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Alkohol: Null-Toleranz-Politik bringt null

18.09.2009
Großuntersuchung von Verkehrsunfällen bestätigt Sinnlosigkeit

Derzeit diskutieren College Administratoren, Sozialforscher und Gesetzgeber über die Frage, ob das Alkoholschutzalter in den USA von 21 Jahren wieder auf ein niedrigeres Altersniveau gesenkt werden sollte.

Wirtschaftsexperte Darren Grant von der Sam Houston State University ist zum Schluss gekommen, dass die Diskussion in Verbindung mit der Null-Toleranz-Politik im Straßenverkehr praktisch sinnlos sei. Im Wirtschaftsmagazin Economic Inquiry analysierte der Wissenschaftler Daten von 30.000 Verkehrstoten unter 21 Jahren im nächtlichen Straßenverkehr im Rahmen einer Studie.

"Die Studie hat gezeigt, dass die Null-Toleranz Politik sowohl auf die Anzahl der Unfälle als auch auf die Blutalkoholwerte der Fahrer bei diesen Unfällen ohne jeglichen Effekt war. Andere Faktoren spielten zwar eine Rolle, dieses Gesetz hingegen nicht", so Grant. In den 1990er Jahren hatte der US-Kongress jenen Staaten, die das Schutzalter für den Alkoholkonsum nicht auf 21 Jahre anhoben und Übertretungen kompromisslos sanktionieren, damit gedroht, den Bundesstraßenausbau nicht weiter zu finanzieren.

So wurden letztlich alle Bundesstaaten genötigt, sich den Vorstellungen des Kongresses zu beugen." Selbst minimale Alkoholmengen bei unter-21-Jährigen führten nun zu Verurteilungen für betrunkenes Autofahren", so der Forscher. Weil es nach einem Glas Alkohol bereits gleichgültig ist, ob man noch mehr Alkohol trinkt, trinken viele, wenn sie etwas getrunken haben, einfach weiter.

"Zero-Tolerance im Rechtssystem bedeutet Unverhältnismäßigkeit und Intoleranz und das ist im Rahmen einer freiheitlichen demokratischen Rechtsordnung nicht tolerierbar", meint Alfred Uhl, Koordinator des Bereich Suchtpräventionsdokumentation im Anton Proksch Institut http://www.antonprokschinstitut.at im pressetext-Gespräch. "Sanktionen müssen verhältnismäßig zum Delikt sein. Sowohl die Frage nach dem Alkoholschutzalter als auch die Frage nach der Kompromisslosigkeit der Strafen ist dabei primär eine ethisch-politische und erst in zweiter Linie eine wissenschaftliche Frage", so der Experte. Ob etwas wirke und ob man es tun darf bzw. tun muss, seien zwei völlig unterschiedliche Fragen. Es sei lächerlich Alkohol bis zum Alter von 21 Jahren zu verbieten, während man gleichzeitig bereits mit 16 oder 17 Jahren Auto fahren oder zur Wahl gehen darf. "In den USA werden 18jährige in den Krieg geschickt, wo sie die Rolle eines Erwachsenen erfüllen müssen und wohl auch dessen Rechte haben sollten. Es ist unverständlich, dass Studenten, die an ihrem 20. Geburtstag ein Bier trinken, riskieren, vom College verwiesen zu werden", erklärt Uhl.

Die Ergebnisse der US-Studie von Grant belegen unter den betroffenen Autofahrern ein relativ ausgewogenes Verhältnis zwischen schweren Trinkern, leichten Trinkern und Antialkoholikern. Und das habe sich durch die strengeren gesetzlichen Maßnahmen nicht verändert. Ein Vergleich der Statistiken durch Grant vor und nach der Einführung der 21-Jahresgrenze bzw. der Null-Toleranz-Regel ergab, dass die Blutalkoholwerte von Unfallfahrern zwei Jahre vor der Einführung des Gesetzes und zwei Jahre danach nahezu identisch waren. Das sei ein Zeichen dafür, dass die Bestimmungen ineffektiv seien. "Wenn diese Maßnahmen die Menge des konsumierten Alkohols tatsächlich beeinflussen könnten, müssten die Ergebnisse anders aussehen."

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.shsu.edu

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