Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Arbeit zu Hause macht Angestellte unproduktiv

06.10.2009
Schwächere lassen sich von stärkeren Kollegen im Team mitziehen

Der "Kollegen-Effekt" bewirkt, dass die Arbeit im Team die Produktivität deutlich ansteigen lässt und das Home Office eine eher ablenkende Wirkung auf die Arbeitnehmer hat.

Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Erhebung der Universität Bologna, bei der sowohl im Labor als auch in der tatsächlichen Arbeitswelt nachgewiesen wurde, dass Arbeit zu Hause eher behindert als Vorteile schafft.

Den Wissenschaftlern zufolge nimmt erst in der kollegialen Umgebung die Bereitschaft zu stärkerer Produktivität zu. So würden vor allem die Schwächeren im Team durch die Stärkeren mitgezogen und dadurch in ihrem Tun angespornt.

Die Fachleute weisen darauf hin, dass der "Team-Effekt" schon bei einfachen Tätigkeiten wie dem Eintüten von Briefen in Hinblick auf die Produktivität nachgewiesen werden kann. Denn die Probandenpaare zeigten sich zusammen deutlich schneller als wenn jeder einzeln vor sich hinwerkeln würde. Das Ergebnis überzeugt. Die Testpersonen verpackten im Schnitt deutlich mehr Briefe - in vier Stunden 221 gegenüber 190. Daraus leiteten die Wissenschaftler ab, dass die Anwesenheit eines Kollegen in der gleichen Aufgabe dazu führt, dass beide ein ähnliches Tempo entwickeln. Heruntergebrochen auf Sinn und Unsinn des Home Office ist dies ein wichtiger Aspekt.

"Dass Angestellte zum Beispiel in Großraumbüros produktiver und effizienter arbeiten als zu Hause allein, halte ich für falsch und nicht allgemeingültig. Es gibt genauso gut viele Studien, die das Gegenteil beweisen. Bewiesen ist auch, dass bestimmte Gruppen wie alleinerziehende Frauen in einer ruhigen Arbeitsumgebung viel besser arbeiten können", so Rüdiger Trimpop, Lehrstuhlinhaber für Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie an der Universität Jena, gegenüber pressetext. Dem Fachmann nach kann man sich zu Hause nicht nur ungestörter, sondern auch kreativer entfalten und seinem Tätigkeitsbereich widmen.

Wie die Wissenschaftler mit der Studie "Clean Evidence on Peer Effects" herausfanden, lohnt es sich, einen besonders guten Mitarbeiter einzustellen und in ein Team zu integrieren. Er hebt nicht nur die Leistung der anderen Kollegen, sondern verbessert darüber hinaus auch noch die eigene Performance. "Der Effekt einer Kollegenumgebung hängt maßgeblich von der Branche und dem Grad der abverlangten Kreativität ab. Dass Home Offices undifferenziert als schlecht für die Arbeitsleistung gesehen werden, ist daher nicht richtig", sagt Trimpop im Gespräch mit pressetext. Auch müsse die individuelle Lebenssituation des Mitarbeiters berücksichtigt werden.

Aktuelle Erkenntnisse der Haas School of Business http://www.haas.berkeley.edu haben auch die hinter dem "Kollegen-Effekt" liegenden Ursachen sichtbar machen können. So arbeiten nur jene Kollegen schneller, die von Leistungsstarken gesehen werden können - nicht aber jene, die in deren Rücken sitzen. Außerdem nimmt der Effekt mit zunehmender Entfernung stark ab. Auch das Wissen, mit starken Kollegen im Team zusammenzuarbeiten, lässt die Motivation wachsen, schneller zu arbeiten. Aus dieser Erhebung namens "Peers at Work" schließt man, dass Teams produktiver sind, da sich die anderen von guten Kollegen unter Druck gesetzt fühlen.

Die Studie "Clean Evidence on Peer Effects" steht als PDF unter http://www.journals.uchicago.edu/doi/pdf/10.1086/497818 als Download zur Verfügung.

Die Studie "Peers at Work" kann unter http://www.econ.berkeley.edu/~moretti/text20.pdf ebenfalls als PDF abgerufen werden.

Florian Fügemann | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.unibo.it
http://www.uni-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Zirkuläre Wirtschaft: Neues Wirtschaftsmodell für die chemische Industrie?
28.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Unternehmen entwickeln sich zu Serviceanbietern
25.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Scharfe Röntgenblitze aus dem Atomkern

17.08.2017 | Physik Astronomie

Fake News finden und bekämpfen

17.08.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Effizienz steigern, Kosten senken!

17.08.2017 | Messenachrichten