Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wenn Aggressionen krankhaft sind

03.12.2013
Aggressionen gehören zum normalen Verhaltensrepertoire des Menschen. Warum nehmen sie manchmal krankhafte Ausmaße an? Wie lässt sich die Therapie verbessern? Das erforscht ein neuer europäischer Verbund, an dem Würzburger Mediziner beteiligt sind.

Sie streiten oft, sie stören den Unterricht, sie bekommen Wutanfälle. Sie zerstören Gegenstände und sie attackieren andere Menschen – verbal und körperlich. Die Rede ist von Kindern und Jugendlichen, die an einer Verhaltensstörung mit gesteigerter Aggression leiden.

Übermäßige Aggressionen treten auch häufig bei ADHS-Patienten auf: Wer das Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom hat, reagiert oft schon bei nichtigen Anlässen so überschießend impulsiv, dass er auf andere Menschen aggressiv wirkt.

Diese beiden Patientengruppen hat der neue europäische Forschungsverbund „Aggressotype“ im Blick. Sein Ziel ist es, die biologischen Grundlagen der Aggression noch besser zu erforschen. Zudem will er neue Möglichkeiten für die Früherkennung und Behandlung entwickeln. Dem Verbund zufolge liegt die Zahl der betroffenen Patienten in Europa bei über 5,4 Millionen.

Zwei Würzburger Forscher beteiligt

Von der Uni Würzburg sind an dem Verbund die Teams der Professoren Andreas Reif und Klaus-Peter Lesch beteiligt. Sie befassen sich vorrangig mit der Neurobiologie von Aggressionen und forschen beide an der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik.

Reif und Lesch wollen herausfinden, welche Gene an der Entstehung des krankhaft-aggressiven Verhaltens mitwirken. Zudem werden sie die Vorgänge in den Gehirnregionen genauer untersuchen, die bei Aggressionen aktiv sind. Für ihre Vorhaben bekommen sie von der Europäischen Union rund 1,4 Millionen Euro Fördergeld.

Therapien könnten besser sein

Der Verbund „Aggressotype“ hofft darauf, dass sich aus seiner Arbeit auch neue Therapien für Aggressionen ableiten lassen. „Prinzipiell werden Aggressionen derzeit psychotherapeutisch und bei Bedarf zusätzlich mit Medikamenten behandelt“, sagt Professor Reif. Beide Ansätze seien verbesserungsfähig: „Die wenigen verfügbaren Medikamente wurden nicht speziell für Aggressionen entwickelt, und die Therapie mit ihnen verläuft nicht immer erfolgreich.“

Die Europäische Union fördert das Projekt „Aggressotype“ in den kommenden fünf Jahren mit insgesamt sechs Millionen Euro. Eingebunden sind 23 Partnerinstitutionen aus elf Ländern. Das Projekt ist im November 2013 gestartet.

Kontakt

Prof. Dr. Andreas Reif, Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Universität Würzburg, T (0931) 201-76402, reif_a@ukw.de

Mehr Infos über das EU-Projekt „Aggressotype“
http://ec.europa.eu/research/health/medical-research/brain-research/projects/aggressotype_en.html

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wiederverwendung von IT- und Kommunikationsgeräten schont Klima und Ressourcen
23.02.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Klimawandel verstärkt Selenmangel
21.02.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie