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Steigendes Ausbildungsplatzangebot – Mehr unbesetzte Lehrstellen – Viele Jugendliche auf der Suche

15.12.2011
Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Situation auf dem Ausbildungsstellenmarkt für die Jugendlichen weiter verbessert.

Nach den Ergebnissen der Erhebung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) über die neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge ist das Gesamtangebot an Ausbildungsplätzen im Vergleich zu 2010 um über 20.000 gestiegen. Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge stieg um rund 10.000 (+1,8 %) auf über 570.000. Für die Betriebe war es 2011 so schwierig wie seit rund 15 Jahren nicht mehr, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen: knapp 30.000 (rund 5 %) blieben unbesetzt (+10.000 im Vergleich zum Vorjahr).

Gleichwohl bleiben immer noch mehr Jugendliche bei ihrer Lehrstellensuche erfolglos, als Ausbildungsplätze nicht besetzt werden konnten. Rund 76.700 Jugendliche (darunter knapp 11.600 ohne und rund 65.100 mit alternativer Verbleibsmöglichkeit) waren zum Abschluss des Berichtsjahres 2011 (Ende September) immer noch auf Ausbildungsplatzsuche (-9,3 % im Vergleich zum Vorjahr).

Die demografische Entwicklung machte sich auch 2011 auf dem Ausbildungsmarkt bemerkbar. Die Zahl der Haupt- und Realschulabgänger/-innen – Hauptklientel der dualen Berufsausbildung – sank gegenüber dem Vorjahr um rund 19.700 und lag mit 549.100 bereits um rund 165.000 niedriger als noch vor sieben Jahren. Die doppelten Abiturientenjahrgänge in Bayern und Niedersachsen sowie die Aussetzung des Wehr- und Zivildienstes führten 2011 nur zu einer leichten Erhöhung der Nachfrage.

Eine wachsende Herausforderung stellen regionale Ungleichgewichte auf den Ausbildungsmärkten dar. Bewerber/-innen leben oft nicht dort, wo genügend Lehrstellen sind – und umgekehrt. Zu den Regionen mit einem Überhang an Ausbildungsplatzangeboten und einem Bewerbermangel zählen unter anderem der durch den Ostseetourismus geprägte Arbeitsagenturbezirk Stralsund (120 Angebote je 100 Nachfrager), darüber hinaus die Bezirke Annaberg (110 Angebote), Rostock (108), Passau, Schwandorf (je 106) und Traunstein (105). Weniger Ausbildungsplatzangebote im Vergleich zur Zahl der ausbildungsinteressierten Jugendlichen gab es dagegen zum Beispiel in den Regionen Herford und Helmstedt (je 81 Angebote je 100 Nachfrager), Solingen, Bremerhaven und Recklinghausen (jeweils 82).

Neben regionalen kam es erneut auch zu beträchtlichen beruflichen Ungleichgewichten. Jugendliche, die sich zum Beispiel für die Berufe Tierpfleger/-in (54 Ausbildungsplatzangebote je 100 Nachfrager), Gestalter/-in für visuelles Marketing (62 Angebote) sowie Mediengestalter/-in Bild und Ton (63 Angebote) interessieren, konnten ihre Wünsche häufig nicht realisieren. Dagegen blieben in den Berufen Restaurantfachmann/-frau (124 Angebote je 100 Nachfrager), Fachmann/-frau für Systemgastronomie (121 Angebote) und Fachverkäufer/-in im Lebensmittelhandwerk (113 Angebote) viele Lehrstellen unbesetzt. Für diese Ungleichgewichte spielen nach den Analysen des BIBB verschiedene Gründe eine Rolle – unter anderem das von Jugendlichen vermutete gesellschaftliche Image einzelner Berufe, ungünstige betriebliche Ausbildungsbedingungen sowie die mitunter beklagten unzureichenden Ausbildungsvoraussetzungen der Jugendlichen.

„Um alle Potenziale zur Sicherung des Fachkräftenachwuchses erschließen zu können, müssen die Betriebe ihr Ausbildungsmarketing auf hohem Niveau halten“, so BIBB-Präsident Friedrich Hubert Esser. „Dazu gehören unter anderem eine qualitativ hochwertige Ausbildung, attraktive Rahmenbedingungen und ein frühzeitiger Kontakt zu den Jugendlichen.“ Ziel müsse es darüber hinaus sein, die systematische Berufsorientierung und Berufseinstiegsbegleitung flächendeckend zu etablieren.

Statistiken zur Situation auf dem Ausbildungsstellenmarkt 2011 im Internetangebot des BIBB unter http://www.bibb.de/naa309

Differenzierte Analysen zur Ausbildungsmarktentwicklung 2011 finden sich in der Internetpublikation des BIBB: „Die Entwicklung des Ausbildungsmarktes im Jahr 2011: Verbesserte Ausbildungschancen für Jugendliche, zunehmende Rekrutierungsprobleme für Betriebe“ unter http://www.bibb.de

Über Ungleichgewichte auf dem Ausbildungsstellenmarkt wird auch im Heft 6/2011 der BIBB-Fachzeitschrift „Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis“ (BWP) berichtet. Zu den Auswirkungen des Images von Berufen auf das Ausbildungsinteresse von Jugendlichen findet sich ein Fachbeitrag in Heft 03/2009 der BWP. Weitere Informationen unter http://www.bwp-zeitschrift.de

Ansprechpartner:
Dr. Joachim Gerd Ulrich, E-Mail: ulrich@bibb.de
Dr. Elisabeth M. Krekel, E-Mail: krekel@bibb.de

Andreas Pieper | idw
Weitere Informationen:
http://www.bibb.de

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