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Ausführliche Ergebnisse zur Wirtschaftsleistung im 2. Quartal 2011

01.09.2011
Die Dynamik der deutschen Wirtschaft hat sich nach dem schwungvollen Jahresauftakt deutlich abgekühlt: Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) bereits in seiner Schnellmeldung vom 16. August 2011 mitgeteilt hat, war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) – preis-, saison- und kalenderbereinigt – im zweiten Vierteljahr 2011 nach vorläufigen Berechnungen lediglich um 0,1 % höher als im ersten Vierteljahr.

Positive Impulse kamen im Vorquartalsvergleich (preis-, saison- und kalenderbereinigt) wieder von den Exporten: Im zweiten Quartal 2011 wurden 2,3 % mehr Waren und Dienstleistungen ins Ausland exportiert als im ersten Quartal.

Im selben Zeitraum stiegen die Importe mit + 3,2 % jedoch noch kräftiger als die Exporte. Einen spürbaren Effekt hatte dabei der deutsche Ausstieg aus der Atomenergie: Strom wurde kaum noch exportiert, sondern musste – um die Nachfrage zu befriedigen – verstärkt importiert werden.

Der Außenbeitrag, also die Differenz aus Exporten und Importen, wirkte sich im Vorquartalsvergleich insgesamt negativ auf das Bruttoinlandsprodukt aus (– 0,3 Prozentpunkte). Infolge des starken Anstiegs der Importe wurden aber andererseits auch vermehrt Vorräte aufgebaut (Wachstumsbeitrag zum BIP von + 0,7 Prozentpunkten). Auch die Anlageinvestitionen konnten insgesamt etwas zulegen: Insbesondere in Ausrüstungen – darunter fallen hauptsächlich Maschinen und Geräte sowie Fahrzeuge – wurde mehr investiert als im Vorquartal (+ 1,7 %).

Die Bauinvestitionen gingen dagegen im Berichtsquartal etwas zurück (– 0,9 %), was nach dem außergewöhnlich starken Anstieg (+ 7,0 %) zum Jahresbeginn – der allerdings zum Teil auf witterungsbedingte Nachholeffekte zurückzuführen war – nicht überraschte. Der inländische Konsum dämpfte im zweiten Quartal 2011 ebenfalls das Wirtschaftswachstum im Vorquartalsvergleich: Die Konsumausgaben des Staates waren zwar leicht im Plus (+ 0,2 %), die privaten Konsumausgaben (– 0,7 %) gingen jedoch erstmals seit dem Krisenjahr 2009 zurück. Diese Konsumzurückhaltung ist unter anderem im Zusammenhang mit gestiegenen Energiepreisen sowie Sondereffekten wie der Verunsicherung der Konsumenten wegen der internationalen Schuldenkrise zu sehen.

Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf den Vorjahresvergleich:
Eine längerfristige Betrachtung deutet darauf hin, dass der Aufschwung in Deutschland auch im zweiten Vierteljahr 2011 nicht beendet ist: Im Vorjahresvergleich hat die Wirtschaftsleistung wiederum deutlich zugelegt. Das preisbereinigte BIP stieg im zweiten Quartal 2011 gegenüber dem zweiten Quartal 2010 um 2,8 % (kalenderbereinigt: + 2,7 %).

Die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal 2011 wurde nach ersten vorläufigen Berechnungen von 41,0 Millionen Erwerbstätigen im Inland erbracht, das waren 553 000 Personen oder 1,4 % mehr als ein Jahr zuvor.

Die gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivität, gemessen als preisbereinigtes BIP je Erwerbstätigen, ist im zweiten Quartal 2011 um 1,4 % gegenüber dem zweiten Quartal 2010 gestiegen. Je Erwerbstätigenstunde hat sich die Arbeitsproduktivität nach ersten vorläufigen Berechnungen um 1,2 % erhöht, da je Erwerbstätigen im Durchschnitt etwas mehr gearbeitet wurde als im Vorjahr (+ 0,2 %).

Die preisbereinigte Bruttowertschöpfung aller Wirtschaftsbereiche war im zweiten Quartal 2011 um 3,0 % höher als im zweiten Quartal 2010. Maßgeblichen Anteil an diesem Anstieg hatte wiederum das Verarbeitende Gewerbe mit einem deutlichen Plus von 9,4 %. Allerdings ist das Vorkrisenniveau in diesem Bereich trotzdem noch immer nicht erreicht. Auch im Baugewerbe war die Wirtschaftsleistung höher (+ 2,1 %) als vor einem Jahr. Die Dienstleistungsbereiche wurden im Rahmen der umfassenden Revision 2011 der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen tiefer gegliedert. Die revidierten Ergebnisse ergaben ein heterogenes Bild: Während die preisbereinigte Bruttowertschöpfung bei den Finanz- und Versicherungsdienstleistern (– 1,6 %) und bei den sonstigen Dienstleistern (– 0,8 %) zurückging, war sie in allen anderen Bereichen höher als ein Jahr zuvor. Den stärksten Anstieg gab es dabei im Bereich Handel, Verkehr, Gastgewerbe mit + 4,5 %, gefolgt von den Unternehmensdienstleistern mit + 3,9 %.

Auf der Verwendungsseite des Bruttoinlandsprodukts kamen die Wachstumsimpulse im zweiten Vierteljahr 2011 im Vorjahresvergleich sowohl aus dem Inland als auch aus dem Ausland. Es wurde mehr konsumiert, mehr investiert und mehr mit dem Ausland gehandelt als vor einem Jahr. So wurden preisbereinigt wieder mehr Waren und Dienstleistungen exportiert als vor einem Jahr (+ 7,7 %); die Importe stiegen etwas weniger stark (+ 7,3 %). Der daraus resultierende Exportüberschuss (Außenbeitrag) lieferte im Vorjahresvergleich einen Wachstumsbeitrag von + 0,6 Prozentpunkten zum BIP. Vor allem die Investitionen der Unternehmen sorgten dafür, dass es für die deutsche Wirtschaft auch im zweiten Quartal 2011 weiter bergauf ging: Im Berichtsquartal wurde preisbereinigt 11,6 % mehr in Maschinen, Geräte und Fahrzeuge investiert als im zweiten Quartal 2010. Auch die Bauinvestitionen sind im Vergleich zum Vorjahr weiter gestiegen (+ 2,4 %), was insbesondere am Zuwachs der Wohnbauten lag. Die privaten Konsumausgaben lagen ebenfalls über dem Vorjahresniveau, sie stiegen preis­bereinigt um 1,4 %. Der Staat erhöhte seine Konsumausgaben um 1,3 %. Für die inländische Verwendung insgesamt ergibt sich daraus ein preisbereinigter Anstieg von 2,3 % gegenüber dem zweiten Quartal 2010.

In jeweiligen Preisen berechnet war das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal 2011 um 3,7 % und das Bruttonationaleinkommen um 3,2 % höher als im zweiten Quartal 2010. Das Volkseinkommen hat insgesamt um 3,4 % zugenommen, die beiden Komponenten entwickelten sich aber unterschiedlich: Während die Unternehmens- und Vermögenseinkommen erstmals seit dem Krisenjahr 2009 einen leichten Rückgang von 0,3 % verzeichneten, stieg das Arbeitnehmerentgelt der Inländer kräftig (+ 5,1 %). Ein Grund dafür war ein signifikanter Beschäftigungsaufbau im Berichtsquartal. Außerdem legten die Bruttolöhne und -gehälter sowohl je Arbeitnehmer als auch in der Summe aller Arbeitnehmer (+ 5,5 %) deutlich zu. Die Nettolöhne und -gehälter der Arbeit­nehmer waren trotz höherer Abgaben der Arbeitnehmer um 5,3 % höher als vor einem Jahr. Das verfüg­bare Einkommen der privaten Haushalte erhöhte sich um 3,4 %. Die nominalen privaten Konsumausgaben waren um 3,7 % höher als im Vorjahresquartal. Daraus errechnet sich für die Sparquote der privaten Haushalte ein Wert von 10,6 %; das waren 0,3 Prozentpunkte weniger als im zweiten Quartal 2010 (10,9 %).

Revision der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) 2011
Das Statistische Bundesamt legt heute neben der Erstberechnung des zweiten Quartals 2011 auch erstmals detaillierte Ergebnisse der großen Revision der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) vor. Im Rahmen der VGR-Revision 2011 wurden alle bisher veröffentlichten Ergebnisse der gesamten Zeitreihe ab 1991 überprüft und – wenn notwendig – überarbeitet. Solche sogenannten großen Revisionen der deutschen VGR finden – neben den regelmäßigen, sogenannten laufenden Revisionen – etwa alle fünf Jahre statt, um die Berechnungen an neue Methoden, Klassifikationen und Rahmen­bedingungen anzupassen (zuletzt 1999 und 2005).

Die VGR-Revision 2011 dient in erster Linie der Umstellung auf die neuen Wirtschaftszweig- und Güterklassifikationen (WZ 2008 und GP 2009). Darüber hinaus wurden aber auch sämtliche bisherige Berechnungen überprüft und neue Erkenntnisse soweit möglich in das Rechenwerk integriert. Dadurch kommt es in den gesamten Zeitreihen ab 1991 zu Korrekturen unterschiedlicher Größenordnungen. Der Revisionsbedarf ist in der Regel in den letzten vier Jahren (also ab 2007) am größten, da für diese Zeiträume die Ergebnisse von Basisstatistiken zum Teil erstmalig verfügbar sind. Die in der jüngeren Vergangenheit stark schwankende Konjunktur hat die Schätzungen am aktuellen Rand zusätzlich erschwert.

Wie bereits in der Pressemitteilung vom 16.08.2011 mitgeteilt, ergab die aktuelle Neuberechnung im Rahmen der VGR-Revision 2011 Veränderungsraten der jährlichen Ursprungswerte des BIP, die um bis zu 0,3 Prozentpunkte von den bisher veröffentlichten Ergebnissen abweichen; lediglich in den Jahren 2007 (+ 0,6 Prozentpunkte) und 2009 (– 0,4 Prozentpunkte) waren die Korrekturen etwas größer. Die vierteljährlichen Veränderungsraten des BIP im Vorjahresvergleich wurden um bis zu 0,7 Prozentpunkte, die der saison- und kalenderbereinigten Ergebnisse im Vorquartalsvergleich um bis zu 0,5 Prozentpunkte revidiert. Die mittlere absolute Revision des preisbereinigten BIP lag bei 0,2 Prozentpunkten im Vorjahresvergleich und bei 0,1 Prozentpunkten im saison- und kalenderbereinigten Vorquartalsvergleich. In einzelnen Komponenten des BIP fallen die Korrekturen deutlich größer aus. Eine Gegenüberstellung der alten und neuen Ergebnisse des BIP ab 1991 steht zum Download bereit. Dort gibt es unter -->Revisionen weitere Informationen zu Revisionen in den VGR im Allgemeinen sowie auch zur aktuellen Revision 2011. Die Größenordnungen und Gründe der revisionsbedingten Änderungen der einzelnen Aggregate werden in einem ausführlichen Artikel in der Zeitschrift „Wirtschaft und Statistik“ (WiSta), Heft 9/2011 veröffentlicht, der in Kürze erscheint.

Revidierte Ergebnisse der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen können im auf den Fachbereichsseiten abgerufen werden. In der Fachserie 18 „Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen“, Reihe 1.2 „Vierteljahresergebnisse“ sowie Reihe 1.3 „Saisonbereinigte Vierteljahresergebnisse nach Census X-12-ARIMA und BV 4.1“ stehen tiefer gegliederte Ergebnisse zur Verfügung. Diese und weitere Veröffentlichungen sind über Publikationen kostenfrei erhältlich. Die Reihen 1.4 „Detaillierte Jahresergebnisse“ und 1.5 „Lange Reihen ab 1970“ werden in Kürze verfügbar sein.

Weitere Auskünfte gibt:
VGR-Infoteam,
Telefon: +49 611 75 2626,
E-Mail: bip-info@destatis.de

VGR-Infoteam | Statistisches Bundesamt
Weitere Informationen:
http://www.destatis.de

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To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

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