Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Arbeitgeber-Attraktivität: Spieglein, Spieglein an der Wand...

13.08.2009
Welche Faktoren die Arbeitgeber-Attraktivität prägen - und wie die Finanzkrise Einfluss nimmt

Wenn es nach den Unternehmen ginge, sähe ihr Wunschmitarbeiter in diesen Zeiten wie folgt aus: Hochqualifiziert, äußerst flexibel und höchst motiviert.

Denn um den Herausforderungen des sich ständig verändernden Marktes und den verschärften Wettbewerbsbedingungen gewachsen zu sein, setzen die Firmen verstärkt auf ihr sogenanntes Humankapital.

Doch der Strukturwandel und demographische Veränderungen haben zur Folge, dass die Nachfrage nach qualifizierten Mitarbeitern das Angebot deutlich übersteigt und sich nicht nur der Bewerber, sondern auch das werbende Unternehmen von seiner besten Seite zeigen muss.

Die Faktoren, die dieses Arbeitgeberimage bei Studierenden beeinflussen, untersuchte der Lehrstuhl für Marketing I von Univ.-Prof. Dr. Frank Huber an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in einer aktuellen Studie. Dabei lag der Fokus auch auf der Frage, inwieweit sich die Finanzkrise auf die Bedeutung dieser Faktoren ausgewirkt hat. Zu diesem Zweck wurde eine Datenerhebung zu zwei Zeitpunkten durchgeführt: vor und während der Finanzkrise.

Imagebildung - gestern und heute
Nach dieser Studie, an der über 300 Studierende teilgenommen haben, setzt sich das Arbeitgeberimage aus verschiedenen Attributen zusammen, die ein Unternehmen für den potenziellen Mitarbeiter attraktiv erscheinen lassen. Dazu zählen u.a. die verfügbare Freizeit, die Aufstiegs- und Karrieremöglichkeiten und das Einstiegsgehalt pro Jahr. Untersuchungspersonen der Studie waren Studierende der Wirtschaftswissenschaften der Mainzer Universität. Prof. Frank Huber erklärt: "Durch die universitäre Qualifizierung und die weitreichende Einsetzbarkeit bilden die Studierenden dieses Fachbereichs eine sehr interessante Zielgruppe im Rahmen der Rekrutierung von Unternehmen."
Bei Arbeitgeber-Attraktivität zählen "innere Werte"
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass dem Attribut "Aufstiegs- und Karrieremöglichkeiten" die größte Wichtigkeit zukommt. Dabei empfinden die Befragten den Nutzen von guten Aufstiegschancen und individuellen Karrierepfaden am stärksten. Fast genauso wichtig ist den Studierenden bei der Arbeitgeberwahl die verfügbare Freizeit, die in der Ausprägung, keine Überstunden leisten zu wollen, den größten Nutzen stiftet. Huber merkt an: "Interessant ist, dass der materielle Wert in Form des Einstiegsgehalt nur Rang drei der wichtigsten Attribute der potenziellen Mitarbeiter einnimmt." Nicht weniger interessant ist auch die Tatsache, dass trotz der vielbeschworenen Flexibilität und Globalisierung der Standort des Unternehmens eine große Rolle spielt. "Dies zeigt, dass der Wunsch der Absolventen groß ist, nach Studienabschluss in derselben Region beschäftigt zu sein", so Huber.
Zielgruppenorientierte Rekrutierung durchaus sinnvoll
Um zielgruppenspezifische Empfehlungen für Unternehmen ableiten zu können, wurden darüber hinaus die Segmente "Geschlecht" und "Studienleistungen" gezielt untersucht. Auffallend ist die Wichtigkeit der Tätigkeitsart, die für Frauen einen relativ höheren Stellenwert einnimmt. Huber bemerkt hierzu: "Ist einer Organisation besonders daran gelegen, weibliche Mitarbeiter zu rekrutieren, sollte die Tätigkeit detailliert beschrieben werden." Auch das Leistungsniveau der Studierenden, festgemacht an der Vordiplomsnote, beeinflusst die Ergebnisse. Studierende, die ihr Vordiplom mit 2,5 oder besser abgelegt haben, räumen der Sicherheit der Anstellung eine höhere Wichtigkeit ein als dem Einstiegsgehalt pro Jahr. War die Note schlechter als 2,5, rangiert das Gehalt vor der Anstellungssicherheit. "Unternehmen, die Wert auf einen sehr guten Studienabschluss legen, sollten bei den Bewerbern die Aussicht auf eine langfristige Zusammenarbeit unterstreichen", resümiert Huber.
Finanzkrise führt nur teilweise zur Anpassung der Erwartungshaltung
In einer Nacherhebung wurden die ausgewählten Attribute unter dem Eindruck der Finanzkrise erneut zur Bewertung gestellt. Ein zunächst überraschendes, aber doch nachvollziehbares Ergebnis ist, dass die zur Wahl gestellte Deutsche Bank an Arbeitgeberattraktivität gegenüber der Landesbank Rheinland-Pfalz deutlich gewinnen konnte. Huber meint hierzu: "Das durch die Medien mit vermittelte Bild dieser Banken und ihr Umgang mit der Finanzkrise beeinflusst natürlich auch die Studierenden bei ihrer Unternehmenswahl. So hat die Deutsche Bank in der Krise Stärke demonstriert und die strikte Verfolgung der Unternehmensstrategie hat wohl auch die Studierenden beeindruckt. Dem gegenüber hat das Image der Landesbank Rheinland-Pfalz anscheinend unter den öffentlich kommunizierten Problemen aller Landesbanken zu leiden." Eine Anpassung der Erwartungshaltung ist zum einen beim Attribut "Einstiegsgehalt" zu erkennen. So scheinen "Topgehälter" bei den leistungsstarken Bewerbern weiterhin sehr attraktiv zu sein, leistungsschwächere Absolventen lassen jedoch eine Anpassung in Richtung eines niedrigeren, krisenangepassten Gehalts erkennen. "Auch Zeitverträge haben im Bereich 'Sicherheit der Anstellung' an Bedeutung gewonnen. Hier spiegelt sich der Gedanke 'besser als nichts' der Studierenden wider", so Huber.
Aufbau der Studie
In der ersten durchgeführten Befragung wurden 184 Studierende befragt, die Verteilung zwischen Männern und Frauen war nahezu ausgeglichen. In die Nachbefragung konnten 141 Datensätze in die Analyse mit einbezogen werden.
Titel der Publikation:
Huber, F./Meyer, F./Müller, S./Vollmann, S.
"Ist nach der Krise vor der der Krise?"
Wie wählen Hochschulstudenten ihren zukünftigen Arbeitgeber in der Finanzbranche? - Ergebnisse einer conjointanalytischen Zeitreihenstudie
Managementorientierte Arbeitspapiere P 18
Center of Market-Oriented Product
and Production Management
Mainz 2009
ISBN Nr.: 3-938879-44-0
Das Center of Market Oriented Product and Production Management (CMPP) der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz veröffentlicht Publikationen zur Gestaltung der Schnittstelle zwischen Produktion und Marketing. Ziel dabei ist es, die Chancen des technologischen Wandels zu erkennen und die daraus resultierenden Geschäftsmöglichkeiten abzuleiten. Darüber hinaus organisieren die Mitarbeiter des CMPP Weiterbildungsveranstaltungen und untersuchen auf Anfrage konkrete Fragestellungen aus der Unternehmenspraxis. Derzeitige Direktoren sind Professor Dr. Klaus Bellmann, Lehrstuhl für Produktionswirtschaft, und Professor Dr. Frank Huber, Lehrstuhl für Marketing I, der Mainzer Universität.

Sämtliche Publikationen können über den Buchhandel oder direkt über das CMPP bezogen werden.

Kontakt:
Center of Market-Oriented Product and Production Management (CMPP)
Jakob-Welder-Weg 9
55128 Mainz
Tel.: 06131-3922227
Fax.: 06131- 3923727
E-Mail: cmpp@marketing-mainz.de

Petra Giegerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.cmpp.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Erste großangelegte Genomstudie prähistorischer Skelette aus Afrika
27.09.2017 | Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise