Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Anonymisierte Daten schützen Privatsphäre nicht

30.03.2009
Forschern gelingt Re-Identifikation von Twitter-Nutzern

Informationen über Online-Beziehungen zwischen Nutzern von Social-Networking-Angeboten, sogenannte Social Graphs, werden für verschiedene Zwecke weitergegeben. Dabei werden die Daten anonymisiert, um die Privatsphäre der Anwender zu schützen. Doch dieser Schutz ist unzureichend, so zwei Informatiker der University of Texas in Austin.

In der Studie "De-Anonymizing Social Networks" stellen sie einen Algorithmus zur Re-Identifikation von Usern vor. Als Praxisbeispiel diente ihnen ein De-Anonymisierungsangriff auf das Microblogging-Service Twitter. Ein Drittel aller Twitter-Nutzer, die auch einen Flickr-Account haben, konnte im anonymisierten Twitter-Graph erfolgreich identifiziert werden. "Das ist Wasser auf unsere Mühlen, höhere Anforderungen an Betreiber zu stellen", meint Andreas Poller vom Fraunhofer-Instituts für Sichere Informationstechnologie (SIT) im Gespräch mit pressetext.

Der Algorithmus der Informatiker Arvind Narayanan und Vitaly Shmatikov versucht, im anonymisierten Datensatz Nutzer mithilfe eines Hilfsdatensatzes zu identifizieren. Dazu sucht er nach ähnlichen Strukturen in den Beziehungen zwischen Nutzern. Zwar sind dabei als Grundlage genaue Informationen über einige Dutzend Mitglieder des angegriffenen Netzwerks erforderlich ("Seeds"). Diese seien in der Praxis aber leicht zu bekommen, so die Forscher - etwa durch eine eigene, reale Mitgliedschaft, über kompromittierte Computer oder mittels leicht identifizierbarer, falscher Profile. Im Experiment mit Twitter als Angriffsziel und Flickr als Hilfsdaten konnten bei nur 150 Seeds 30,8 Prozent der Nutzer automatisch korrekt re-identifiziert werden. Weitere fünf Prozent wurden zwar fehlidentifiziert, allerdings mit Personen in direkter Beziehung zum eigentlichen Nutzer. Der menschliche Angreifer könne die De-Anonymisierung hier wohl meist korrekt vollenden, so die Forscher.

Große anonymisierte Datensätze können aus verschiedenen Gründen weitergegeben werden, etwa für Drittentwickler, die Anwendungen bereitstellen, als Forschungsmittel für Soziologen oder auch für Marketing-Zwecke. Interesse an der De-Anonymisierung könnten den texanischen Forschern zufolge etwa spionierende Behörden, Cyberkriminelle oder auch unethische Marketer haben. Die Informatiker sind der Ansicht, dass ein effektiver technischer Schutz vor ihrem Algorithmus gar nicht möglich wäre. Daher fordern sie, dass Betreiber von Social Networks sich nicht auf Anonymisierung als Allheilmittel in Sachen Privatsphäre verlassen. Auch sollten sie Nutzer über die Weitergabe von Daten informieren und einen Widerspruch dagegen ermöglichen. "Anonymisierung ist zwar gut, aber nicht als alleiniges Mittel zum Schutz der Privatsphäre", meint auch Poller. Er hatte im September eine Studie dazu veröffentlicht, wie Social Netwerks die Privatsphäre gefährden (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/080926012/).

"Die Möglichkeit, einen anonymisierten Datensatz derartig zu de-anonymisieren, war bereits bekannt", betont Poller. Der Ansatz, dabei auf einen Hilfsdatensatz mit persönlich identifizierenden Informationen zurückzugreifen, sei gängig. Die Annahme, dass Freundesnetzwerke in verschiedenen Netzen ähnliche Strukturen haben und eben das für den Angriff zu nutzen, sei ihm aber zuvor nicht untergekommen, so Poller.

Thomas Pichler | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.utexas.edu
http://www.sit.fraunhofer.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu Bildungsangeboten für die Industrie 4.0 in Österreich
05.02.2018 | Fachhochschule St. Pölten

nachricht Schildkrötengehirne sind komplexer als gedacht
05.02.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

Von Bitcoins bis zur Genomchirurgie

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Markierung für Krebsstammzellen

20.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Da haben wir den Salat: Erste Ernte aus aufbereitetem Abwasser im Forschungsprojekt HypoWave

20.02.2018 | Agrar- Forstwissenschaften

Die Brücke, die sich dehnen kann

20.02.2018 | Architektur Bauwesen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics