Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Baden-Württemberg weiterhin Innovationsregion Nr. 1 in der Europäischen Union

21.11.2006
Statistisches Landesamt stellt Innovationsindex 2006 vor

Baden-Württemberg ist die Region innerhalb der Europäischen Union mit der höchsten Innovationskraft. Nirgendwo in der EU ist der Beschäftigtenanteil industrieller Hochtechnologiebranchen höher und nirgendwo werden – bezogen auf die Bevölkerungszahl – mehr europäische Patente angemeldet als in Baden-Württemberg. »Die High-Tech-Hochburgen im Land sind vor allem der Landkreis Böblingen, der Bodenseekreis mit Friedrichshafen und der Stadtkreis Stuttgart«, so Dr. Gisela Meister-Scheufelen, die Präsidentin des Statistischen Landesamtes.

Der Innovationsindex wurde sowohl für die EU-Länder bzw. -Regionen1) als auch für alle baden-württembergischen Kreise und die zwölf Planungsregionen im Land berechnet, indem jeweils alle zur Verfügung stehenden Innovationsindikatoren zu einer Globalkennzahl zusammengefasst wurden. Die Berechnung des Innovationsindex erfolgte in mehreren Schritten. Zunächst wurde mit Hilfe der jeweils aktuellsten Werte von sechs Innovationsindikatoren, dazu zählen zum Beispiel Ausgaben und Personal für Forschung und Entwicklung (FuE) und Patentanmeldungen der Teilindex »Niveau« berechnet. Dieser Teilindex gibt Aufschluss über den technologischen Ist-Zustand der untersuchten Gebiete. In einem zweiten Schritt wurde der Teilindex »Dynamik« ermittelt. Dieser setzt sich aus den jahresdurchschnittlichen Veränderungsraten der sechs Innovationsindikatoren in der Regel seit Ende der 90er-Jahre zusammen und gibt Hinweise auf die mittelfristige Entwicklung der Innovationsfähigkeit. Die beiden Teilindizes »Niveau« und »Dynamik« wurden abschließend im Verhältnis 3:1 zum Innovationsindex zusammengefasst.

Nach den Ergebnissen dieser Berechnungen verfügt Baden-Württemberg über die höchste Innovationskraft in der Europäischen Union. Auf den folgenden Plätzen liegen im Innovationsindex Berlin, die französische Hauptstadtregion Île de France, Schweden und Bayern. Sie belegen im Innovationsindex 2006 – mit deutlichem Abstand zum Spitzenreiter Baden-Württemberg die Plätze 2 bis 5. Die übrigen deutschen Bundesländer verteilen sich im europäischen Ranking zwischen Rang 7 (Hessen) und Rang 50 (Sachsen-Anhalt) und decken damit das gesamte Spektrum zwischen vorderem und hinterem Feld ab. Unter den neuen EU-Mitgliedsländern schneidet Slowenien mit Rang 31 am besten ab. Zypern, die spanischen Regionen Centro und Sur, Lettland und die zu Spanien gehörenden kanarischen Inseln belegen die letzten Plätze im Ranking des Innovationsindex.

Im Vergleich zu 2004, als der Innovationsindex erstmals berechnet wurde, hat es im Innovationsindex 2006 in der Spitzengruppe kaum Veränderungen gegeben. Baden-Württemberg und Berlin bleiben auf den Plätzen 1 und 2, Bayern auf Platz 5. Île de France und Schweden belegen 2006 die Plätze 3 und 4 und haben damit gegenüber 2004 die Plätze getauscht.

Hervorragendes technologisches Niveau in Baden-Württemberg

Ausschlaggebend für die Spitzenposition Baden-Württembergs im EU-weiten Innovationsindex ist vor allem die außerordentlich starke technologische Basis des Landes. Das Land verfügt über den höchsten Anteil an Erwerbstätigen in industriellen Hochtechnologiebranchen, zu denen zum Beispiel der Maschinenbau, die Elektro- und Nachrichtentechnik sowie der Fahrzeugbau zählt. Ferner wurden – bezogen auf die Einwohnerzahl – von Erfindern aus dem Land so viele Patente beim Europäischen Patentamt angemeldet wie nirgendwo sonst. Beim Anteil der FuE-Ausgaben am Bruttoinlandsprodukt und beim Anteil des FuE-Personals an den Erwerbspersonen insgesamt lag Baden-Württemberg jeweils auf Platz vier. Schwächer abgeschnitten hat das Land dagegen beim Anteil der Erwerbstätigen in wissensintensiven Dienstleistungsbranchen, zu denen u. a. Finanz- und Unternehmensdienstleister gerechnet werden, und bei der mittelfristigen Entwicklung der Innovationskraft. Nach Meister-Scheufelen ist der im Land vergleichsweise geringe Beschäftigtenanteil wissensintensiver Dienstleistungsbranchen aber zu relativieren. Sie weist darauf hin, dass die unterdurchschnittliche Bedeutung dieses Dienstleistungssegments auch ein Spiegelbild des großen Gewichts industrieller Hochtechnologiebranchen im Land ist, die auch in hohem Maße selbst Forschung und Entwicklung betreiben.

Die auffallend starke technologische Basis Baden-Württembergs spiegelt sich im ersten Platz des Landes im Teilindex »Niveau« wider. Ursächlich für den sehr guten technologischen Ist-Zustand ist die Tatsache, dass hier zu Lande einige große Technologiekonzerne ihren Hauptsitz oder bedeutende Tochterunternehmen haben. Ergänzt werden die großen Innovationskapazitäten dieser Unternehmen durch ein Netzwerk innovativer Zulieferer und Dienstleister sowie ein dichtes Netz an Hochschulen und öffentlichen Forschungseinrichtungen. Im Teilindex »Niveau« liegen, in nur leicht abweichender Reihenfolge, die gleichen EU-Länder bzw. -Regionen hinter Baden-Württemberg an der Spitze, die bereits im Gesamtindex die vorderen Plätze belegen. Auf den hinteren Rängen befinden sich vor allem süd- und osteuropäische Regionen.

Der Teilindex »Dynamik« bildet die mittelfristige Entwicklung der Innovationskraft ab. Das Ranking der europäischen Länder und Regionen nach diesem Index ergibt ein völlig anderes Bild als beim Niveauindex. Mit Rang 40 bleibt Baden-Württemberg beim Dynamikindex weit hinter der europäischen Spitze zurück, befindet sich dabei allerdings in bester Gesellschaft. Auch die übrigen Spitzenreiter des Niveauindex zeigen im europäischen Vergleich eine eher langsame Verbesserung ihrer Innovationsfähigkeit Das schlechte Abschneiden Baden-Württembergs im Dynamikindex ist wesentlich auf die im europäischen Vergleich geringe Steigerung der Forschungsintensität und der Patentdichte zurückzuführen. Dies sind allerdings genau die Bereiche, in denen Baden-Württemberg bereits Spitzenniveau erreicht hat. Eine weitere nennenswerte Erhöhung setzt daher hier zu Lande deutlich höhere Anstrengungen voraus, als in jenen Ländern und Regionen, die von einer geringen Basis aus einen »Nachholprozess« starten.

Innovationsindex für die Stadt- und Landkreise Baden-Württembergs: Landkreis Böblingen mit höchster Innovationskraft im Land

Der für die Kreise Baden-Württembergs berechnete Innovationsindex belegt, dass Baden-Württemberg seine hohe Innovationskraft in erster Linie der Region Stuttgart verdankt. Zwei Kreise der Region, der Landkreis Böblingen und der Stadtkreis Stuttgart belegen mit Rang 1 und 3 Spitzenplätze im Innovationsindex Baden-Württemberg. Eine sehr hohe Innovationskraft zeigt der Index auch für den zweitplatzierten Bodenseekreis. Im Vergleich zu 2004, als der Innovationsindex des Statistischen Landesamtes erstmals berechnet wurde, hat beim Innovationsindex 2006 auf den ersten drei Plätzen des Kreisrankings ein Positionstausch stattgefunden. Der Landkreis Böblingen hat den Stadtkreis Stuttgart 2006 von Platz 1 auf Platz 3 verdrängt. Die Schlussgruppe des Innovationsindex 2006 bilden der Neckar-Odenwald-Kreis, der Landkreis Waldshut, der Ortenaukreis, der Stadtkreis Pforzheim sowie der Landkreis Sigmaringen.

Im Ranking des Innovationsindex 2006 für die zwölf Regionen des Landes führt die Region Stuttgart, vor der Region Donau-Iller2) und der Region Bodensee-Oberschwaben. Über die geringste Innovationskraft verfügen dagegen die Regionen Hochrhein-Bodensee, Heilbronn-Franken und Südlicher Oberrhein. Gegenüber dem Innovationsindex 2004 hat sich auch auf den ersten Plätzen des Regionenrankings eine Veränderung ergeben. Mit der Region Donau-Iller liegt 2006 eine Region auf Platz 2, die 2004 mit Platz 6 noch im Mittelfeld rangierte. In allen drei Kreisen der Region Donau-Iller, am stärksten im Stadtkreis Ulm und im Landkreis Biberach, wurde 2006 eine höhere Innovationsfähigkeit gemessen als 2004.

Die innovationsstärksten Stadt- und Landkreise verdanken ihre gute Position in erster Linie ihrer hervorragenden technologischen Basis. Daher liegen beim Teilindex »Niveau« – aufgrund seines hohen Gewichts wenig überraschend – auf den ersten fünf Plätzen, in etwas abweichender Reihenfolge, die gleichen Kreise wie bereits beim Gesamtindex. Der im Niveauindex erstplatzierte Bodenseekreis mit Friedrichshafen als wirtschaftlichem Zentrum zeichnet sich vor allem durch die hohe Forschungsintensität seiner Wirtschaft aus. Nirgendwo im Land waren in der Wirtschaft – in Relation zur Größe der relevanten Wirtschaftsbereiche Verarbeitendes Gewerbe und Grundstückswesen, Unternehmensdienstleistungen – die FuE-Ausgaben und das FuE-Personal höher. Der auf Rang zwei liegende Landkreis Böblingen stützt sich vor allem auf seinen industriellen Hochtechnologiesektor. So war beispielsweise der Anteil der in diesem Sektor tätigen Beschäftigten im Kreis Böblingen mit 40 % landesweit am höchsten und fast doppelt so hoch wie im Landesdurchschnitt. Die Innovationsstärke des drittplatzierten Stadtkreises Stuttgart drückt sich vor allem in einer hohen FuE-Intensität der Wirtschaft aus. Allerdings ist die FuE-Ausgabenintensität der Wirtschaft in Stuttgart zwischen 2001 und 2003 zurückgegangen, während sie im Landkreis Böblingen und im Bodenseekreis anstieg. Bei der Anzahl der Existenzgründungen im Hochtechnologiebereich nimmt Stuttgart im Unterschied zum Niveauindex 2004 nur noch eine gute aber keine Spitzenstellung mehr ein. Die Zahl der High-Tech-Gründungen je 100 000 Einwohner sank in Stuttgart zwischen 2003 und 2005 von 36 auf 22. Damit sank die Landeshauptstadt im Ranking der Kreise bei diesem Teilindikator von Platz 1 auf Platz 9. Inwieweit es sich dabei um eine Trendwende oder um eine kurzfristige Schwankung handelt – auch dies ist angesichts der relativ niedrigen Fallzahl, die hier zugrunde liegt, denkbar – wird die Entwicklung der kommenden Jahre zeigen. Der Rückgang der FuE-Ausgabenintensität der Wirtschaft und der High-Tech-Existenzgründungen je 100 000 Einwohner waren ausschlaggebend dafür, dass Stuttgart 2006 seinen ersten Platz beim Niveauindex und beim Gesamtindex abgeben musste.

Bei der mittelfristigen Entwicklung der Innovationskraft schneiden die Landkreise Heilbronn, Freudenstadt und Heidenheim am besten ab. Den Spitzenplatz im Teilindex »Dynamik« verdankt der Landkreis Heilbronn vor allem einer guten Entwicklung der Forschungsintensität der Wirtschaft und der Zunahme des Anteils wissensintensiver Dienstleistungen an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Die ungünstigste Entwicklung der Innovationskraft weisen in Baden-Württemberg die Stadtkreise Baden-Baden und Pforzheim sowie der Landkreis Emmendingen auf. Das Regionenranking im Dynamikindex wird von den Regionen Mittlerer Oberrhein und Ostwürttemberg angeführt. Den Schluss bilden die Regionen Südlicher Oberrhein und Schwarzwald-Baar-Heuberg.

1) Der EU-Innovationsindex umfasst insgesamt 68 Gebietseinheiten: NUTS-1-Regionen in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Vereinigtes Königreich, sonst Länder (ohne Malta).

2) baden-württembergischer Teil

Detaillierte Ergebnisse des Innovationsindex finden Sie in der Dezember-Ausgabe der Reihe »Statistisches Monatsheft Baden-Württemberg«.

Martin Ratering | Statistisches Landesamt BW
Weitere Informationen:
http://www.statistik-bw.de
http://www.statistik-bw.de/Pressemitt/2006380.asp

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Statistiken:

nachricht Frauenanteil in Professorenschaft 2015 auf 23 % gestiegen
14.07.2016 | Statistisches Bundesamt

nachricht Mehr Habilitationen von Frauen im Jahr 2015
28.06.2016 | Statistisches Bundesamt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Statistiken >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie