Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Einer für alle, alle für einen?

27.12.2010
Wirtschaftspsychologen weisen in Studie positive Teameffekte nach / Veröffentlichung im "Journal of Experimental Social Psychology"

Dass Teamarbeit in der Wirtschaft oder im Sport zusätzliche Energien freisetzen kann, wird von Laien kaum bestritten. Dabei überschätzen Laien allerdings regelmäßig positive Effekte von Teamarbeit – die "gefühlte" Leistung entspricht oft nicht der objektiven.

Tatsächlich führt Teamarbeit im Alltag häufig sogar zu einer Reduzierung der Einzelanstrengungen. Studien haben etwa gezeigt, dass Brainstorming in Gruppen durchweg zu schlechterer Leistung führt, als wenn dieselbe Anzahl Personen jeweils neue Ideen in Einzelarbeit entwickelt und danach erst die Ergebnisse zusammenträgt. Oft denken Teammitglieder, ihr Beitrag für das Team sei nicht wichtig oder es würde nicht auffallen, wenn sie sich nicht beteiligen. Solche negativen Effekte von Teamarbeit sind seit Jahren gut erforscht.

Über positive Effekte von Teamarbeit ist dagegen noch sehr wenig bekannt. Psychologen der Universität Münster haben nun im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützten Projekts gezeigt, wann und warum positive Gruppeneffekte tatsächlich auftreten und wie sie funktionieren. Und noch wichtiger: "Wir konnten diese positiven Teameffekte nicht nur in künstlicher Simulation im Labor nachweisen, sondern auch im alltäglichen Leben. Der zentrale Mechanismus ist dabei die erlebte Verantwortung für Andere. Menschen sind offensichtlich gar nicht so egoistisch, wie man oft annimmt", erklärt Prof. Dr. Guido Hertel vom Lehrstuhl Organisations- und Wirtschaftspsychologie der Universität Münster. Die Ergebnisse der Untersuchung sind aktuell im internationalen Fachmagazin "Journal of Experimental Social Psychology" publiziert.

Aufbauend auf Laborstudien im DFG-Projekt analysierten Guido Hertel und sein Kollege Dr. Joachim Hüffmeier für diese Studie die Einzel- und Staffelwettkämpfe der Schwimmer bei den Olympischen Spielen 2008 in China. "Die Schwimmer zeigten beim Staffelwettbewerb deutlich höhere Leistungen als in der Einzeldisziplin - allerdings nur dann, wenn sie am Schluss der Staffel schwammen und ihre Leistung somit das Schicksal des gesamten Teams bestimmte", erläutert Psychologe Joachim Hüffmeier. Als Datenbasis dienten die Start- und Wettkampfzeiten in den einzelnen Disziplinen. Den Forschern gelang damit der systematische Nachweis "motivationaler Synergieeffekte“ außerhalb des wissenschaftlichen Labors.

Die münsterschen Wirtschaftspsychologen gehen davon aus, dass sich die Ergebnisse auch auf andere Disziplinen im Sport oder auch auf Teams im Arbeitsleben übertragen lassen. Im Vergleich zu beruflichen Teams bieten Sportteams zwar aufgrund der standardisierten Aufgaben und der exakten Zeitmessung bessere Voraussetzungen für den eindeutigen Nachweis von Synergieeffekten. "Sind jedoch die zugrunde liegenden Mechanismen einmal klar, kann man sie auch sehr gut in komplexen Situationen einsetzen und nutzen", betont Guido Hertel.

Die Studie ist Teil eines DFG-Projekts zu Motivationsgewinnen durch Teamarbeit. Die zentrale Frage lautet: Wann und warum löst Teamarbeit zusätzliche Anstrengungen der Teammitglieder aus? Das Projekt läuft seit zweieinhalb Jahren an der Universität Münster und ist Teil einer größeren Forschungsinitiative des Lehrstuhls zum Thema Teamarbeit. Dabei gab es bereits einzelne Studien in Kooperation mit großen Wirtschaftsunternehmen, bei denen es etwa um Teamdiagnose, Führung und Teamentwicklung ging.

Für die Zukunft sind weitere Studien geplant, von denen auch potenzielle neue Kooperationspartner profitieren können. Es geht darum, nicht nur Synergieeffekte zu beobachten, sondern auch Hilfestellung zu geben, wie solche positiven Teameffekte dauerhaft erzeugt werden können. Interessenten für Kooperationen können sich an Guido Hertel wenden per Mail an ghertel@uni-muenster.de oder per Telefon unter 0251 83-34161.

Pressestelle der Universität Münster
Juliane Albrecht
Schlossplatz 2, 48149 Münster
juliane.albrecht@uni-muenster.de
+49 251 83-24774
Links:
Kurzbeschreibung der Studie
http://dx.doi.org/10.1016/j.jesp.2010.12.004
Institut für Organisationspsychologie der Universität Münster
http://www.uni-muenster.de/opms
Prof. Dr. Guido Hertel an der Universität Münster
http://www.uni-muenster.de/opms/staff/hertel.html
Dr. Joachim Hüffmeier an der Universität Münster
http://www.uni-muenster.de/opms/staff/hueffmeier.html

Juliane Albrecht | Universität Münster
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenster.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Detaillierter Blick auf molekularen Gifttransporter

Transportproteine in unseren Körperzellen schützen uns vor gewissen Vergiftungen. Forschende der ETH Zürich und der Universität Basel haben nun die hochaufgelöste dreidimensionale Struktur eines bedeutenden menschlichen Transportproteins aufgeklärt. Langfristig könnte dies helfen, neue Medikamente zu entwickeln.

Fast alle Lebewesen haben im Lauf der Evolution Mechanismen entwickelt, um Giftstoffe, die ins Innere ihrer Zellen gelangt sind, wieder loszuwerden: In der...

Im Focus: Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

Der steigende Bedarf an schneller, leistungsfähiger Datenübertragung erfordert die Entwicklung neuer Verfahren zur verlustarmen und störungsfreien Übermittlung von optischen Informationssignalen. Wissenschaftler der Universität Johannesburg, des Instituts für Angewandte Optik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) präsentieren im Fachblatt „Journal of Optics“ eine neue Möglichkeit, glasfaserbasierte und kabellose optische Datenübertragung effizient miteinander zu verbinden.

Dank des Internets können wir in Sekundenbruchteilen mit Menschen rund um den Globus in Kontakt treten. Damit die Kommunikation reibungslos funktioniert,...

Im Focus: Strathclyde-led research develops world's highest gain high-power laser amplifier

The world's highest gain high power laser amplifier - by many orders of magnitude - has been developed in research led at the University of Strathclyde.

The researchers demonstrated the feasibility of using plasma to amplify short laser pulses of picojoule-level energy up to 100 millijoules, which is a 'gain'...

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebensdauer alternder Brücken - prüfen und vorausschauen

29.05.2017 | Veranstaltungen

49. eucen-Konferenz zum Thema Lebenslanges Lernen an Universitäten

29.05.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz an der Schnittstelle von Literatur, Kultur und Wirtschaft

29.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Center Smart Materials CeSMa erhält SilverStar Förderpreis 2017 für innovativen Druckmessstrumpf

30.05.2017 | Förderungen Preise

Alternative Nutzung von Biogasanlagen – Wachse aus Biogas für die Kosmetikindustrie

30.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Detaillierter Blick auf molekularen Gifttransporter

30.05.2017 | Biowissenschaften Chemie