Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

WSI: 2006 Jahr mit harten Arbeitskämpfen - Im europäischen Vergleich aber weiter wenig Streiktage

31.05.2007
2006 war für deutsche Verhältnisse ein Jahr mit harten Arbeitskämpfen. Im europäischen Vergleich ist die Bundesrepublik aber nach wie vor ein streikarmes Land.

Die Zahl der durch Streiks oder Aussperrungen ausgefallenen Arbeitstage bleibt sehr niedrig, vor allem im längerfristigen Vergleich. Das zeigt eine aktuelle Analyse des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung.

Die amtliche Streikstatistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) registrierte für das vergangene Jahr 166.000 Streikende und 429.000 Streiktage. Pro tausend Beschäftigte fielen damit 12,4 Arbeitstage durch Streik oder Aussperrung aus. Dies ist der höchste Wert seit 1993 - damals lag der Ausfall bei 17,5 Tagen (zur Entwicklung der Ausfalltage im Zeitverlauf siehe Grafik im pdf-Anhang; Link zur PM mit Anhang am Fuß dieses Textes). Die Streikstatistik 2006 spiegelt die breite Beteiligung an den Warnstreiks der Metallindustrie sowie die große Anzahl der Streiktage in den langen Arbeitskämpfen im öffentlichen Dienst wider, so die Analyse von Dr. Heiner Dribbusch, WSI-Experte für industrielle Beziehungen (Detaillierte Daten zur Verteilung von Streikenden und Streiktagen nach Branchen siehe Tabelle 1 im Anhang).

Im europäischen Vergleich ist Deutschland nach wie vor ein sehr streikarmes Land. Dazu trägt nach Analyse vieler Forscher der Flächentarif ebenso bei wie die "sozialpartnerschaftliche Einbindung" durch die Mitbestimmung. Aussagekräftige Daten liefert vor allem die längerfristige Perspektive. Zwischen 1996 und 2005 fielen in der Bundesrepublik im Jahresdurchschnitt 2,4 Arbeitstage pro tausend Beschäftigte aus. Das war noch weniger als in der Schweiz. In Spanien fielen 144,9 Arbeitstage aus, in Italien 86,8, in Frankreich 71,5. In Großbritannien waren es 23,6 und in den Niederlanden immer noch 7,8 Arbeitstage. Bezieht man für Deutschland - Daten aus den anderen europäischen Ländern liegen noch nicht vor - das Jahr 2006 mit ein, steigt die Zahl der Ausfalltage moderat auf 3,3 Tage pro tausend Beschäftigte (siehe Grafik im Anhang).

... mehr zu:
»Anhang »Arbeitskampf »Streiktage »WSI

Allerdings habe sich im letzten Jahr eine deutliche Verhärtung der Arbeitsbeziehungen angedeutet, stellt WSI-Experte Dribbusch mit Blick auf charakteristische Arbeitskämpfe des Jahres 2006 (Übersicht siehe Tabelle 2 im Anhang) fest: "Viele Arbeitskämpfe des letzten Jahres waren nicht gestiegener Streikfreude der Gewerkschaften, sondern dem unternehmerischen Angriff auf tarifliche Standards geschuldet", resümiert Dribbusch mit Blick auf den öffentlichen Dienst. Parallel eskalierten zunehmend Auseinandersetzungen in einzelnen Betrieben: "Spätestens bei Schließungsdrohungen fallen auch in streikarmen Branchen Barrieren gegenüber Arbeitsniederlegungen." Solche "defensiven Arbeitskämpfe" könnten zunehmen, prognostiziert der Experte.

Rainer Jung | idw
Weitere Informationen:
http://www.boeckler.de/pdf/pm_ta_2007_05_31_tabelle.pdf
http://www.boeckler.de/cps/rde/xchg/hbs/hs.xsl/320_85741.html
http://www.boeckler.de/cps/rde/xchg/hbs/hs.xsl/32014_85738.html

Weitere Berichte zu: Anhang Arbeitskampf Streiktage WSI

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Statistiken:

nachricht Frauenanteil in Professorenschaft 2015 auf 23 % gestiegen
14.07.2016 | Statistisches Bundesamt

nachricht Mehr Habilitationen von Frauen im Jahr 2015
28.06.2016 | Statistisches Bundesamt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Statistiken >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise