Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

20. Sozialerhebung liefert Befunde zur wirtschaftlichen und sozialen Situation der Studierenden

26.06.2013
Sie ist die größte und traditionsreichste Studierendenbefragung in Deutschland: Heute ist die 20. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks (DSW) erschienen, die das HIS-Institut für Hochschulforschung (HIS-HF) mit Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) durchgeführt hat. Die Sozialerhebung bietet eine umfassende Bestandsaufnahme der sozialen und wirtschaftlichen Lage der Studierenden in Deutschland.
Aus welchen sozialen Gruppen kommen die Studierenden? Wie finanzieren sie ihr Studium? Wie viel Zeit wenden sie für das Studium auf? Wie ist die Situation von Studierenden mit gesundheitlicher Beeinträchtigung? Wie viele Studierende mit Kind sind an den deutschen Hochschulen immatrikuliert, wie viele Studierende haben einen Migrationshintergrund? Die Sozialerhebung, die vor zwei Jahren ihren 60. Geburtstag gefeiert hat, bietet Antworten auf diese Fragen und beschreibt die Entwicklungen im Zeitverlauf. Sie ist damit eine wichtige Informationsquelle für Wissenschaftler(innen), Bildungspolitiker(innen) sowie für Studierende und ihre Vertretungen.

Die Sozialerhebung wird alle drei Jahre durchgeführt. In die Zeit zwischen der 19. und der 20. Sozialerhebung fallen eine Reihe von Veränderungen, die die Situation der Studierenden beeinflusst haben, darunter die Weiterentwicklung des gestuften Studiensystems, die Abschaffung der Studiengebühren in vier von sechs Ländern, die Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur und die Aussetzung der Wehrpflicht. Die letzten beiden Entwicklungen führten zusammen mit einer deutlich gestiegenen Studierneigung zu einem Höchststand bei der Zahl der Studierenden an deutschen Hochschulen von zuletzt rund 2,5 Millionen. Wer sind diese Studierenden, wie leben, lernen und arbeiten sie?

Bildungsherkunft der Studierenden
Im Sommersemester 2012 kam jede(r) zweite Studierende an einer deutschen Hochschule aus einem nicht-akademischen Elternhaus (50 % Bildungsherkunft „niedrig“ und „mittel“, s. Abb. 1). 28 % der Studierenden kommen aus einem Elternhaus, in dem ein Elternteil ein Studium absolviert hat (Bildungsherkunftsgruppe „gehoben“), 22 % aus einem Elternhaus mit zwei akademisch ausgebildeten Elternteilen (Bildungsherkunftsgruppe „hoch“). Im Vergleich zur 19. Sozialerhebung zeigen sich nur geringfügige Verschiebungen in der Zusammensetzung der Studierendenschaft nach Bildungsherkunft. Der langjährige Trend eines wachsenden Anteils an Studierenden aus einem akademischen Elternhaus, der auch mit dem Anstieg des Bildungsniveaus in der Gesamtbevölkerung zusammenhängt, stagniert seit 2006 auf hohem Niveau.

Studienfinanzierung und wirtschaftliche Situation der Studierenden
Im Sommersemester 2012 hatten Studierende im Erststudium durchschnittlich 864 € im Monat zur Verfügung. Dies sind 52 € mehr als drei Jahre zuvor. Fast neun von zehn Studierenden (87 %) werden von ihren Eltern finanziell unterstützt. Die Eltern sind damit weiterhin die wichtigste Einnahmequelle für Deutschlands Studierende. Die zweitwichtigste Einnahmequelle ist der eigene Verdienst: Etwas weniger als zwei Drittel der Studierenden (63 %) sind neben dem Studium erwerbstätig, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Rund ein Drittel (32 %) der ledigen Studierenden im Erststudium, die außerhalb des Elternhauses wohnen, bezieht BAföG, 6 % finanzieren sich u. a. über einen Kredit, 4 % werden durch ein Stipendium unterstützt. Die Zusammensetzung der monatlichen Einnahmen variiert stark mit der Bildungsherkunft der Studierenden (s. Abb. 2).

Auf der Ausgabenseite ist der größte Posten die Miete inklusive Nebenkosten, für die Studierende durchschnittlich 34 % ihrer Einnahmen bzw. 298 € aufwenden müssen. Für Ernährung geben Studierende durchschnittlich 165 € monatlich aus. Nicht allen Studierenden bleibt nach Abzug aller Ausgaben am Ende des Monats noch finanzieller Spielraum. Bei 21 % der Studierenden reichten die Einnahmen im Sommersemester 2012 gerade aus, um die Ausgaben zu decken. Dennoch gaben 2012 mehr als die Hälfte der Befragten an, dass die Finanzierung ihres Lebensunterhalts während des Studiums sichergestellt sei.

Zeitbudget
Studierende im Erststudium, die Vollzeit studieren, wenden in der Vorlesungszeit durchschnittlich 35 Stunden pro Woche für ihr Studium auf. Etwa die Hälfte der Zeit (18 Std./Woche) fällt für den Besuch von Lehrveranstaltungen an, die andere Hälfte (17 Std./Woche) investieren die Studierenden in das Selbststudium. Im Vergleich zu 2009 ist der Zeitaufwand für das Studium um eine Stunde gesunken, er liegt jedoch im Mittel der letzten 20 Jahre.
Fast die Hälfte der Studierenden (48 %) erachtet die zeitliche Inanspruchnahme durch das Studium als hoch oder zu hoch. Im Vergleich zu 2009 ist dieser Anteil deutlich um acht Prozentpunkte gesunken. 44 % der Studierenden im Erststudium fühlen sich zeitlich optimal durch das Studium gefordert. Dies sind sechs Prozentpunkte mehr als 2009.

Die Mehrheit der Studierenden im Erststudium (61 %) geht in der Vorlesungszeit neben dem Studium einer Erwerbstätigkeit nach. Für das Jobben wenden diese Studierenden im Schnitt 13 Stunden in der Woche auf. Gegenüber 2009 ist sowohl der Anteil der erwerbstätigen Studierenden (2009: 66 %) als auch deren zeitlicher Umfang für die Erwerbstätigkeit gesunken (2009: 14 Stunden/Woche).
78 % der Studierenden im formellen Vollzeitstudium betreiben einen Zeitaufwand für das Studium, der den Erwartungen an diese Studienform auch tatsächlich entspricht (min. 25 Stunden/Woche). Die übrigen 22 % können de facto als Teilzeit-Studierende gelten.

Diversität der Studierenden
Rund 137.000 Studierende wiesen im Sommersemester 2012 eine gesundheitliche Beeinträchtigung auf, die sich studienerschwerend auswirkte. Dies können physische oder psychische Beeinträchtigungen sein.

Daneben gab es im Sommersemester 2012 ca. 101.000 Studierende mit Kind, davon 55 % Frauen und 45 % Männer. Studierende mit Kind sind im Durchschnitt 7,6 Jahre älter als ihre kinderlosen Kommiliton(inn)en und absolvieren ihr Studium häufiger in Teilzeit.

Fast jede(r) vierte Studierende im Erststudium (23 %) hatte im Sommersemester 2012 einen Migrationshintergrund. Studierende mit Migrationshintergrund gehören mehr als viermal so häufig wie ihre Kommiliton(inn)en ohne Migrationshintergrund der Bildungsherkunftsgruppe „niedrig“ an (21 % vs. 5 %). Der Anteil an Studierenden mit mindestens einem akademisch gebildeten Elternteil (Herkunftsgruppen „gehoben“ und „hoch“) ist bei ihnen um sieben Prozentpunkte niedriger als bei Studierenden ohne Migrationshintergrund (44 % vs. 51 %).

Die Sozialerhebung ist eine bundesweit repräsentative Befragung von Studierenden, die Auskunft über das Sozialprofil sowie die wirtschaftliche und soziale Situation der Studierenden an deutschen Hochschulen gibt. Sie wird seit 1952 durchgeführt und ist somit auch ein Spiegel deutscher Sozialgeschichte. An der 20. Sozialerhebung beteiligten sich mehr als 15.000 Studierende an deutschen Hochschulen. Weitere Informationen und Download der 20. Sozialerhebung unter http://www.sozialerhebung.de (tm)

Nähere Auskünfte:
Dr. Elke Middendorff
Tel.: 0511 1220-194
E-Mail: middendorff@his.de

Beate Apolinarski
Tel.: 0511 1220-166
E-Mail: apolinarski@his.de

Dr. Maren Kandulla
Tel.: 0511 1220-410
E-Mail: kandulla@his.de

Pressekontakt:
Theo Hafner
Tel.: 0511 1220-290
E-Mail: hafner@his.de

Tanja Meister
Tel.: 0511 1220-384
E-Mail: meister@his.de

Theo Hafner | idw
Weitere Informationen:
http://www.his.de
http://www.sozialerhebung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wiederverwendung von IT- und Kommunikationsgeräten schont Klima und Ressourcen
23.02.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Klimawandel verstärkt Selenmangel
21.02.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie