Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Arbeitslosengeld-II-Empfänger sind bei der Jobsuche nicht in jeder Hinsicht kompromissbereit

07.09.2009
IAB: Individuelle Strategien bei der Betreuung notwendig

Arbeitslosengeld-II-Empfänger sind für einen neuen Arbeitsplatz zu Zugeständnissen bereit, nicht jedoch in jeder Hinsicht. Dies geht aus einer am Montag veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor.

Mehr als zwei Drittel würden einen langen Arbeitsweg, ungünstige Arbeitszeiten, eine Arbeit unter ihrem Qualifikationsniveau oder belastende Arbeitsbedingungen in Kauf nehmen. Weniger kompromissbereit zeigen sie sich beim Thema Umzug: Rund zwei Drittel der Befragten können sich nicht vorstellen, für einen neuen Arbeitsplatz den Wohnort zu wechseln. Die Lohnvorstellungen der Arbeitslosengeld-II-Empfänger liegen durchschnittlich bei 6,29 Euro netto pro Stunde.

Arbeitsuchende erwerbsfähige Hilfebedürftige sind häufig durchaus zu Zugeständnissen bereit, was die Arbeitsbedingungen einer neuen Stelle angeht, zeigt die IAB-Studie. Die Bereitschaft, für einen Job umzuziehen, sei bei der überwiegenden Mehrheit der Arbeitslosengeld-II-Empfänger jedoch nur gering ausgeprägt. "Weil die Arbeitsmarktkrise die Regionen ganz unterschiedlich trifft, könnte dennoch die Unterstützung einer regionalen Neuorientierung gerade auch gegenwärtig eine erfolgversprechende Strategie darstellen", so die Autoren der Studie.

Die Lohnerwartungen der alleinstehenden Arbeitslosengeld-II-Empfänger bieten nach Ansicht der Wissenschaftler einen weiteren Ansatzpunkt für Aktivierungsmaßnahmen. Deren Lohnvorstellungen liegen mit durchschnittlich 6,07 Euro netto zwar niedriger als bei den Arbeitslosengeld-II-Empfängern mit Kindern. Abhängig von der Zahl der Kinder wollen diese im Schnitt zwischen 6,72 und 7,58 Euro netto verdienen. Wegen der vergleichsweise ungünstigen Behandlung im Steuerrecht liegen jedoch die Bruttolohnansprüche der Alleinstehenden sehr viel höher als der Lohn, der ihrem Arbeitslosengeld II entspricht. Dies ist bei arbeitsuchenden Hilfebedürftigen mit Kindern nicht so.

Im Rahmen der Aktivierung könne es deshalb unter bestimmten Bedingungen auch um ein stärkeres Drängen zur Annahme auch niedrig entlohnter Stellen gehen, so die IAB-Studie. Dabei wären jedoch verschiedene Aspekte zu berücksichtigen. Im Einzelnen müssten die individuelle Lebenssituation, Biographie und Entwicklungsmöglichkeiten einbezogen werden. Außerdem schlagen die Arbeitsmarktforscher vor, gezielt unterstützende Lohnsubventionen einzusetzen. Zudem könne der Erwerb zusätzlicher Qualifikationen gefördert werden, um besser bezahlte Arbeitsplätze erreichbar zu machen.

Anders als zuvor in der Sozialhilfe, sei mit der Einführung des Sozialgesetzbuchs II ("Hartz IV") die Aktivierung von Arbeitslosen in den Mittelpunkt gerückt worden. Aktivierung bedeute mehr als ein bloßes Fordern und müsse an den individuellen Problemlagen der Arbeitslosengeld-II-Empfänger ansetzen, schreiben die Arbeitsmarktforscher in ihrer Studie. Dies gelte besonders in Zeiten der Arbeitsmarktkrise. "Aktivierungsbedarf ergibt sich nicht alleine dadurch, dass es den Leistungsempfängern unmittelbar an Eigeninitiative mangeln würde", betont das IAB. Vielfach sei die Eigeninitiative durchaus hoch, aber andere Hemmnisse, beispielsweise fehlende Kinderbetreuung, stünden der Aufnahme einer Beschäftigung entgegen.

Die IAB-Studie steht im Internet unter http://doku.iab.de/kurzber/2009/kb1909.pdf.

Wolfgang Braun | idw
Weitere Informationen:
http://doku.iab.de/kurzber/2009/kb1909.pdf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Europaweite Studie zu „Smart Engineering“
30.03.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs

27.04.2017 | Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

VLC 200 GT von EMAG: Neue passgenaue Dreh-Schleif-Lösung für die Bearbeitung von Pkw-Getrieberädern

27.04.2017 | Maschinenbau

Induktive Lötprozesse von eldec: Schneller, präziser und sparsamer verlöten

27.04.2017 | Maschinenbau

Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

27.04.2017 | Informationstechnologie