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ILO-Arbeitsmarktstatistik Februar 2006

30.03.2006


Im Februar 2006 waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 119 000 Personen (- 0,3%) weniger erwerbstätig als im Vorjahresmonat Februar 2005. Gleichzeitig lag die Zahl der Erwerbslosen im Februar 2006 um 450 000 (- 10,2%) niedriger als ein Jahr zuvor.

Nach vorläufigen Berechnungen lag die Zahl der Erwerbstätigen mit Wohnort in Deutschland im Februar 2006 bei 38,24 Millionen Personen. Die Erwerbstätigenquote als Anteil der Erwerbstätigen an der Gesamtbevölkerung im Alter von 15 bis 64 Jahren betrug 67,3% und lag somit um 0,1 Prozentpunkte unter dem Niveau des Vorjahres.

Im Vormonatsvergleich ist die Zahl der Erwerbstätigen gestiegen: Im Februar waren 50 000 Personen (+ 0,1%) mehr erwerbstätig als im Januar 2006. Saisonbereinigt, das heißt nach rechnerischer Ausschaltung der üblichen jahreszeitlich bedingten Schwankungen, ist die Zahl der Erwerbstätigen gegenüber Januar 2006 leicht um 5 000 Personen gestiegen. Damit wurde trotz der anhaltend ungünstigen Witterung ein Teil des saisonbereinigten Rückganges um 48 000 Personen aus dem Vormonat ausgeglichen. Im Januar waren außergewöhnlich viele Arbeitsverhältnisse insbesondere älterer Arbeitnehmer im Hinblick auf die seit 1. Februar 2006 geltende gesetzliche Neuregelung der Bezugszeiten von Arbeitslosengeld beendet worden.

Nach Ergebnissen der monatlichen Telefonerhebung des Statistischen Bundesamtes waren 12,5% der Erwerbstätigen im Februar 2006 unterbeschäftigt. Die Unterbeschäftigtenquote als Anteil der zeitbezogen Unterbeschäftigten an allen in Deutschland lebenden Erwerbstätigen gibt Auskunft darüber, wie viele Erwerbstätige mehr Arbeitskraft anbieten als von Seiten des Arbeitsmarktes nachgefragt wird. Als zeitbezogen unterbeschäftigt gilt eine Person, die zwar erwerbstätig ist, jedoch den Wunsch äußert, gegen entsprechend höhere Vergütung mehr arbeiten zu wollen. Eine zusätzliche Voraussetzung ist, dass die betreffende Person für die Aufnahme einer erweiterten Erwerbstätigkeit innerhalb der nächsten zwei Wochen zur Verfügung steht.

Die Zahl der Erwerbslosen, das heißt der Arbeitssuchenden ohne jegliche Erwerbstätigkeit, lag im Februar 2006 nach der Telefonerhebung bei 3,99 Millionen Personen und damit um 450 000 (- 10,2%) niedriger als im Vorjahresmonat Februar 2005. Da es sich bei dieser Erhebung um eine zufällig ausgewählte Stichprobe von monatlich 30 000 Personen handelt, sind ihre Ergebnisse mit einem statistischen Zufallsfehler behaftet. Dieser Fehler beträgt für die im Februar gemessene Erwerbslosenzahl +/- 190 000. Das heißt, dass bei einem Messwert von 3,99 Millionen die tatsächliche Zahl der Erwerbslosen in Deutschland mit hoher Wahrscheinlichkeit im Bereich zwischen 3,80 und 4,18 Millionen Personen lag.

Die Erwerbslosenquote, gemessen als Anteil der Erwerbslosen an den Erwerbspersonen insgesamt, fiel im Februar dieses Jahres mit 9,4% um einen Prozentpunkt geringer aus als ein Jahr zuvor. Gegenüber Januar 2006 ist die Erwerbslosenquote um 0,6 Prozentpunkte gestiegen. Dieser Anstieg ist als saisonaler Effekt einzustufen. Die Erwerbslosigkeit nimmt im Februar eines Jahres üblicherweise zu, weil gegen Ende des Winters viele Personen, die zuletzt nicht auf dem Arbeitsmarkt aktiv waren, Hoffnung auf eine günstigere Arbeitsmarktsituation schöpfen und neue Suchbemühungen entfalten.

Weitere Auskünfte geben: Zum Thema "Erwerbstätigkeit": Stephan Lüken, Telefon: (0611) 75-2016, E-Mail: stephan.lueken@destatis.de

Zum Thema "Erwerbslosigkeit": Thomas Riede, Telefon: (0611) 75-2433, E-Mail: thomas.riede@destatis.de

Methodische Erläuterungen zur ILO-Arbeitsmarktstatistik im Februar 2006

Die ILO-Arbeitsmarktstatistik orientiert sich an dem weltweit verwendeten Labour-Force-Konzept der International Labour Organization (ILO). Dieses ordnet jeder Person einen eindeutigen Erwerbsstatus zu. Dabei wird zunächst unterschieden zwischen Erwerbspersonen, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen und auf diesem aktiv sind, und sogenannten Nichterwerbspersonen. Die Gruppe der Erwerbspersonen wiederum untergliedert sich in Erwerbstätige und Erwerbslose.

Erwerbstätig im Sinne der ILO-Definition ist jede Person im erwerbsfähigen Alter, die in einem einwöchigen Berichtszeitraum mindestens eine Stunde lang gegen Entgelt oder im Rahmen einer selbstständigen oder mithelfenden Tätigkeit gearbeitet hat. Auch wer sich in einem formalen Arbeitsverhältnis befindet, das er im Berichtszeitraum nur vorübergehend nicht ausgeübt hat, gilt als erwerbstätig. Als erwerbslos zählt nach dem durch die EU konkretisierten ILO-Konzept eine Person im Alter von 15 bis 74 Jahren, wenn sie im Berichtszeitraum nicht erwerbstätig war, aber in den letzten vier Wochen vor der Befragung aktiv nach einer Tätigkeit gesucht hat und bereit und in der Lage ist, eine neue Arbeit im Erfolgsfall innerhalb von zwei Wochen aufzunehmen. Ob die Arbeitssuche bei einer staatlichen Behörde wie einer Arbeitsagentur oder einem kommunalen Träger registriert wurde oder nicht, spielt für die Zuteilung des Erwerbsstatus nach dem ILO-Konzept keine Rolle.

Diese Abgrenzung der Erwerbslosigkeit unterscheidet sich von der Definition der registrierten Arbeitslosen nach dem deutschen Sozialgesetzbuch (SGB III), welche der Berichterstattung der Bundesagentur für Arbeit zu Grunde liegt. Neben der Meldung bei einer Agentur für Arbeit oder einem kommunalen Träger erfordert die Erfassung als Arbeitsloser auch, dass eine Beschäftigung von mindestens 15 Wochenstunden gesucht wird. Andererseits kann nach dem SGB trotz registrierter Arbeitslosigkeit eine Erwerbstätigkeit mit einem Umfang unter 15 Stunden ausgeübt werden. Es sind daher in der ILO-Arbeitsmarktstatistik Erwerbslose enthalten, die die Bundesagentur für Arbeit nicht als arbeitslos zählt. Umgekehrt gelten in der Statistik der Bundesagentur für Arbeit auch Personen als arbeitslos, die nach Definition der ILO-Arbeitsmarktstatistik nicht erwerbslos sind.

Bei der Erwerbslosenquote handelt es sich um die Zahl der Erwerbslosen in Prozent aller Erwerbspersonen (Erwerbslose + Erwerbstätige). Die Erwerbstätigenquote errechnet sich als Anteil der Erwerbstätigen im Alter von 15 bis 64 Jahren an der gleichaltrigen Bevölkerung. Diese Altersabgrenzung entspricht den Festlegungen des EU-Beschäftigungspaktes.

Als zeitbezogen unterbeschäftigt gilt eine Person, die zwar erwerbstätig ist, jedoch den Wunsch äußert, bei entsprechender Anpassung des Verdienstes mehr arbeiten zu wollen und bereit und in der Lage ist, eine erweiterte Erwerbstätigkeit im Erfolgsfall innerhalb von zwei Wochen aufzunehmen. Die hier verwendete Definition zeitbezogener Unterbeschäftigung ist unabhängig von der Zahl der Arbeitsstunden, die eine unterbeschäftigte Person bisher leistet. Die Unterbeschäftigtenquote stellt den Anteil zeitbezogen Unterbeschäftigter an allen Erwerbstätigen dar.

Die ausgewiesenen Quoten und Veränderungsraten basieren auf nicht gerundeten Werten.

Die vorliegenden Daten über Erwerbslosigkeit und zeitbezogene Unterbeschäftigung entstammen einer telefonischen Befragung von 30 000 zufällig ausgewählten Personen im Alter von 15 bis 74 Jahren. Da es sich dabei um eine Stichprobenerhebung handelt, ist die Hochrechnung des Ergebnisses auf die Gesamtbevölkerung mit einem so genannten Standardfehler behaftet, der bei der Interpretation der Ergebnisse zu berücksichtigen ist. Er gibt an, in welcher Größenordnung das "tatsächliche" Ergebnis mit einer angebbaren Wahrscheinlichkeit vom Ergebnis der Stichprobe abweichen kann. Der Standardfehler für die Zahl der Erwerbslosen wird in der tabellarischen Darstellung der Daten ausgewiesen.

Daten aus der ILO-Telefonerhebung werden seit Januar 2005 veröffentlicht. Für den davor liegenden Zeitraum ab 1991 existiert eine geschätzte Zeitreihe auf Basis der jährlichen Arbeitskräfteerhebung (AKE), der im bisherigen Verlauf der Telefonerhebung beobachteten monatlichen Veränderungen sowie der Zahl registrierter Arbeitsloser. Auf dieser geschätzten Zeitreihe basiert auch die Saisonbereinigung der Ergebnisse.

Die Angaben zur Erwerbstätigkeit sind Ergebnisse der Erwerbstätigenrechnung im Rahmen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR).

Stephan Lüken | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.destatis.de

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