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Unternehmen in Zukunft durch amtliche Statistiken noch weniger belastet

19.09.2006
"Unternehmensstatistik: Melden wir nur oder nutzen wir sie auch?", so lautet das Hauptthema der diesjährigen Statistischen Woche vom 18. bis 21. September in Dresden. In den Vortragsveranstaltungen der Deutschen Statistischen Gesellschaft wird die aktuelle Belastung der Unternehmen durch staatliche Informationsanforderungen diskutiert und es werden neue Wege aufgezeigt, diese Belastung zu verringern.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat erstmals auf breiter empirischer Basis die tatsächliche Belastung der Unternehmen durch amtliche Statistiken gemessen (siehe auch Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes vom 26. Juli 2006).

"Der zeitliche Aufwand für Meldungen an die amtliche Statistik ist bei Weitem geringer als dies gemeinhin in Kreisen der Wirtschaft empfunden wird", so der Autor der Studie, Prof. Dr. Reiner Stäglin, heute bei einem Pressegespräch auf der Statistischen Woche in Dresden. Im Jahr 2004 wurden lediglich 15% der rund 3,5 Millionen Unternehmen in Deutschland zu Erhebungen der Statistischen Ämter herangezogen. Der jährliche Gesamtaufwand dieser Unternehmen für amtliche Statistiken betrug 2004 im Durchschnitt je Unternehmen 12,7 Stunden. Die Spanne bei den meldenden Unternehmen ist allerdings erheblich: Bei Kleinstunternehmen mit bis zu neun Beschäftigten waren es durchschnittlich nur 6,1 Stunden, bei Großunternehmen hingegen 122,3 Stunden, die für die amtliche Statistik benötigt wurden.

"Diese vom DIW ermittelte vergleichsweise geringe Belastung durch die Bundesstatistik zeigt, dass das Thema Entlastung der Wirtschaft von Berichtspflichten für die amtliche Statistik nicht neu ist", sagte der Vizepräsident des Statistischen Bundesamtes, Walter Radermacher, in Dresden. So hat - nach beträchtlichen Entlastungsmaßnahmen in der 15. Wahlperiode - das erste so genannte Mittelstandsentlastungsgesetz vom 22. August 2006 unter anderem Unternehmen mit weniger als 50 tätigen Personen, das heißt rund 25 000 Unternehmen und damit etwa die Hälfte der bisher Berichtspflichtigen, von der monatlichen Berichtspflicht zum Monatsbericht und zur Produktionserhebung im Produzierenden Gewerbe befreit.

Um diese vergleichsweise geringe Belastung noch weiter zu senken, gehen die Statistischen Ämter neue Wege zur Entlastung der Unternehmen vom Berichtsaufwand. Der einfachste Ansatz, nämlich Reduzierung des Statistikprogramms oder der Fragenkataloge, stößt allerdings mittlerweile verstärkt auf den Widerstand der Nutzerinteressen auf regionaler, nationaler und auch europäischer Ebene. Verbesserungen müssen deshalb auf anderen Wegen erzielt werden.

Erfolg versprechender ist die von der amtlichen Statistik eingeleitete Reform der Unternehmensstatistik: Das bisher großzählungsbasierte System wird schrittweise in ein registergestütztes System überführt. Dieses System wird flexibler sein, Kosten einsparen und die Belastung der Unternehmen verringern. Die statistischen Informationen werden - soweit möglich - durch Nutzung anderer Datenquellen (zum Beispiel Daten der Finanz- und Arbeitsverwaltungen) ermittelt, bisherige Befragungen können so entfallen.

Ein Element der Reform der Unternehmensstatistik ist der Ausbau schon eingeführter elektronischer Workflows, um für Unternehmen die Meldewege weiter zu vereinfachen. Dem dienen insbesondere zwei Verfahren der Statistischen Ämter:

Mit der Software IDEV (Internet Daten Erhebung im Verbund) können die Unternehmen und Auskunftspflichtigen ihre Datenmeldungen in elektronischer Form an die Statistik übermitteln. Dies erlaubt eine schnellere und einfachere Bearbeitung der Daten sowohl in den Unternehmen als auch in den Statistischen Ämtern. Da es aber in der betrieblichen Praxis nicht nur um einfachere Übermittlungswege geht - Papier oder Online -, sondern auch darum, das zeitraubende Zusammenstellen von Daten zu automatisieren, hat die amtliche Statistik im Frühjahr 2005 das Softwaremodul "eSTATISTIK.core" eingeführt. Damit können die zu meldenden Daten direkt aus der Datenverarbeitung, das heißt dem betrieblichen Rechnungswesen des Unternehmens gewonnen und über geschützte Verbindungen zu den Statistischen Ämtern weitergeleitet werden. Dieses bei den Lohnstatistiken erfolgreich begonnene Pilotprojekt soll in den nächsten Jahren für alle in Frage kommenden amtlichen Statistiken zur Verfügung stehen.

Professor Dr. Karl Mosler, der Präsident der Deutschen Statistischen Gesellschaft, erklärte dazu: "Aktuelle und präzise Statistiken über die Tätigkeit der Unternehmen sind ein unverzichtbarer Bestandteil der staatlichen Infrastruktur. Die Statistischen Ämter haben als wichtige Aufgabe erkannt, die Unternehmen von überflüssigen Meldepflichten und zeitintensiven Verfahren zu entlasten. Mit ihren innovativen Erhebungsverfahren befinden sie sich auf einem Erfolg versprechenden Weg, die Akzeptanz der Unternehmensstatistik zu verbessern und ihren Nutzen zu erhöhen."

Weitere Auskünfte gibt: Statistisches Bundesamt Petra Kucera, Telefon: (0611) 75-2838, E-Mail: petra.kucera@destatis.de

Petra Kucera | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.destatis.de

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