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Ausführliche Ergebnisse zur Wirtschaftsleistung im 2. Quartal 2010

24.08.2010
Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) bereits in seiner Schnellmeldung vom 13. August 2010 mitgeteilt hat, war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) - preis-, saison- und kalenderbereinigt - im zweiten Vierteljahr 2010 nach vorläufigen Berechnungen um 2,2% höher als im ersten Vierteljahr. Ein solches Wachstum zum Vorquartal gab es noch nie im vereinten Deutschland.

Bruttoinlandsprodukt, preisbereinigt, verkettet (saison- und kalenderbereinigte Werte nach Census X-12-ARIMA) Veränderung gegenüber dem Vorquartal:

2008 2009 2010
3.Vj 4.Vj 1.Vj 2.Vj 3.Vj 4.Vj 1.Vj 2.Vj
- 0,4% - 2,2% - 3,4% + 0,5% + 0,7% + 0,3% + 0,5% + 2,2%
Positive Impulse kamen im Vorquartalsvergleich (preis-, saison- und kalenderbereinigt) sowohl aus dem Inland als auch aus dem Ausland. Die Investitionen und der Außenhandel hatten dabei den größten Anteil am Aufschwung. Sowohl in Ausrüstungen (+ 4,4%) als auch in Bauten (+ 5,2%) wurde deutlich mehr investiert als im Vorquartal. Dabei muss allerdings berücksichtigt werden, dass sich insbesondere die Ausrüstungsinvestitionen nach den zum Teil zweistelligen Rückgängen während der Wirtschaftskrise 2008/2009 auf einem immer noch relativ niedrigen Niveau bewegen. Beim Anstieg der Bauinvestitionen handelt es sich zudem zum Teil um Nachholeffekte nach dem vergleichsweise strengen Winter. Die Exporte von Waren und Dienstleistungen (+ 8,2%) stiegen zum Vorquartal stärker als die Importe (+ 7,0%), sodass der Exportüberschuss (Außenbeitrag) einen Wachstumsbeitrag von 0,8 Prozentpunkten am BIP hatte. Auch vom inländischen Konsum gibt es Positives zu berichten: Die privaten Konsumausgaben waren um 0,6% höher als in den ersten drei Monaten des Jahres. Der Staat erhöhte seine Konsumausgaben ebenfalls leicht um 0,4%.

Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf den Vorjahresvergleich:

Auch im Vorjahresvergleich ist das preisbereinigte BIP deutlich gestiegen: Es war im zweiten Quartal 2010 um 4,1% höher als im gleichen Quartal des Vorjahres. Kalenderbereinigt wuchs das BIP um 3,7%, weil im Berichtsquartal ein Arbeitstag mehr zur Verfügung stand als im zweiten Vierteljahr 2009.

Bruttoinlandsprodukt, preisbereinigt, verkettet (Ursprungswerte) Veränderung gegenüber dem Vorjahr:

2008 2009 2010
3.Vj 4.Vj 1.Vj 2.Vj 3.Vj 4.Vj 1.Vj 2.Vj
+ 1,0% - 1,9% - 6,3% - 6,8% - 4,4% - 1,3% + 2,1% + 4,1%
Die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal 2010 wurde von rund 40,3 Millionen Erwerbstätigen erbracht, das waren 72 000 Personen oder 0,2% mehr als ein Jahr zuvor.

Die gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivität, gemessen als preisbereinigtes BIP je Erwerbstätigen, ist im zweiten Quartal 2010 um 3,9% gegenüber dem zweiten Quartal 2009 gestiegen. Je Erwerbstätigenstunde hat sich die Arbeitsproduktivität dagegen nach ersten vorläufigen Berechnungen nur um 1,6% erhöht, da je Erwerbstätigen im Durchschnitt wieder mehr gearbeitet wurde als im Vorjahr (+ 2,3%). Wesentlich dazu beigetragen haben die verringerte Inanspruchnahme von Kurzarbeit sowie der leichte Anstieg der normalen Wochenarbeitszeit und der Überstunden.

Die preisbereinigte Bruttowertschöpfung aller Wirtschaftsbereiche war im zweiten Quartal 2010 um 4,4% höher als im zweiten Quartal 2009. Maßgeblichen Anteil an diesem Anstieg hatte das Verarbeitende Gewerbe mit einem deutlichen Plus von 13,7%. Allerdings hatte es hier 2009 auch die stärksten Rückgänge in Folge der Wirtschaftskrise gegeben. Auch das Baugewerbe (+ 4,4%) sowie die Dienstleistungsbereiche sind gegenüber dem Vorjahr gewachsen: Handel, Gastgewerbe und Verkehr um 2,3%, öffentliche und private Dienstleister um 1,9% und Finanzierung, Vermietung und Unternehmensdienstleister um 1,5%. Lediglich in der Land- und Forstwirtschaft, Fischerei ging die preisbereinigte Bruttowertschöpfung im zweiten Quartal 2010 im Vergleich zum Vorjahr leicht zurück (- 0,6%).

Auf der Verwendungsseite des Bruttoinlandsprodukts trugen auch im Vorjahresvergleich in erster Linie die Investitionen sowie die Nachfrage aus dem Ausland zum Wirtschaftswachstum bei: Es wurden preisbereinigt deutlich mehr Waren und Dienstleistungen ins Ausland exportiert als vor einem Jahr (+ 19,1%); die Importe stiegen etwas weniger stark (+ 17,8%). Der daraus resultierende Exportüberschuss (Außenbeitrag) lieferte einen Wachstumsbeitrag von + 1,4 Prozentpunkten zum BIP.

Im Inland waren es vor allem die Investitionen von Staat und Unternehmen, die für den Aufschwung der deutschen Wirtschaft im zweiten Quartal sorgten: Die Ausrüstungsinvestitionen stiegen preisbereinigt um 9,5% gegenüber dem zweiten Vierteljahr 2009, die Bauinvestitionen um 5,2%. Hier zeigen sich neben Basiseffekten nach der Wirtschaftskrise und Nachholeffekten nach dem strengen Winter auch die positiven Auswirkungen der staatlichen Konjunkturprogramme.

Da im Berichtsquartal außerdem wieder die Lager gefüllt wurden (Wachstumsbeitrag der Vorratsveränderungen zum BIP: + 1,4 Prozentpunkte), legten die Bruttoinvestitionen insgesamt um 16,4% gegenüber dem Vorjahr zu.

Lediglich die privaten Konsumausgaben waren im Vorjahresvergleich noch rückläufig und sanken preisbereinigt um 0,7%. Dies ist unter anderem auf gesunkene Kraftfahrzeugkäufe zurückzuführen, die im Vorjahr durch die sogenannte Abwrackprämie deutlich erhöht waren. Die preisbereinigten Ausgaben für Verkehr und Nachrichtenübermittlung - diesem Verwendungszweck werden auch die privaten Kraftfahrzeugkäufe zugeordnet - waren entsprechend um 8,6% niedriger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Konsumausgaben des Staates sind dagegen um 3,1% gestiegen. Für die inländische Verwendung insgesamt ergibt sich daraus ein Anstieg von 2,9% gegenüber dem zweiten Quartal 2009.

In jeweiligen Preisen gerechnet waren sowohl das Bruttoinlandsprodukt als auch das Bruttonationaleinkommen im zweiten Quartal 2010 um 4,9% höher als im zweiten Quartal 2009. Das Volkseinkommen, das sich aus dem Arbeitnehmerentgelt und den Unternehmens- und Vermögenseinkommen zusammensetzt, hat um 8,3% zugenommen. Während das Arbeitnehmerentgelt aber lediglich um 2,5% anstieg, verzeichneten die Unternehmens- und Vermögenseinkommen einen sehr deutlichen Zuwachs von 21,9%. Die Nettolöhne und -gehälter der Arbeitnehmer waren trotz gestiegener Sozialbeiträge um 3,9% höher als vor einem Jahr, da die Lohnsteuer der Arbeitnehmer das fünfte Quartal in Folge zurückgegangen ist. Das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte hat sich um 1,5% erhöht. Die nominalen Konsumausgaben der privaten Haushalte waren um 1,2% höher als im Vorjahresquartal.

Daraus errechnet sich für die Sparquote der privaten Haushalte ein Wert von 10,9%; das waren 0,3 Prozentpunkte mehr als im zweiten Quartal 2009 (10,6%).

Neben der Erstberechnung des zweiten Quartals wurden zu diesem Termin - wie jedes Jahr im August - auch die bisher veröffentlichten Ergebnisse der letzten vier Jahre (ab 2006) überarbeitet (Korrekturen der saison- und kalenderbereinigten Ergebnisse ab 1991).

Die aktuelle Neuberechnung ergab Veränderungsraten der jährlichen und vierteljährlichen Ursprungswerte des BIP, die um bis zu 0,4 Prozentpunkte von den bisher veröffentlichten Ergebnissen abweichen. Die Veränderungsraten der saison- und kalenderbereinigten Ergebnisse wurden ebenfalls revidiert (um bis zu 0,3 Prozentpunkte).

Insbesondere die Veränderungsraten des BIP für die Quartale und das Jahr 2008, für das nun erstmals Ergebnisse jährlicher Basisstatistiken vorlagen, wurden zum Teil deutlich nach unten korrigiert. Für das Krisenjahr 2009 ergab sich dagegen eine günstigere Entwicklung als bisher veröffentlicht (siehe Pressemitteilung vom 13. August 2010 - 284/10). Die vergleichsweise großen Korrekturen hängen mit der in der jüngsten Vergangenheit stark schwankenden Konjunktur zusammen, was die Schätzungen am aktuellen Rand erschwert.

Diese laufenden Revisionen werden routinemäßig durchgeführt, um neu verfügbare statistische Informationen in die Berechnungen einzubeziehen. Die Berechnung des BIP wird damit sukzessive auf eine statistisch immer besser fundierte Datenbasis gestellt. Die für eine "finale" Berechnung der Ergebnisse der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) notwendigen Basisstatistiken liegen vollständig spätestens nach vier Jahren vor, so dass erst dann die Ergebnisse endgültig sind und nicht mehr regelmäßig revidiert werden müssen.

Ergebnisse der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen können im Internet (http://www.destatis.de) abgerufen werden. Außerdem werden in der Fachserie 18 "Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen", Reihe 1.2 "Vierteljahresergebnisse" (Bestellnummer 2180120) sowie Reihe 1.3 "Saisonbereinigte Vierteljahresergebnisse nach Census X-12-ARIMA und BV 4.1" (Bestellnummer 2180130) tiefer gegliederte Ergebnisse zur Verfügung gestellt. Diese und weitere Veröffentlichungen sind online im Publikationsservice des Statistischen Bundesamtes unter http://www.destatis.de/publikationen kostenfrei erhältlich. Einen ausführlichen Qualitätsbericht für die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen finden Sie ebenfalls kostenfrei im Internet unter http://www.destatis.de --> Publikationen --> Qualitätsberichte --> Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen.

Eine methodische Kurzbeschreibung bietet die Online-Fassung dieser Pressemitteilung unter www.destatis.de.

Weitere Auskünfte gibt:

VGR-Infoteam,
Telefon: (0611) 75-2626,
E-Mail: bip-info@destatis.de

| Statistisches Bundesamt
Weitere Informationen:
http://www.destatis.de

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