgen können. Dazu arbeiteten sie mit Kollegen der Universität Paderborn zusammen. Die Forscher fanden heraus, dass die Beschleunigung der Atome jeden Porsche stehenlässt.

Egal wie klein sie sind, die uns im Alltag umgebenden Dinge sind dreidimensional: Salzkristalle, Pollen, Staub. Selbst Alufolie hat eine gewisse Dicke. Das...

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

30.03.2017 | Physik Astronomie

Herzerkrankungen: Wenn weniger mehr ist

30.03.2017 | Medizin Gesundheit

Flipper auf atomarem Niveau

30.03.2017 | Physik Astronomie