Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Außenhandel mit Tschechien

16.11.2005


Zu den Differenzen zwischen tschechischen und deutschen Außenhandelsergebnissen Gemeinsame Presseerklärung des Statistischen Bundesamtes und des Tschechischen Statistischen Amtes

Der Außenhandel zwischen Tschechien und Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren sehr dynamisch entwickelt. Die deutschen Ausfuhren nach Tschechien sind zwischen 1993 und 2004 um mehr als das Dreieinhalbfache gestiegen, die Einfuhren aus Tschechien haben sich sogar mehr als verfünffacht. Die wichtigsten Gütergruppen im Handel zwischen Tschechien und Deutschland sind Kraftfahrzeuge/- Teile und Maschinen. In der Rangfolge der wichtigsten Handelspartner Deutschlands liegt Tschechien ein- und ausfuhrseitig auf Platz 12. Aus tschechischer Sicht ist Deutschland in beiden Lieferrichtungen das mit weitem Abstand wichtigste Partnerland. Es gibt allerdings Abweichungen zwischen den spiegelbildlichen tschechischen und deutschen Außenhandelsstatistiken, die seit dem EU-Beitritt Tschechiens deutlich zugenommen haben.

In beiden Lieferrichtungen - in besonderem Maße bei den Warenbewegungen von Tschechien nach Deutschland - liegen die tschechischen Ergebnisse deutlich über den spiegelbildlichen deutschen Zahlen. Im Jahr 2004 überstiegen die tschechischen Ausfuhren nach Deutschland die entsprechenden deutschen Einfuhren um rund 17%. Die nationalen Statistikämter in Deutschland und Tschechien haben deshalb in einer gemeinsamen Initiative die Ursachen für diese Entwicklung untersucht. Offenbar sind die Differenzen im Zusammenhang mit der seit der EU- Erweiterung geänderten Erhebungsmethode zu sehen. Der Warenverkehr zwischen Tschechien und Deutschland lässt sich jetzt nicht mehr anhand der Unterlagen der Zollbehörden ermitteln, sondern wird im Rahmen des so genannten "Intrastat-Systems" direkt bei den betroffenen Unternehmen erhoben. Hier sind es vor allem folgende Effekte, die zu den Asymmetrien beitragen:

1. Transitverkehre Ein tschechisches Unternehmen verkauft beispielsweise Waren an einen deutschen Abnehmer. Die Waren werden nach Deutschland geliefert, aber von dort ohne Zwischenstopp oder nach lediglich transportbedingtem Aufenthalt in ein anderes EU-Land verbracht. Aus deutscher Sicht handelt es sich um Transitverkehr, der nicht meldepflichtig ist, so dass weder eine Ein- noch eine Ausfuhrmeldung erfolgt. Das tschechische Unternehmen gibt jedoch Deutschland als Bestimmungsland an, weil es das eigentliche Bestimmungsland der Waren nicht kennt. Dieser Effekt konnte vor dem Beitritt Tschechiens zur EU zumindest dann nicht auftreten, wenn die Waren an der deutschen Grenze in den zollrechtlich freien Verkehr überführt wurden. Bei der Zollabfertigung fiel in Deutschland stets eine Einfuhrmeldung an. Anschließend war von dem deutschen Unternehmen eine Versendung in das EU-Bestimmungsland zu melden.

2. Veredelungsgeschäfte Veredelungsverkehre, die gerade im Warenaustausch zwischen Tschechien und Deutschland eine wichtige Rolle spielen, dürften eine weitere bedeutsame Ursache für die Spiegeldifferenzen sein. Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass grenzüberschreitende Veredelungsgeschäfte nicht in den für Umsatzsteuerzwecke gemeldeten innergemeinschaftlichen Lieferungen/Erwerben enthalten sind. Somit entfällt für diese Warenbewegungen die sonst übliche Kontrollmöglichkeit der Außenhandelszahlen anhand der Umsatzsteueranmeldungen. Untererfassungseffekte können deshalb nicht ausgeschlossen werden. Vor dem EU-Beitritt Tschechiens war dagegen die vollständige Erfassung der Veredelungsverkehre durch die zollamtliche Überwachung garantiert. Auch methodisch bedingte Abweichungen kommen in Betracht. Grenzüberschreitende Veredelungsgeschäfte sind in Tschechien und Deutschland zwar entsprechend den EU-Vorgaben grundsätzlich methodisch gleich zu behandeln. Es gibt jedoch Ermessensspielräume. Bei enger Auslegung des Begriffs - wie in Deutschland - werden kleinere Bearbeitungsvorgänge nicht als Veredelung, sondern lediglich als eine temporäre, nicht meldepflichtige Verbringung der Ware ins Ausland eingestuft. Bei einer eher weiten Auslegung des Begriffs - wie von den tschechischen Statistikern praktiziert - liegt dagegen auch dann ein meldepflichtiger Veredelungsverkehr vor.

3. Anmeldeschwellen Die Anwendung von Anmeldeschwellen, die es im System der Zollanmeldungen nicht gab, spielt ebenfalls als Grund für Spiegelbilddifferenzen eine Rolle. Zwar können die nicht erfassten Warenverkehre in ihrer Gesamtheit auf Basis der Umsatzsteuervoranmeldungen sehr zuverlässig hinzugeschätzt werden. Wie sich der "Abschneideeffekt" bei den einzelnen Partnerländern auswirkt, ist jedoch nicht exakt festzustellen. Vermutlich liegt er bei Nachbarländern wie Tschechien und Deutschland auf Grund des "kleinen Grenzverkehrs" über dem Durchschnitt.

4. Unternehmensinterner Warenverkehr Ein weiterer Grund für Abweichungen liegt in der zum Teil unterschiedlichen Anmeldung von internen, zumeist unentgeltlichen Warenverkehren zwischen deutschen Unternehmen und ihren Zweigniederlassungen in Tschechien.

Die Zunahme der Spiegeldifferenzen zwischen der tschechischen und der deutschen Außenhandelsstatistik ist wesentlich auf den Systemwechsel bei der Datenerhebung zurückzuführen. Asymmetrien werden sich auch in Zukunft nicht ganz vermeiden lassen. Sie treten im Übrigen auch im Vergleich mit anderen Ländern auf. Beide Statistikämter unternehmen jedoch vielfältige Anstrengungen, um die Differenzen so weit wie möglich zu reduzieren und stehen deshalb in engem Kontakt. Mögliche Verbesserungen werden sich vor allem auf die oben genannten Punkte konzentrieren.

Weitere Auskünfte gibt: Albrecht Krockow, Telefon: (0611) 75-2060, E-Mail: info-aussenhandel@destatis.de

Albrecht Krockow | pressrelations GmbH
Weitere Informationen:
http://www.destatis.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Statistiken:

nachricht Frauenanteil in Professorenschaft 2015 auf 23 % gestiegen
14.07.2016 | Statistisches Bundesamt

nachricht Mehr Habilitationen von Frauen im Jahr 2015
28.06.2016 | Statistisches Bundesamt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Statistiken >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte