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Baden-Württemberg ist hart von der Krise getroffen und deshalb Schlusslicht im Dynamikvergleich des neunten Bundesländerrankings der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) und der WirtschaftsWoche (WiWo), das heute in Berlin vorgestellt wurde. In der Betrachtung des absoluten Niveaus gehört das Ländle dennoch zu einer Spitzengruppe von drei Bundesländern, die den von Wissenschaftlern erstellten Vergleich anführen. Niveausieger 2011 ist Bayern, auf Platz 2 folgt Baden-Württemberg, das Hamburg auf Niveauplatz 3 verweist.
Rund hundert Indikatoren gehen in den Bundesländervergleich ein - zum Beispiel BIP und Produktivität, Arbeitslosenquote und Jobversorgung, Hochqualifizierte, sowie unter dem Aspekt der Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch die Kitabetreuungsquote.
"Krachledern gesund", so INSM-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr, präsentiert sich nach der Krise Niveausieger Bayern. Bayern zeige sich innovativ - mit 104 Patenten je 100.000 Einwohner müsse der Freistaat nur Baden-Württemberg den Vortritt lassen. Bayern punktet bei der Sicherheit (die wenigsten gemeldeten Straftaten) und mit der niedrigsten ALG II-Quote. Und, so Pellengahr: "Mit einer Arbeitslosigkeit von 4,5 Prozent hat der Süden schon weitgehend das erreicht, was wir uns für alle wünschen: Vollbeschäftigung. Diese Entwicklung trägt in Bayern vor allem eine hochmoderne und exportstarke Industrie." Der Dynamikvergleich zeigt auch, dass Bayern besser aus der Krise gekommen ist als Baden-Württemberg. Der Freistaat kommt hier auf Rang 11, das Ländle belegt dagegen nur den letzten Platz.
Baden-Württemberg ist von den Exporteinbrüchen der Jahre 2008 und 2009 wegen seiner Spezialisierung auf Fahrzeug- und Maschinenbau besonders getroffen worden. Bayern ist durch seinen Branchenmix krisenresistenter. Der Freistaat verfügt auch über Bio- und Medizintechnik sowie Logistik am Flughafen München und wissensintensive Dienstleistungen.
Trotz Dynamikabsturz behauptete Baden-Württemberg seinen zweiten Niveauplatz. Bei vielen wichtigen Niveauwerten ist das Land vorn. Rang 2 bei der Arbeitslosenquote und der Jobversorgung, in Relation zur Einwohnerzahl die meisten Patente. "Die Fahrzeugindustrie ist im Ländle noch stärker als in Bayern Wohlstands- und Beschäftigungsmotor. Wer Baden-Württemberg auf dem Wachstumspfad halten will, muss mehr statt weniger Autos auf die Straße bringen", so INSM-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr.
Hamburg belegt Niveau-Rang 3 und ist mit Platz 7 im Dynamikvergleich das dynamischste alte Bundesland. Die Hansestadt punktet als Dienstleistungs- und Medienstandort mit den meisten Unternehmenszentralen bundesweit. Zudem zeigt sich der Stadtstaat von den krisenbedingten Umschlagseinbrüchen in seinem Hafen unbeeindruckt.
"Hamburg hat den Strukturwandel bewältigt", so WiWo-Vize Henning Krumrey: "Die Hafenstadt straft all jene Lügen, die den Erfolg des Südens und Südwestens schicksalsergeben als Süd-Nordgefälle darstellen wollen."
"Im Dynamikvergleich fällt auf, dass alle Ost-Bundesländer wie bereits im Vorjahr vorn sind die Aufwärtsentwicklung Ost hat sich damit zu einem stabilen Trend entwickelt", so Krumrey weiter. Gleichwohl zeige die Niveaubetrachtung, dass es bei der Wirtschaftsleistung Ost noch deutliche Rückstände gibt. Alle fünf neuen Länder liegen noch hinter den West-Bundesländern. Dies gilt auch für die Verfügbaren Einkommen.
Der Osten braucht mehr Gewerbe und Industrie, um die Chance auf gleiche Lebensverhältnisse und weitere Verbesserungen am Arbeitsmarkt zu wahren. Zeitdruck ist hier gegeben, weil die Höchstfördersätze der EU-Strukturförderungen in vielen Regionen Ostdeutschlands bald auslaufen. "Dann", so Henning Krumrey, "muss der Standort aus sich heraus für neue Investoren attraktiv sein".
Besonders dynamisch präsentierte sich die Region Brandenburg-Berlin. Dynamiksieger Brandenburg profitiert dabei zum einen vom rapiden Aufschwung Berlins. Das Land hat aber rund um Potsdam auch eigene Highlights zu bieten - zum Beispiel Biotechnik-Unternehmen und das Hasso-Plattner-Institut. Ein weiterer Treiber der Aufwärtsentwicklung ist das Projekt Großflughafen Berlin-Brandenburg. Brandenburg punktete vor allem auch am Arbeitsmarkt. Nirgendwo besserte sich in den Jahren 2007 bis 2010 die Jobversorgung so stark wie hier.
Berlin ist nun auch wirtschaftlich auf dem Weg zur Weltstadt. Die Wirtschaftsleistung wuchs von 2007 bis 2010 um sechs Prozent - so stark wie in keinem anderen Bundesland. Nirgendwo stieg die Exportquote so stark. Auch die Zahl der Erwerbstätigen wuchs hier so stark wie nirgendwo sonst. Gleichwohl zeigen die Arbeitsmarktdaten, dass der Aufschwung des neuen Berlins bei vielen nicht ankommt.
Zusätzlich zum Bundesländerranking 2011 veröffentlichen INSM und WiWo einen Jobchancen-Index. Dabei geht es um die Frage, welche Bundesländer nach der Krise Vorreiter auf dem Pfad in Richtung Vollbeschäftigung sind - und welche nicht. Für diesen Index haben Wissenschaftler die Mai-Quoten der Arbeitslosigkeit, der Jugendarbeitslosigkeit, der Altersarbeitslosigkeit sowie die Entwicklung der Arbeitslosigkeit eines Landes gegenüber dem Vorjahr untersucht. Zudem geht in diesen Jobchancen-Index ein, wie viel Arbeitslose in einem Bundesland auf eine von den Unternehmen angebotene offene Stelle kommen und wie sich diese Relation gegenüber dem Mai 2010 verändert hat.
In Bayern, Baden-Württemberg und im Saarland sind die Jobchancen derzeit am besten. In Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin sind sie relativ betrachtet am schlechtesten.
Hubertus Pellengahr: "Gerade das Abschneiden Berlins in diesem Jobchancen-Index zeigt, wie wichtig es ist, auch Problemgruppen am Arbeitsmarkt wieder an Beschäftigung heranzuführen. Im Aufschwung, der auch den Arbeitsmarkt erfasst hat, ist jetzt Gelegenheit dazu. Unabhängig davon, wer neues Stadtoberhaupt von Berlin wird: Das ist die große Herausforderung für die neue Amtsperiode. Das gilt ein Stück weit für alle, die in der Politik bundesweit Verantwortung tragen. Der Pfad zur Vollbeschäftigung steht offen. Wir müssen ihn nur beschreiten."
Alle Ergebnisse der Studie sowie detaillierte Stärken-Schwächen-Profile aller Bundesländer im Internet unter www.bundeslaenderranking.de und www.wiwo.de.
INSM: Marc Feist, Tel.: (030) 27877 175, E-Mail: feist@insm.de
WirtschaftsWoche: Konrad Fischer, Tel.: 0211/ 88797 2118, E-Mail: konrad.fischer@wiwo.de
Marc Feist | Quelle: INSM
Weitere Informationen: www.insm.de
www.bundeslaenderranking.de
www.wiwo.de
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