Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Anbau gentechnisch veränderter Baumwolle reduziert Armut

25.09.2009
Göttinger Agrarökonomen untersuchen den Nutzen von schädlingsresistenter Baumwolle in Indien

Der Nutzen von gentechnisch verändertem Saatgut wird in Deutschland und Europa kontrovers diskutiert. Der Göttinger Agrarökonom Prof. Dr. Matin Qaim und sein Forscherteam belegen in einer Studie, dass gentechnisch veränderte Baumwolle zur Armutsminderung beitragen kann.

So kann der Anbau von schädlingsresistenter Bt-Baumwolle in Indien die Einkommen ländlicher Armutshaushalte beträchtlich steigern. Bei der Bt-Baumwolle wurde ein Gen des Bakterium Bacillus thuringiensis eingefügt. Es produziert ein Gift gegen Fraßschädlinge, das jedoch als unschädlich für Menschen gilt. Die Ergebnisse der Studie sind in der September-Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Nature Biotechnology" erschienen.

"In den vergangenen Jahren haben zahlreiche unabhängige Studien gezeigt, dass insektenresistente Pflanzen mit eingebauten Bt-Genen den chemischen Pestizid-Einsatz erheblich reduzieren und gleichzeitig die Erntemengen steigern, vor allem auch bei Kleinbauern in einigen Entwicklungsländern", so Prof. Qaim. Wissenschaftliche Publikationen hätten sich bisher vor allem auf die unmittelbaren Auswirkungen auf dem Feld konzentriert. Die nun von dem Forscherteam vorgelegte Studie berücksichtigt auch soziale und wirtschaftliche Aspekte. Bt-Baumwolle wurde 2002 in Indien kommerzialisiert und 2008 von mehr als fünf Millionen Kleinbauern angebaut. Mehrere repräsentative Umfragen ergaben, dass Kleinbauern, die Bt-Baumwolle anbauen, im Schnitt 41 Prozent weniger Pestizide benötigten und 37 Prozent höhere Ernteerträge erzielen. Finanziell bedeutet das einen Mehrgewinn von 135 Dollar pro Hektar.

Für die 7,6 Millionen Hektar Bt-Baumwolle in Indien ergibt es insgesamt zusätzlich 1 Millliarde Dollar direkten Gewinn für die Bauern. Der indirekte Gewinn berücksichtigt darüber hinaus das Mehreinkommen für die von der Baumwollproduktion abhängigen Landarbeiter sowie für die Beschäftigten in anderen Sektoren wie Transport und Handel. Zudem fließt in die Berechnung der mit dem höheren Einkommen zusammenhängende Schub für andere lokale Branchen ein. Direkter und indirekter Gewinn zusammen belaufen sich in Indien auf 1,87 Milliarden Dollar pro Jahr. 60 Prozent dieser Einkommenssteigerung entfällt auf Haushalte unterhalb der Armutsgrenze, für die sich die Lebenssituation entscheidend verbessert. Von den positiven Beschäftigungseffekten, insbesondere für Frauen, profitieren auch Haushalte von Landarbeitern.

Originalveröffentlichung: "Commercialized GM crops and yield", Nature Biotechnology, September 2009, Volume 27, No 9, pp 803-804

Kontaktadresse:
Prof. Dr. Matin Qaim
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Agrarwissenschaften
Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung
Telefon (0551) 39-4806
E-Mail: mqaim@uni-goettingen.de

Dr. Bernd Ebeling | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-goettingen.de/de/18500.html
http://www.nature.com/nbt/journal/v27/n9/full/nbt0909-803b.html
http://www.uni-goettingen.de/de/18500.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften

29.03.2017 | Energie und Elektrotechnik

Klein bestimmt über groß?

29.03.2017 | Physik Astronomie

OLED-Produktionsanlage aus einer Hand

29.03.2017 | Messenachrichten