Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Anteil der Frauen in Führungspositionen stagniert

02.03.2011
Neue Untersuchung

75 Prozent der weiblichen Aufsichtsratsmitglieder auf Arbeitnehmerseite

Der Frauenanteil auf den Leitungsebenen börsennotierter Unternehmen stagniert auf niedrigem Niveau. Ende Januar 2011 waren lediglich 3,1 Prozent der Vorstandsposten mit Frauen besetzt. Damit hat sich bei der Präsenz von Frauen in den Vorständen im Vergleich zu Anfang 2010 und 2009 (jeweils 3,0 Prozent) insgesamt praktisch nichts verändert. Es gibt aber Differenzierungen: So ist beispielsweise in mitbestimmten Unternehmen der Anteil weiblicher Vorstände gestiegen, in Unternehmen ohne Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat hingegen gesunken. Im Branchenvergleich ergeben sich überraschende Befunde: Unternehmen der Industrie weisen mit rund neun Prozent den höchsten Frauenanteil im Vorstand auf. Das ergibt eine neue Auswertung der Hans-Böckler-Stiftung.*

In den Aufsichtsräten lag der Anteil weiblicher Mitglieder Anfang 2011 bei 10 Prozent. Er ist gegenüber Januar 2010 (9,4 Prozent) geringfügig gestiegen, liegt aber unter dem Wert von 2009 (10,2 Prozent). Die Arbeitnehmermitbestimmung führt zu einem deutlich höheren Frauenanteil in Aufsichtsräten. In Kontrollgremien mit Arbeitnehmervertretern sind insgesamt 11,7 Prozent der Mitglieder weiblich. 75 Prozent davon sind Arbeitnehmervertreterinnen. In Aufsichtsräten ohne Mitbestimmung sind weibliche Mitglieder extrem selten.

Die Ökonomin Marion Weckes analysiert in ihrer Untersuchung die quantitativen Geschlechterverhältnisse in Kontrollgremien und Chefetagen jener 160 Unternehmen, die in den Börsensegmenten Dax-30, M-Dax, S-Dax und Tec-Dax notiert sind. Weckes´ Analyse erscheint 2011 im vierten Jahr, so dass Vergleiche im Zeitverlauf möglich sind.

Vorstände: Die Untersuchung macht deutlich: Rund zehn Jahre nach der Selbstverpflichtung der deutschen Wirtschaft, die Gleichstellung der Geschlechter voranzutreiben, sind Frauen an der Unternehmensspitze immer noch Ausnahmeerscheinungen. Nur 17 der untersuchten 160 börsennotierten Unternehmen hatten Ende Januar mindestens eine Frau im Vorstand. Insgesamt sind von 668 Spitzenpositionen nur 21 mit Frauen besetzt.

Dabei zeigt sich ein Größeneffekt: Während im Tec-Dax 5,3 Prozent sowie im S-Dax 4,4 Prozent Frauen im Vorstand vertreten sind, sind es im M-Dax nur 1,9 Prozent und 2,2 Prozent im Dax-30. Das entspricht vier weiblichen Vorstandsmitgliedern im Spitzensegment der deutschen Wirtschaft. Der Frauenanteil bei den Vorständen im Dax-30 ist zwar gewachsen, allerdings auf extrem niedrigem Niveau. 2010 und in den beiden Jahren zuvor hatte es in diesen Unternehmen gerade einmal eine Frau im Vorstand (entspricht 0,5 Prozent) gegeben.

Insgesamt ist der Frauenanteil in den Vorständen mitbestimmter Unternehmen mit 3,3 Prozent nun etwas höher als in Unternehmen ohne Arbeitnehmervertretung im Aufsichtsrat (2,8 Prozent). Zwischen 2008 und 2011 war die Entwicklung in beiden Gruppen gegenläufig: In Unternehmen mit Arbeitnehmerpräsenz im Aufsichtsrat ist der Wert kontinuierlich gestiegen, in Unternehmen ohne Arbeitnehmerbeteiligung ging er zurück.

Beim Vergleich der Frauenpräsenz nach Branchen schneiden die – angelehnt an die Einteilung durch die Frankfurter Börse – in der Branche Industrie zusammengefassten Unternehmen (Siemens AG, GEA Group AG, GESCO AG, Rheinmetall AG, ThyssenKrupp AG) noch am besten ab. Mit 9,1 Prozent Frauenanteil in der Vorstandsetage führt die Industrie das Ranking an, gefolgt von der Pharmabranche mit 7,7 Prozent. Dagegen sitzt bei Banken, Finanzdienstleistern und Versicherungen, im Transport- und Logistikbereich oder in der Medienbranche keine einzige Frau im Vorstand.

Aufsichtsräte: Dass der Frauenanteil in den Aufsichtsräten bei insgesamt 10 Prozent liegt, ist ganz wesentlich ein Effekt der Mitbestimmung, zeigt Weckes´ Auswertung. In den 101 mitbestimmten Aufsichtsräten, bei denen je nach Unternehmensgröße ein Drittel oder die Hälfte der Mitglieder von den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern gestellt werden, unterscheiden sich Arbeitnehmer- und Kapitaleignerbänke deutlich: Auf Beschäftigtenseite liegt der Frauenanteil bei 18,4 Prozent. Bei den Anteilseignern sind es 5,6 Prozent.

Zudem scheint die Repräsentanz der Beschäftigten im Aufsichtsrat auch noch einen indirekten Effekt zu haben: „Offenbar trägt die Mitbestimmung dazu bei, dass auch auf Anteilseignerseite mehr Frauen gewählt werden. Sie scheint dort einen disziplinierenden Effekt zu haben“, beobachtet Expertin Weckes. Für diese These spricht der noch weitaus geringere Frauenanteil in den 59 untersuchten Aufsichtsräten ohne Arbeitnehmerbeteiligung: Dort sitzen nur 2,6 Prozent weibliche Mitglieder.

*Marion Weckes: Geschlechterverteilung in Vorständen und Aufsichtsräten. Stand: 31. Januar 2011. Download: http://www.boeckler.de/pdf/mbf_gender_2011.pdf

Ansprechpartner in der Hans-Böckler-Stiftung

Marion Weckes
Abteilung Mitbestimmungsförderung
Tel.: 0211-7778-166
E-Mail: Marion-Weckes@boeckler.de
Rainer Jung
Leiter Pressestelle
Tel.: 0211-7778-150
E-Mail: Rainer-Jung@boeckler.de

Rainer Jung | idw
Weitere Informationen:
http://www.boeckler.de/pdf/mbf_gender_2011.pdf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Flüssiger Wasserstoff im freien Fall

05.12.2016 | Maschinenbau

Forscher sehen Biomolekülen bei der Arbeit zu

05.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungsnachrichten