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Alles unter Kontrolle?

07.05.2012
Der Glaube, alles im Griff zu haben, hängt von Alter und Bildung ab, fanden Psychologen heraus / Studie an der Universität Münster

Die Überzeugung, alles im Leben im Griff zu haben, ist bei den Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt. Während die einen sich im Arbeitsleben oder privat oft dem Schicksal ausgeliefert fühlen, haben andere das Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben und auch Einfluss nehmen zu können.

Wovon das abhängt, hat ein Team aus Psychologen der Universitäten Münster, Mainz und Leipzig erforscht. Ihre wichtigste Erkenntnis: Die sogenannte Kontrollüberzeugung verändert sich im Laufe des Lebens, und sie hängt vielfach vom Bildungshintergrund ab.

"Ob jung oder alt, das Bildungsniveau spielt immer eine große Rolle", sagt Psychologin Dr. Jule Specht, die die Studie in Münster federführend durchführte. Ursache dafür sei unter anderem, dass Menschen mit unterschiedlichem Bildungshintergrund auch ganz objektiv unterschiedlich viel Kontrolle über ihr Leben, zum Beispiel durch einen anderen Grad an Selbstbestimmung im Beruf, haben. Die Studie wurde gerade in der Fachzeitschrift "Developmental Psychology" veröffentlicht.

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass es offensichtlich ausschlaggebend ist, ob die Befragten zum Beispiel über einen Haupt- oder Realschulabschluss verfügen oder etwa Abitur haben. Davon hängt es mit ab, wie sehr sie davon überzeugt sind, alles selbst in der Hand zu haben. "Hinzu kommt: Selbst im Alter, wo man meinen könnte, die Kontrollüberzeugung hängt eher vom Thema Gesundheit oder Krankheit ab, ist die Bildung und ein Stück weit auch die Höhe der Rente ausschlaggebend für diese Überzeugung", berichtet die Psychologin, die mittlerweile an die Universität Leipzig wechselte.

Nach der Studie haben jüngere Menschen in der Lebensphase, wo ihnen vieles noch offen steht, vielfach eine höhere Kontrollüberzeugung. In der Auswertung ließ sich das bei Leuten im Alter zwischen 20 und 40 feststellen. In späteren Jahren sinke diese Überzeugung, möglicherweise weil sich dann die beruflichen Einflussmöglichkeiten verringerten. Noch später, also zum Lebensabend hin zwischen 60 und 70 Jahren, geht dann den Ergebnissen zufolge die individuell wahrgenommene Kontrollüberzeugung erstaunlicherweise wieder hoch.

"Das ist insofern verwunderlich, weil ja die tatsächliche Kontrollierbarkeit im höheren Lebensalter wegen einer höheren Erkrankungsgefahr abnimmt. Wir haben aber herausgefunden, dass ältere Menschen dennoch eine überraschend hohe Kontrollüberzeugung haben."

Die Studie der Psychologen basiert auf Daten des "Sozio-oekonomischen Panels" (SOEP) des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (Berlin), eine der ältesten und größten Längsschnittstudien privater Haushalte. Für das SOEP werden regelmäßig mehr als 20.000 Menschen zu Einkommen, Erwerbstätigkeit, Bildung und Gesundheit befragt. Weil es immer dieselben Befragten sind, können nicht nur langfristige gesellschaftliche Trends, sondern auch die gruppenspezifischen Lebensläufe analysiert werden.


Studie:
Specht, J., Egloff, B., & Schmukle, S. C. (2012, April 30). Everything Under Control? The Effects of Age, Gender, and Education on Trajectories of Perceived Control in a Nationally Representative German Sample. Developmental Psychology. Advance online publication. doi: 10.1037/a0028243
Pressestelle der Universität Münster
Juliane Albrecht
Schlossplatz 2, 48149 Münster
juliane.albrecht@uni-muenster.de
+49 251 83-24774
Links:
• Online-Publikation der Studie
http://psycnet.apa.org/psycinfo/2012-10803-001/
• Sozio-oekonomisches Panel (SOEP)
http://www.diw.de/soep
• Homepage Jule Specht
http://www.uni-leipzig.de/~diffdiag/specht

Juliane Albrecht | Universität Münster
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenster.de

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