Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ambrosia-Allergie: Wenn Globalisierung und Klimawandel zusammenspielen

19.06.2012
Universitätsklinik für Dermatologie und Allergologie leitet klinischen Teil einer EU-Studie / Studienteilnehmer gesucht

Es hat gefiederte grüne Blätter, kann bis zu zwei Meter hoch werden und wird oft mit dem gemeinen Beifuß verwechselt: Das beifußblättrige Traubenkraut (Ambrosia artemisiifolia), auch Beifuß-Ambrosie genannt. Doch das unscheinbare Kraut macht den Menschen auch in unserer Region zunehmend zu schaffen.


Ambrosia artemisiifolia-Pflanze.
Erika Hartmann/pixelio

„Die Ambrosia ist zum einen hoch allergen, das heißt, dass viele Menschen allergisch reagieren und bereits eine kleine Pollenmenge Reaktionen auslöst. Zum anderen verlaufen Ambrosia-Allergien oft sehr schwer. Das kann ein starker Heuschnupfen sein, eine Bindehautentzündung, ein juckendes Ekzem bis hin zum Asthma“, sagt PD Dr. Christiane Pfeiffer, Allergologin an der Klinik für Dermatologie und Allergologie am Universitätsklinikum Ulm.

Um Ausbreitung, Auswirkungen und Bekämpfungsmöglichkeiten des Ambrosia-Bewuchses zu erforschen, haben sich Institute verschiedener Disziplinen aus ganz Europa zu dem EU-geförderten Projekt „Atopica“ zusammengeschlossen. Die Ulmer Universitätsklinik für Dermatologie und Allergologie (Ärztliche Direktorin: Prof. Dr. Karin Scharffetter-Kochanek) leitet den klinischen Teil der wissenschaftlichen Studie, wie PD Dr. Pfeiffer erläutert: „Wir möchten herausfinden, ob man auch im Alter noch Allergien neu entwickeln kann. Deshalb nehmen wir Menschen ab 60 Jahre in unsere Studie auf.“

Dazu sind die Wissenschaftler auf die Unterstützung durch die Bevölkerung angewiesen. Sie suchen Freiwillige, die zu einer kurzen Befragung und einem kostenlosen Allergietest in die neuen Klinikräume auf dem Oberen Eselsberg kommen. „Wir testen die Teilnehmer auf etwa zehn häufige Allergene und besprechen das Ergebnis anschließend mit ihnen. So können sie auch erfahren, ob sie eine allgemeine Neigung zu Allergien haben. Wer möchte, erhält einen Allergieausweis“, so Prof. Dr. Karin Scharffetter-Kochanek, die Ärztliche Direktorin der Klinik für Dermatologie und Allergologie. Sie lädt alle Interessierten in die neue Chirurgie I Dermatologie ein: „Wir freuen uns über jede Teilnehmerin und jeden Teilnehmer, die wir in unseren neuen, hochmodernen Behandlungsräumen begrüßen dürfen.“ Der Zeitaufwand beträgt eine bis zwei Stunden, Teilnehmer benötigen weder ihre Versichertenkarte noch einen Überweisungsschein.

Dass Menschen hierzulande überhaupt unter Ambrosia-Allergie leiden, ist Ergebnis des Zusammenspiels von Globalisierung und Klimawandel: Die ursprünglich in Nordamerika beheimatete Pflanze wurde vermutlich bereits Ende des 19. Jahrhunderts nach Europa eingeschleppt. Zwischen Getreide und Kleesaat erreichten Ambrosia-Samen die Häfen Europas und breiteten sich von dort über die Landwege weiter aus. Doch die klimatischen Bedingungen in Deutschland ließen zunächst keine dauerhaften Ambrosia-Bestände zu. Die zunehmende Klimaerwärmung Ende des 20. Jahrhunderts änderte das.

Heute finden sich Ambrosia-Pflanzen an Wegesrändern und auf Schutthalden, auf Baustellen wie am Waldrand. Und auch in vielen Gärten der Region, wie PD Dr. Pfeiffer bestätigt: „Neben der Verbreitung über Gütertransporte ist ein Großteil der in Deutschland erhältlichen Vogelfuttermischungen mit Ambrosia-Samen verunreinigt“, so die Studienleiterin. In einer Untersuchung des Verbrauchermagazins Ökotest aus dem Jahr 2007 waren nur drei von 18 Vogelfutterprodukten frei von Ambrosia-Samen. Via Pollenflug konnte sich die Ambrosia außerdem über die Westschweiz bis in den Oberrheingraben ausbreiten. Der Schaden ist so beträchtlich, dass die Schweiz eine Melde- und Bekämpfungspflicht eingeführt hat. Einfaches Abmähen genügt allerdings nicht, da die Wurzeln erneut austreiben und die Ambrosia bis zu vier Mal pro Jahr blüht – und ihre Pollen verbreitet.

Kontakt und Terminvereinbarung über das Studienzentrum:
Montag bis Freitag 9-12 Uhr
Telefon: 0731 500 57675
Leitung der Studie: PD Dr. Christiane Pfeiffer
Christiane.pfeiffer@uniklinik-ulm.de

Klinik für Dermatologie und Allergologie
Universitätsklinikum Ulm
Ärztliche Direktorin: Prof. Dr. Karin Scharffetter-Kochanek
Albert-Einstein-Allee 23
89081 Ulm

Anne Huschka | idw
Weitere Informationen:
http://www.atopica.eu/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wiederverwendung von IT- und Kommunikationsgeräten schont Klima und Ressourcen
23.02.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Klimawandel verstärkt Selenmangel
21.02.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Proteine Zellmembranen verformen

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor Oliver Daumke vom MDC erforscht. Er und sein Team haben nun aufgeklärt, wie sich diese Proteine auf der Oberfläche von Zellen zusammenlagern und dadurch deren Außenhaut verformen.

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor...

Im Focus: Safe glide at total engine failure with ELA-inside

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded after a glide flight with an Airbus A320 in ditching on the Hudson River. All 155 people on board were saved.

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded...

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Poseidon goes Politics – Wer oder was regiert die Ozeane?

27.02.2017 | Veranstaltungen

Fachtagung Rapid Prototyping 2017 – Innovationen in Entwicklung und Produktion

27.02.2017 | Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Herz-Untersuchung: Kontrastmittel sparen mit dem Mini-Teilchenbeschleuniger

27.02.2017 | Medizintechnik

Neue Maßstäbe für eine bessere Wasserqualität in Europa

27.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wenn der Schmerz keine Worte findet - Künstliche Intelligenz zur automatisierten Schmerzerkennung

27.02.2017 | Medizintechnik