Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kein Einbruch, aber auch kein Durchbruch der Biotechnologie

12.10.2005


Der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Johann Hahlen, hat heute in Frankfurt am Main Ergebnisse der dritten Erhebung zur Biotechnologie in Deutschland, und zwar für das Jahr 2004, vorgestellt.


Danach haben sich die Biotech-Kernunternehmen in Deutschland von 2002 bis 2004, was den Umsatz insgesamt und den Umsatz pro Beschäftigten angeht, positiv entwickelt. Gleichzeitig sind aber bei diesen Unternehmen die Zahl der Beschäftigten sowie die Ausgaben für Forschung und Entwicklung deutlich zurückgegangen. Vieles spricht dafür, dass sich die deutsche Biotech-Branche noch immer auf dem steinigen Weg der Konsolidierung befindet. Ein Medikament mit "Blockbuster"-Potenzial ist in Deutschland nicht in Sicht. Hinzu kommen schwierige rechtliche Rahmenbedingungen für die "grüne" Biotechnologie sowie ethische Vorbehalte gegenüber der Forschung mit Stammzellen. Liquiditäts- und Finanzierungsengpässe machen vielen Unternehmen zu schaffen. Auf der anderen Seite bestätigt der Anteil der wenigen großen Unternehmen der Life Sciences Industrie am Gesamtumsatz der Biotech- Branche (2004 über 40%) das schon in den vorangegangenen Erhebungen festgestellte beträchtliche wirtschaftliche Potenzial der großen Unternehmen auf dem Gebiet der Biotechnologie.

Die Wiederholungsbefragung wurde - wiederum auf freiwilliger Basis - bei Unternehmen der Biotech-Branche im ersten Halbjahr 2005 durchgeführt.


Der Berichtskreis für das Jahr 2004 umfasst 1 208 Unternehmen, die in unterschiedlicher Art das Erscheinungsbild der deutschen Biotech- Landschaft prägen. Davon waren:

  • 572 Biotech-Kernunternehmen, die vorrangig mit modernen biotechnischen Verfahren arbeiten (Kategorie I),
  • 382 Ausrüster (Zulieferer) der Biotech-Kernunternehmen und -Forschungseinrichtungen (Kategorie II),
  • 38 Unternehmen, die als Biotech-Kernunternehmen und Ausrüster tätig sind (Kategorie III),
  • 33 größere Unternehmen der Life Sciences Industrie mit mehr als 250 Beschäftigten und ausgeprägten biotech- nologischen Aktivitäten (Kategorie IV) und
  • 183 Berater und Finanzdienstleister der Biotech-Branche (KategorieV).

Von den 1 208 registrierten Unternehmen aller fünf Kategorien wurden 1 159 Einheiten in die Ergebnisdarstellung einbezogen. Die übrigen 49 Einheiten waren noch nicht operativ tätig, oder ihre Geschäftstätigkeit ruhte vorübergehend (zum Beispiel auf Grund von Finanzierungsengpässen). 789 Firmen (65% des ermittelten Berichtskreises) schickten einen ausgefüllten Fragebogen zurück.

Die 538 Biotech-Kernunternehmen beschäftigten im Jahre 2004 insgesamt rund 12 000 Personen, von denen 45% in der Forschung und Entwicklung (FuE) tätig waren. In den kleinen Unternehmen mit weniger als fünf Beschäftigten arbeiteten über 62% im FuE-Bereich. Rund 743 Millionen Euro, je Beschäftigten über 62 000 Euro, haben die Biotech-Kernunternehmen für Forschung und Entwicklung ausgegeben. Die Veränderungsraten bei den FuE-Beschäftigten (- 16%) und bei den FuE-Ausgaben (- 32%) im Zeitraum 2002 bis 2004 zeigen, dass die Kernunternehmen kürzer treten mussten.

Die Entwicklung der Beschäftigung zeigt im Zweijahresvergleich 2002 bis 2004 nur bei den großen Unternehmen der Life Sciences Industrie - in deren Geschäftszweig Biotechnologie - eine Zuwachsrate (+ 16%). Bei allen anderen Unternehmenskategorien ist ein Mitarbeiterabbau festzustellen. 10% weniger Beschäftigte meldeten die Biotech- Kernunternehmen, ein Minus von knapp 2% die Ausrüster.

Den Umsatz mit Biotech-Produkten im Jahre 2004 bezifferten die Unternehmen der Kategorien I, III und IV auf rund 3,6 Milliarden Euro; knapp ein Drittel davon (1,1 Milliarden Euro) meldeten die Biotech-Kern- und -Kombiunternehmen. Der Umsatz der Ausrüster lag bei 2,3 Milliarden Euro. Bei der Entwicklung des Umsatzes verzeichneten die Kernunternehmen sowie die großen Unternehmen ein Plus von 9% und 3,3%. Der Umsatz der Ausrüster (- 6%) ist ebenso zurückgegangen wie das Beratungsgeschäft der Kategorie V-Unternehmen (- 16%). Auch wenn der Umsatz je Beschäftigten bei den Kernunternehmen nach oben zeigt (+ 19%), dürfte die überwiegende Mehrheit noch nicht profitabel arbeiten; ihre Abhängigkeit von externen Finanzierungsquellen besteht weiterhin.

Die regionalen Schwerpunkte der Biotech-Landschaft in Deutschland haben sich nicht verändert. Vorne liegt weiterhin Bayern, gefolgt von Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Hessen. Bedeutende Biotech-Standorte sind auch die Region Berlin/Brandenburg sowie Niedersachsen.

Diese und weitere Ergebnisse sowie eine Beschreibung der konzeptionellen Grundlagen der Erhebung enthält die Broschüre "Unternehmen der Biotechnologie in Deutschland - Ergebnisse der Wiederholungsbefragung 2004", die kostenlos im Internetangebot des Statistischen Bundesamtes unter www.destatis.de, Pfad: Presse/Presseveranstaltungen, abrufbar ist.

Alois Macht | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.destatis.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Statistiken:

nachricht Frauenanteil in Professorenschaft 2015 auf 23 % gestiegen
14.07.2016 | Statistisches Bundesamt

nachricht Mehr Habilitationen von Frauen im Jahr 2015
28.06.2016 | Statistisches Bundesamt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Statistiken >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Antibiotikaresistenzen: Ein multiresistenter Escherichia coli-Stamm auf dem Vormarsch

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Sturmfeder bekämpft Orkanschäden

23.10.2017 | Maschinenbau

Vorstellung eines neuen Zellkultursystems für die Analyse von OPC-Zellen im Zebrafisch

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie