Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

40 Stunden Golf spielen verändert graue Hirnsubstanz

31.08.2011
Auch das Gehirn von 40- bis 60-Jährigen ist noch sehr anpassungs- und lernfähig, wie eine neue Studie eines Forschungsteams um Prof. Lutz Jäncke zeigt.

Die Forschenden der Universität Zürich konnten nachweisen, dass ein 40-stündiges Golftraining das Zusammenspiel von Auge und Hand verbessert. Überraschenderweise hängt die Veränderung in der grauen Hirnsubstanz stark von der Trainingsintensität ab. Golfer, die das Training in relativ kurzer Zeit absolvierten, erreichten tendenziell die Platzreife schneller.

Die neue Studie von Prof. Lutz Jäncke und Ladina Bezzola erforscht, wie sich ein anspruchsvolles motorisches Training, das Golftraining, auf die Gehirnanatomie auswirkt. Untersucht wurden elf Golfanfängerinnen und -anfänger im Alter zwischen 40 und 60 Jahren und eine gleichgrosse Kontrollgruppe. Die Golferinnen und Golfer trainierten unter Anleitung professioneller Instruktoren oder allein im Sinne einer Freizeitaktivität. Vor und nach den 40 Golftrainingsstunden wurden verschiedene neuroanatomische Parameter mittels der Magnetresonanztomographie (MRT) gemessen. So konnten Veränderungen in der grauen Hirnsubstanz erforscht werden, die durch das motorische Golftraining verursacht wurden.

Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass ein 40-stündiges Golftraining bei Personen im mittleren Erwachsenenalter deutliche strukturelle Veränderungen in der grauen Hirnsubstanz hervorruft. Die Kontrollgruppe, die keine neue Fertigkeit geübt hat, zeigt dagegen keine neuroanatomischen Veränderungen zwischen den beiden Messzeitpunkten. Insbesondere in Gehirnarealen, die sowohl beim Erlernen von motorischen Fertigkeiten als auch bei der visuomotorischen Verarbeitung – dem Zusammenspiel von Auge und Motorik – eine wichtige Funktion übernehmen, wuchs das Volumen der grauen Hirnsubstanz als Folge des Trainings.

«Ein neuer Befund ist, dass die Veränderungen in einem für die visuomotorische Verarbeitung wichtigen Hirnareal stark von der Trainingsintensität abhängig ist», erklärt Prof. Lutz Jäncke. So waren die Veränderungen in diesem Hirngebiet bei Golferinnen und Golfer grösser, die die 40 Trainingsstunden innerhalb kurzer Zeit absolvierten. «Diese hirnanatomische Veränderung widerspiegelt sich auch auf der Verhaltensebene», so Jäncke. Wer intensiv trainierte, schaffte die Platzreifeprüfung schneller als diejenigen, welche mehr Zeit für die 40 Trainingseinheiten benötigten.

Die im «Journal of Neuroscience» veröffentlichte Studie zeigt, dass eine normale Freizeitaktivität substanzielle Veränderungen im Gehirn auslösen kann und es dazu kein striktes Trainingsprotokoll braucht. Da sie zudem die Anpassungsfähigkeit des Gehirns auch im mittleren Erwachsenenalter nachweist, liefert die Studie einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der Gehirnentwicklung über die ganze Lebensspanne.

Literatur:
Ladina Bezzola, Susan Mérillat, Christian Gaser and Lutz Jäncke: Training-Induced Neural Plasticity in Golf Novices, in: The Journal of Neuroscience, August 31, 2011, doi: 10.1523/JNEUROSCI.1996-11.2011
Kontakte
Ladina Bezzola
Psychologisches Institut / Neuropsychologie
Universität Zürich
Tel. +41 44 635 74 05
E-Mail: l.bezzola@psychologie.uzh.ch
Prof. Lutz Jäncke
Psychologisches Institut / Neuropsychologie
Universität Zürich
Tel: +41 44 635 74 00
E-Mail: l.jaencke@psychologie.uzh.ch

Beat Müller | Universität Zürich
Weitere Informationen:
http://www.mediadesk.uzh.ch/
http://www.uzh.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie