Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

40t-EuroCombi echte Alternative für Thüringen: Volumen statt Masse

28.07.2010
Das Thüringer Pilotprojekt zum Einsatz von 25m-Fahrzeugkombinationen hat durchweg positive Ergebnisse erbracht. Hervorzuheben sind die ökonomischen wie auch ökologischen Aspekte. "Aha-Ergebnis": Die Belastung für die Straßen wird durch die Longliner nach dem Thüringer Projekt geringer.

Ein Wissenschaftlerteam der Fachrichtung Verkehrs- und Transportwesen der Fakultät Wirtschaft-Logistik-Verkehr der Fachhochschule Erfurt hatte von März 2008 bis Ende Dezember 2009 das Thüringer Pilotprojekt zum „Einsatz von 25m-Fahrzeugkombinationen“ wissenschaftlich begleitet.

Die Ergebnisse der Studie wurden jetzt der Öffentlichkeit vorgestellt. Mit Genehmigung des Thüringer Ministeriums für Bau, Landesentwicklung und Verkehr hatte die Spedition H. Rigterink GmbH & Co. KG die Erprobung von neuen, innovativen Nutzfahrzeugkombinationen mit einer Gesamtlänge von 25 m durchgeführt.

Solche EuroCombi oder Longer Combination Vehicles (LCV) sind eine Möglichkeit, wachsende Verkehrsleistungen im Straßengüterverkehr auch künftig ökonomisch und ökologisch sinnvoll abdecken zu können. Die Spedition setzte einen EuroCombi auf der Route zwischen ihrer Niederlassung Hermsdorf und der Firma Brandt Zwieback in Ohrdruf (ca. 105 km)ein.

Das Pilotprojekt war mit der Auflage einer wissenschaftlichen Begleitung verbunden. An der Fachrichtung Verkehrs- und Transportwesen der FH Erfurt sind die Kompetenzfelder Verkehr, Logistik, Information und Kommunikation und Fahrzeugtechnik vereint. Der Forschungsschwerpunkt „Innovative Verkehrssysteme und effiziente Logistik-Lösungen“ prädestinierte die Wissenschaftler für das Pilotprojekt. Unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. Holger Paletta wurde ein Diplomthema an Herrn Thomas Bohlmann vergeben. Gemeinsam untersuchten sie Abläufe und Ergebnisse in der Anlaufphase des Pilotprojek-tes. Nach dem tragischen Tod von Professor Paletta übernahm Prof. Dr.-Ing. Uwe Adler die Leitung des Projektes. Die Arbeiten wurden im Rahmen einer weiteren Diplomarbeit fortgesetzt, die an den Studenten Paul Hils vergeben wurde. Der inzwischen frisch gebackene Dipl.-Wirtschaftsingenieur (FH) Hils setzte seine Untersuchungen auch nach Abschluss seines Studiums erfolgreich fort. Die Ergebnisse des Projektes wurden dem Auftrag gebenden Verkehrsministerium in Form einer umfassenden Studie übergeben.

Der in Thüringen eingesetzte EuroCombi ist eine Kombination aus einem dreiachsigen Motorwagen, an den mittels einer Untersetz- oder Dollyachse ein Sattelanhänger angekuppelt wird. Es handelt sich also um bekannte, standardisierte Fahrzeuge, die allerdings zu einer neuen Kombination zu-sammengestellt werden. Neu und innovativ ist auch die Verwendung einer lenkbaren Dollyachse, die das Kurvenlaufverhalten der Kombination positiv beeinflusst. Ein Dolly (aus dem Englischen: Rollwagen) ist ein kurzer Anhänger mit zwei Achsen und einer Sattelkupplung, auf der der Sattelanhänger aufliegt. Die so entstandene Fahrzeugkombination hat eine Gesamtlänge von 25 Metern. Gegenüber heute üblichen Fahrzeugkombinationen von 18,75 Metern (Gliederzug aus LKW und Anhänger) bzw. 16,50 Metern (Sattelkraft-fahrzeug) bietet sie damit deutlich mehr Ladevolumen und darin besteht auch ihr entscheidender Vorteil. Die Möglichkeit, bei unverändertem zulässigen Gesamtgewicht, ca. 50 Prozent (bezogen auf ein Sattelkraftfahrzeug) mehr Ladevolumen anzubieten, kommt den Entwicklungen im Straßengüterverkehr, hin zu leichteren, voluminöseren Gütern entgegen. Dies gilt nicht nur für den Transport von Lebensmitteln, wie im Thüringer Projekt, sondern für viele Branchen, u.a. Zulieferungen für die Automobilindustrie oder den Transport von elektronischen Geräten. Zwei der EuroCombis ersetzen drei bisher übliche Lastzüge und erreichen das gleiche Transportvolumen von 280-300 Kubikmetern.

Die von der Spedition Rigterink eingesetzte Fahrzeugkombination ist durch mehrere technische Details gekennzeichnet: Durch Fahrerassistenzsysteme (ABS, ASR, Bremsassistent, Roll Stability System, Spurassistent und Abstandsregel-Tempomat) wird sie modernen Anforderungen an die Verkehrssicherheit gerecht. Der Sattelauflieger liegt auf einer Dolly-Achse mit lenkbarem Radsatz (durch Drehbewegung der Zugdeichsel), wodurch auch Kreisverkehre, Kreuzungen und Autobahnbaustellen problemlos durchfahren werden können. Der sogenannte BO-Kraftkreis (§ 32d StVZO) wird eingehalten.

Bei unverändertem Gesamtgewicht von 40 t bietet der Thüringer EuroCombi ein um ca. 50 % vergrößertes Ladevolumen. Dadurch wurde es möglich, zwischen Hermsdorf und Ohrdruf (je ca. 105 km) täglich fast zwei Touren eines konventionellen Sattelkraftfahrzeugs einzusparen. Enorme Einsparpotenziale bieten sich laut Studie für die Verkehrs- und Umweltbelastung, pro Jahr sind das Einsparungen von 395 Touren oder 82.700 km Fahrstrecke (ca. 35 %); 12.000 Liter Dieselkraftstoff und damit ca. 32 t Kohlendioxid-Ausstoß (ca. 18 %), Stickoxid- und Partikelemissionen gehen ebenso deutlich zurück! Auch wirtschaftlich rechnet sich der EuroCombi: Die prozentuale Betriebskostenersparnis betrug ca. 18% bei Kraftstoff, ca. 35% bei der Maut, knapp 30% bei den Abschreibungskosten. Je nach Höhe der Löhne des Fahrpersonals ergibt sich eine mittlere Gesamtkostenersparnis von ca. 25 %.

In puncto Verkehrssicherheit ergab die Studie, dass Kurvenfahrten für den EuroCombi kein Problem darstellen, er lasse sich besser lenken als ein Sattelkraftfahrzeug. Von den zuständigen Polizeidirektionen Jena und Gotha konnten in Verbindung mit dem Pilotprojekt „…weder Behinderungen, Fehlverhalten, Ordnungswidrigkeiten oder Verkehrsunfälle…“ ermittelt werden. Auch für die Straßenbelastung ist der EuroCombi eine Entlastung. So wurden die genehmigten Achslasten von 7,1 t Vorderachse und 18,6 t Hinterachse der Zugmaschine sowie fünf Mal je 8 t des Sattelaufliegers im Projekt deutlich unterschritten. Die Zugmaschine brachte es auf 5,6 t und 11,8 t, der Sattelauflieger auf 4,2 bis 5 t.

Kontakt Professor Adler: uwe.adler@fh-erfurt.de, 0361 6700-659

Roland Hahn | Fachhochschule Erfurt
Weitere Informationen:
http://www.fh-erfurt.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Zirkuläre Wirtschaft: Neues Wirtschaftsmodell für die chemische Industrie?
28.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Unternehmen entwickeln sich zu Serviceanbietern
25.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie