Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Alt oder Jung: Wer kann die Gefühle des Partners besser einschätzen?

07.10.2013
Wie zuverlässig können Menschen die Gefühle einer vertrauten Person, wie des eigenen Partners, einschätzen? Welche Rolle spielen dabei Gesichtsausdrücke? Und gibt es Unterschiede zwischen Alt und Jung?

Diesen Fragestellungen widmeten sich Wissenschaftlerinnen der Forschungsgruppe „Affekt im Lebensverlauf“ vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. Mit ihrer Studie unter 100 Paaren stellen sie eine gängige These der Emotionsforschung auf den Prüfstand.

Im Laufe des Erwachsenenlebens wird es nachweislich schwieriger, emotionale Gesichtsausdrücke von anderen Menschen zu interpretieren. Doch haben ältere Erwachsene deshalb generell Probleme damit, Gefühle ihrer Mitmenschen zu erkennen?

In einer aktuellen Studie, die jüngst in der Zeitschrift „Psychological Science“ veröffentlicht wurde, stellten Wissenschaftlerinnen des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung diese häufig abgeleitete Annahme auf die Probe. Untersucht wurde dabei, wie zuverlässig jüngere und ältere Erwachsene die jeweilige Gefühlslage des eigenen Lebenspartners einschätzen können.

Die Forscherinnen fanden heraus, dass es älteren Erwachsenen zwar in der Tat schwerer fällt, die Gefühle ihres Partners zu beurteilen, dies aber nur in alltäglichen Situationen gilt, in denen der Partner anwesend ist und somit der emotionale Ausdruck des anderen zur Einschätzung herangezogen werden kann, wie zum Beispiel die Haltung oder die Mimik. Sobald der Partner jedoch abwesend ist und das Urteil ausschließlich darauf beruht, den Partner gut zu kennen, schätzen die älteren Erwachsene die Gefühle ebenso treffsicher ein wie die jüngeren.

Das Ablesen der Emotionen aus der Mimik oder dem allgemeinen Verhalten ist somit nicht der einzige Aspekt der zählt, wenn es darum geht, zu erkennen, wie es dem Partner geht. „Um die Gefühle anderer zu beurteilen, verlassen sich Menschen nicht ausschließlich auf emotionale Gesichtsausdrücke“, sagt Studienleiterin Antje Rauers. Stattdessen nutzten sie für ihre Einschätzung zusätzliche Informationen, wie situative Gegebenheiten oder das Wissen über die bestimmte Person.

„Frühere Studien legten den Schluss nahe, dass die Fähigkeit, die Gefühle anderer zu erkennen, im Laufe des Erwachsenenalters abnimmt. Unsere Ergebnisse zeigen aber, dass das nur für ganz bestimmte Aspekte gilt, wie etwa für die Fähigkeit, anderen ihre Gefühle am Gesicht abzulesen“, kommentiert Antje Rauers die Studienergebnisse. „Wenn man eine Person gut kennt, dann braucht man sie noch nicht einmal anzusehen, um zu wissen, wie es ihr geht. Man weiß es aufgrund früherer Erfahrungen – und diese wichtige Fähigkeit bleibt im Alter stabil.“

An der Studie nahmen 100 Paare im Alter zwischen 20 und 30 Jahren sowie zwischen 69 und 80 Jahren teil. Zunächst bekamen die Studienteilnehmer im Labor Bilder vorgelegt. Sie sollten beurteilen, welche Emotionen die abgebildeten Personen zeigen. Unter Laborbedingungen bestätigte sich die in der Emotionsforschung gängige Feststellung, dass ältere Menschen emotionale Gesichtsausdrücke weniger treffsicher interpretieren. Erst im Alltagstest ergab sich dann ein differenzierteres Bild.

Mit Hilfe von Smartphones übermittelten die Teilnehmer sechs Mal am Tag und über zwei Wochen hinweg ihre eigenen Gefühle, während sie gleichzeitig die des Partners einschätzten. Zusätzlich wurde abgefragt, ob der Partner gerade anwesend war oder nicht.

In Folgestudien der Max-Planck-Forschungsgruppe wird nun untersucht, welche Bedeutung die Fähigkeit, Gefühle von anderen richtig zu deuten, für soziale Beziehungen hat.

Kerstin Skork | Max-Planck-Institut
Weitere Informationen:
http://www.mpib-berlin.mpg.de/de/presse/2013/10/alt-oder-jung-wer-kann-die-gefuehle-des-partners-besser-einschaetzen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften