Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bis zu jedes 4. Kind in europäischen Krankenhäusern ist mangelernährt

08.04.2010
Fehlende Diagnosekriterien und Lücken bei Leitlinien - Neue Studie für 2010 geplant

Die klinischen Folgen einer Mangelernährung sind bei Kindern noch gravierender als bei Erwachsenen. Wachstum, Entwicklung, langfristige Gesundheit und Leistungsfähigkeit werden nachhaltig beeinträchtigt.

Krankheitsverlauf und Genesung werden verzögert, Komplikationen und Infektionen häufen sich und führen zu längeren Krankenhausaufenthalten. Die wenigen vorliegenden Studien zeigen Untergewicht und Mangelernährung bei etwa 15 bis 30 Prozent der pädiatrischen Patienten in Europa.

Schätzungsweise jeder dritte bis vierte junge Patient in europäischen Krankenhäusern ist mäßig bis schwergradig mangelernährt. Auch in Deutschland zeigt eine prospektive Studie bei mehr als 600 konsekutiv in das Dr. von Haunersche Kinderspital am Klinikum der Universität München aufgenommenen Patienten: 24 Prozent der Kinder und Jugendlichen sind bei der Aufnahme in die Kinderklinik untergewichtig.

"Trotz dieser hohen Zahl untergewichtiger kindlicher Patienten bestehen in Deutschland große Defizite bei der gezielten Diagnose und der klinischen Ernährungstherapie auch in den Kinderabteilungen, und es fehlt an Fachpersonal, Ernährungsteams und an der Geräteausstattung," sagt Prof. Dr. Berthold Koletzko, Dr. von Haunersches Kinderspital in München. Ebenso mangele es an einheitlichen Diagnosekriterien, und die Leitlinien weisen Lücken bei pädiatrischen Patienten auf.

Deshalb beginnt 2010 eine große Studie, die Häufigkeit und Folgen des Untergewichts bei kindlichen Krankenhauspatienten untersucht. Die Studie wird von der europäische Fachgesellschaft ESPEN (www.espen.org) finanziert und vom Studienzentrum in München unter Leitung von Prof. Berthold Koletzko, Dr. Astrid Rauh-Pfeifer und Christina Hecht koordiniert. Weitere Studienzentren sind in Frankreich, Großbritannien, Kroatien, Israel, Italien, den Niederlanden und Polen.

Insgesamt werden in allen Studienzentren Daten von mehr als 1.000 pädiatrischen Patienten erhoben. Sie sind im Alter zwischen einem Monat und 18 Jahren und bleiben länger als einen Tag im Krankenhaus. Dabei werden die anthropometrischen Daten innerhalb von 24 Stunden nach Aufnahme im Krankenhaus gemessen und mit klinischen Zielparametern wie Dauer des Krankenhausaufenthalts und Summe und Häufigkeit der Komplikationen in Zusammenhang gebracht.

Ziel der Studie ist es, die Häufigkeit der sekundären Mangelernährung im Krankenhaus zu erfassen. Ebenso soll unter anderem ein Screening-Werkzeug für Mangelernährung bei pädiatrischen Patienten erarbeitet werden. Im optimalsten Fall können mit einem solchen Werkzeug leichter Patienten mit einem hohen Risiko für einen mangelhaften Ernährungsstatus gefunden und gezielt mit Ernährungstherapie behandelt werden. Die Studie ist die erste groß angelegte europäische Studie zum Thema der krankheitsbezogenen Mangelernährung in der Kinderheilkunde. Durch die Ergebnisse sollte es möglich sein, die Lücken in den Leitlinien zu schließen und einheitliche Kriterien zu schaffen.

Weitere Informationen gibt auch der Artikel: "ESPEN-Netzwerkprojekt Mangelernährung bei Kindern in europäischen Krankenhäusern", erschienen in dem Buch: Krankheitsbedingte Mangelernährung - Eine Herausforderung für unser Gesundheitswesen?, Pabst Verlag ISBN 978-3-89967-600-6

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Berthold Koletzko
Dr. von Haunersches Kinderspital München
office.koletzko@med.uni-muenchen.de

Rita Wilp | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenchen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Bedeutung von Biodiversität in Wäldern könnte mit Klimawandel zunehmen
17.11.2017 | Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig

nachricht Medizinische Innovationen für Afrika
02.11.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

500 Kommunikatoren zu Gast in Braunschweig

20.11.2017 | Veranstaltungen

VDI-Expertenforum „Gefährdungsanalyse Trinkwasser"

20.11.2017 | Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Künstliche neuronale Netze: 5-Achs-Fräsbearbeitung lernt, sich selbst zu optimieren

20.11.2017 | Informationstechnologie

Tonmineral bewässert Erdmantel von innen

20.11.2017 | Geowissenschaften

Hemmung von microRNA-29 schützt vor Herzfibrosen

20.11.2017 | Biowissenschaften Chemie