Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ausführliche Ergebnisse zur Wirtschaftsleistung im 2. Quartal 2009

25.08.2009
Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) bereits in seiner Schnellmeldung vom 13. August 2009 mitgeteilt hat, war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) - preis-, saison- und kalenderbereinigt - im zweiten Quartal 2009 um 0,3% höher als in den ersten drei Monaten des Jahres.

Die deutsche Wirtschaft ist damit erstmals wieder leicht gewachsen, nachdem sie zuvor vier Quartale in Folge eine gegenüber dem jeweiligen Vorquartal rückläufige Entwicklung verzeichnet hatte.

Bruttoinlandsprodukt, preisbereinigt, verkettet (saison- und kalenderbereinigte Werte nach Census X-12-ARIMA) Veränderung gegenüber dem Vorquartal:

2007 2008 2009
3.Vj 4.Vj 1.Vj 2.Vj 3.Vj 4.Vj 1.Vj 2.Vj
0,8% 0,1% 1,6% - 0,6% - 0,3% - 2,4% - 3,5% 0,3%
Gestützt wurde die Wirtschaftsentwicklung im zweiten Quartal 2009 von den privaten und staatlichen Konsumausgaben, die um 0,7% beziehungsweise 0,4% höher waren als im ersten Quartal. Positive Impulse kamen zudem von den Bauinvestitionen, die um 1,4% gestiegen sind. Dabei muss allerdings berücksichtigt werden, dass die Bautätigkeit im ersten Quartal durch den vergleichsweise strengen Winter beeinträchtigt war. Die Ausrüstungsinvestitionen haben sich nach einem scharfen Einbruch im ersten Vierteljahr 2009 (- 18,5% gegenüber dem vierten Quartal 2008) nur noch geringfügig verändert (- 0,5%) und sich auf einem niedrigen Niveau stabilisiert. Gebremst wurde die wirtschaftliche Entwicklung von einem massiven Abbau der Lagerbestände (Wachstumsbeitrag: - 1,9 Prozentpunkte). Sowohl die Exporte als auch die Importe waren zwischen April und Juni 2009 niedriger als im ersten Quartal. Da die preisbereinigten Importe mit - 5,1% aber erheblich stärker zurückgegangen sind als die Exporte (- 1,2%), trug der daraus resultierende Exportüberschuss (Außenbeitrag) mit 1,6 Prozentpunkten zum BIP-Wachstum bei.

Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf den Vorjahresvergleich:

Anders als im Vorquartalsvergleich ist das preisbereinigte BIP im Vorjahresvergleich deutlich gesunken: es war im zweiten Quartal 2009 um 7,1% niedriger als im gleichen Quartal des Vorjahres. Das war der stärkste Rückgang gegenüber einem Vorjahresquartal seit dem Vorliegen vierteljährlicher BIP-Zahlen ab dem Jahr 1970. Kalenderbereinigt schrumpfte das BIP um 5,9%, weil im Berichtsquartal drei Arbeitstage weniger zur Verfügung standen als im zweiten Vierteljahr 2008.

Bruttoinlandsprodukt, preisbereinigt, verkettet (Ursprungswerte)
Veränderung gegenüber dem Vorjahr:

2007 2008 2009
3.Vj 4.Vj 1.Vj 2.Vj 3.Vj 4.Vj 1.Vj 2.Vj
2,4% 1,5% 2,1% 3,4% 1,4% - 1,7% - 6,4% - 7,1%
Die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal 2009 wurde von rund 40,2 Millionen Erwerbstätigen erbracht, das waren 25 000 Personen oder 0,1% weniger als ein Jahr zuvor.
Die gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivität, gemessen als preisbereinigtes Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigen, ist im zweiten Quartal 2009 um 7,1% gesunken. Der deutliche Rückgang resultiert daraus, dass die schwierige wirtschaftliche Lage in Deutschland im Berichtsquartal nur begrenzte Auswirkungen auf die Zahl der erwerbstätigen Personen hatte, weil insbesondere die Kurzarbeit erheblich ausgeweitet wurde. Die gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivität je Erwerbstätigenstunde ist mit - 2,4% nicht so stark zurückgegangen wie die Arbeitsproduktivität je Erwerbstätigen.

Das liegt neben der vermehrten Inanspruchnahme konjunktureller Kurzarbeit und einem Arbeitstageeffekt - von April bis Juni 2009 standen drei Arbeitstage weniger zur Verfügung als im entsprechenden Zeitraum des Vorjahres - auch an dem Abbau von Überstunden und dem Abschmelzen von Arbeitszeitkonten.

Abgesehen von den öffentlichen und privaten Dienstleistern war die von den einzelnen Wirtschaftsbereichen im zweiten Vierteljahr 2009 erbrachte Leistung zum Teil deutlich geringer als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Einen starken Einbruch verzeichnete insbesondere das Produzierende Gewerbe (ohne Baugewerbe), dessen preisbereinigte Bruttowertschöpfung um 23,6% niedriger war als im zweiten Quartal 2008. Die Bruttowertschöpfung des Baugewerbes ging um 2,9% zurück. Die im Bereich Handel, Gastgewerbe und Verkehr erbrachte Wirtschaftsleistung war um 6,9% niedriger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, die des Bereichs Finanzierung, Vermietung und Unternehmensdienstleister um 1,8%. Die Bruttowertschöpfung der Land- und Forstwirtschaft, Fischerei ist geringfügig gesunken (- 0,8%), während die öffentlichen und privaten Dienstleister als einziger Bereich ein leichtes Wachstum erzielten (+ 0,3%). Die preisbereinigte Bruttowertschöpfung aller Wirtschaftsbereiche war um 8,0% niedriger als im zweiten Quartal 2008. Zu berücksichtigen ist, dass diese Zahlen den bereits erwähnten Arbeitstageeffekt enthalten.

Auf der Verwendungsseite des Bruttoinlandsprodukts bremsten sowohl die inländische Verwendung als auch der Außenbeitrag die wirtschaftliche Entwicklung. Die inländische Verwendung, die sich aus den Konsumausgaben und den Bruttoinvestitionen zusammensetzt, war um 2,5% niedriger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Dieser Rückgang ist auf die Entwicklung der Bruttoinvestitionen zurückzuführen, die um 16,0% unter dem Wert des entsprechenden Vorjahreszeitraums lagen. Einen massiven Einbruch verzeichneten die realen Ausrüstungsinvestitionen. Die Unternehmen investierten in Maschinen, Geräte und Fahrzeuge 23,4% weniger als im zweiten Quartal 2008. Die Bauinvestitionen gingen in einem schwierigen konjunkturellen Umfeld lediglich um 2,9% zurück. Dabei verringerten sich die Wohnungsbauinvestitionen etwas stärker (- 3,4%) als die Investitionen in Nichtwohnbauten, die um 2,2% unter dem entsprechenden Wert des Vorjahres lagen. Negative Impulse kamen zudem von einem kräftigen Abbau der Lagerbestände (negativer Wachstumsbeitrag: - 0,9 Prozentpunkte). Im Gegensatz zu den Bruttoinvestitionen trugen die Konsumausgaben positiv zur Wirtschaftsentwicklung bei (+ 0,9%). Die Konsumausgaben des Staates waren um 2,3%, die privaten Konsumausgaben um 0,5% höher als im zweiten Quartal 2008. Die positive Entwicklung der (preisbereinigten) privaten Konsumausgaben ist maßgeblich auf vermehrte Kraftfahrzeugkäufe privater Haushalte in Folge der so genannten Abwrackprämie zurückzuführen. Die preisbereinigten Ausgaben für Verkehr und Nachrichtenübermittlung - diesem Verwendungszweck werden auch die privaten Kraftfahrzeugkäufe zugeordnet - waren um 6,0% höher als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das war - abgesehen von einem durch die Umsatzsteuererhöhung induzierten Anstieg im vierten Quartal 2006 - der größte Zuwachs seit dem vierten Quartal 2004. Leicht zugenommen haben die Ausgaben für Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren (+ 1,3%) sowie die Ausgaben für übrige Verwendungszwecke (+ 0,9%), denen beispielsweise Ausgaben für die Gesundheits- und die Körperpflege zugeordnet werden. Für alle anderen Verwendungszwecke waren die realen Ausgaben rückläufig. Vor allem für Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen gaben die privaten Haushalte deutlich weniger aus als im gleichen Quartal des Vorjahres (- 3,5%).

Die globale Wirtschaftskrise hat auch im zweiten Quartal 2009 zu einem massiven Einbruch der ausländischen Nachfrage nach deutschen Waren und Dienstleistungen geführt, so dass die deutschen Exporte um 20,5% niedriger waren als ein Jahr zuvor. Der Rückgang war damit noch etwas stärker als in den ersten drei Monaten dieses Jahres, in denen die Exporte im Vorjahresvergleich um 17,2% zurückgegangen waren. Auch die Importe verzeichneten eine rückläufige Entwicklung. Sie war mit - 12,5% aber weniger stark als die negative Veränderung der Exporte, so dass der Außenbeitrag - anders als im Vorquartalsvergleich - die Wirtschaftsentwicklung erheblich belastet hat (Wachstumsbeitrag: - 4,8 Prozentpunkte).

In jeweiligen Preisen gerechnet war das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Vierteljahr 2009 um 5,9% und das Bruttonationaleinkommen um 5,5% niedriger als ein Jahr zuvor. Das Volkseinkommen, das sich aus dem Arbeitnehmerentgelt und den Unternehmens- und Vermögenseinkommen zusammensetzt, ist um 7,4% gesunken. Während das Arbeitnehmerentgelt fast unverändert geblieben ist (- 0,1%), waren die Unternehmens- und Vermögenseinkommen um 20,7% niedriger als im zweiten Quartal 2008.

Das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte hat sich nur geringfügig um - 0,1% geändert. Bei einem leichten Anstieg der nominalen Konsumausgaben um 0,2%, errechnet sich für die Sparquote der privaten Haushalte ein Wert von 10,5%, das waren 0,2 Prozentpunkte weniger als im zweiten Quartal 2008.

Neben der Erstberechnung des zweiten Quartals 2009 wurden - wie jedes Jahr im August - auch die bisher veröffentlichten Ergebnisse der letzten vier Jahre (ab 2005) überarbeitet. Solche laufenden Revisionen werden routinemäßig durchgeführt, um neu verfügbare statistische Informationen in die Berechungen einzubeziehen.

Die regelmäßige Überarbeitung der Ergebnisse liegt in der Natur der in den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen angewandten Rechenverfahren: Um möglichst frühzeitig aktuelle Zahlen veröffentlichen zu können, basieren die Ergebnisse zunächst auf einer noch unvollständigen Datengrundlage und werden zum Teil anhand von kurzfristigen Indikatoren geschätzt. Diese ersten, vorläufigen Ergebnisse werden bei den nachfolgenden Rechenterminen überarbeitet und sukzessive auf eine statistisch immer besser fundierte Datenbasis gestellt. Als "endgültig" - vorbehaltlich so genannter großer, konzeptbedingter Revisionen - gelten VGR-Daten nach rund vier Jahren, wenn nahezu alle notwendigen Basisstatistiken vorliegen, wobei allerdings die wichtigsten Änderungen wesentlich früher eingearbeitet werden.

Die im August 2009 durchgeführten Neuberechnungen ergaben Veränderungsraten des jährlichen und vierteljährlichen BIP (Ursprungswerte), die um bis zu 0,3 Prozentpunkte von den bisher veröffentlichten Ergebnissen abweichen.

Diese und weitere Ergebnisse der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen können im Internet (http://www.destatis.de) abgerufen werden. Außerdem werden in der Fachserie 18 "Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen", Reihe 1.2 "Vierteljahresergebnisse" (Bestellnummer 2180120) sowie Reihe 1.3 "Saisonbereinigte Vierteljahresergebnisse nach Census X-12-ARIMA und BV 4.1" (Bestellnummer 2180130) tiefer gegliederte Ergebnisse veröffentlicht. Diese Veröffentlichungen sind online im Publikationsservice des Statistischen Bundesamtes unter http://www.destatis.de /publikationen kostenfrei erhältlich. Einen ausführlichen Qualitätsbericht für die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen finden Sie ebenfalls kostenfrei im Internet unter http://www.destatis.de --> Publikationen --> Qualitätsberichte --> Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen.

Eine methodische Kurzbeschreibung bietet die Online-Fassung dieser Pressemitteilung unter www.destatis.de.

Weitere Auskünfte gibt:
VGR-Infoteam,
Telefon: (0611) 75-2626,
E-Mail: bip-info@destatis.de

| Statistisches Bundesamt
Weitere Informationen:
http://www.destatis.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Statistiken:

nachricht Frauenanteil in Professorenschaft 2015 auf 23 % gestiegen
14.07.2016 | Statistisches Bundesamt

nachricht Mehr Habilitationen von Frauen im Jahr 2015
28.06.2016 | Statistisches Bundesamt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Statistiken >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte