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Wenn der Fisch an Land geht

27.05.2009 - 27.05.2009
Zweitägiger Aquakultur-Workshop der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes (HTW) bringt über 20 Experten der Aquakultur und der Bioverfahrens- und Prozesstechnik zusammen. Mit modernster Kreislauftechnologie sollen Seefische erstmals im Binnenland produziert werden - nachhaltig, ressourcenschonend und umweltfreundlich.

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Professor Dr. Uwe Waller, seit April 2009 für den neuen Bereich Aquakultur mit Schwerpunkt verfahrenstechnischer Kreislaufprozesse an der HTW berufen, hat zu diesem Workshop eingeladen. Seiner Einladung waren Referenten aus Vietnam, Belgien und Deutschland gefolgt. Insgesamt besuchten 80 Personen die Veranstaltung, die als Plattform für einen Austausch der Experten diente.


Die ersten beiden Vorträge hielten zwei absolute Autoritäten im Bereich der Aquakultur: Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Harald Rosenthal, Vorsitzender der "Weltgesellschaft zum Schutz der Störe" und ehemaliger Dozent an der Uni Kiel sowie Prof. Dr. Patrick Sorgeloos, Dozent an der Ghent University in Belgien und Direktor des "Laboratory of Aquaculture & Artemia Reference Center".

Das Saarland als modernen innovativen Standort für die Aquakulturforschung bekannt zu machen, war das Ziel, das Waller mit diesem Workshop verknüpft hat. "Das ist uns gelungen" fasst Waller die Ergebnisse des Workshops zusammen. "Wir hatten zwei interessante Arbeitstage und einen fruchtbaren Austausch mit den Kollegen von Forschungsinstituten und Unternehmen. Der Workshop konnte wichtige Impulse sowohl für die Forschung und Entwicklung als auch für die Umsetzung in der Praxis geben."

Die HTW war gut vorbereitet und hat bereits im Vorfeld Schwerpunkte für die eigene Arbeit im Gebiet kreislaufgeführter Verfahren gesetzt. So diente der Workshop auch dazu, diese Potentiale zu präsentieren. An der HTW waren die Prozesstechniker überrascht, wie viel sie von ihrem Wissensgebiet in die Aquakultur einbringen können. Der Forschungsstandort punktete mit einer intelligenten Verknüpfung von Wissens- und Forschungsbereichen bei den Teilnehmern. Der Standort wird noch dieses Jahr durch eine Forschungshalle ergänzt, die direkt neben der ersten großen kreislaufgeführten Aquakulturanlage in Völklingen, im Binnenland errichtet wird.

Diskutiert wurden die Herausforderungen, der Nutzen sowie die Risiken der Aquakultur. Die Schlagzeilen über Fangquotenregelungen, etc. nehmen in den letzten Jahren zu. Viele Arten sind überfischt, so dass in den letzten Jahrzehnten der Anteil der in Aquakultur produzierten Fisch-, Weich- und Krustentiere weltweit auf 65% angestiegen ist. Aquakultur ist also nichts Neues. Nur die Folgen der Aquakultur für Mensch um Umwelt rücken in den Blickwinkel der Öffentlichkeit. Die heute üblichen Methoden sind ökologisch nicht nachhaltig, der massive Einsatz von Antibiotika hat für Mensch und Umwelt nicht kalkulierbare Risiken. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Rosenthal im Rahmen des Workshops forderte, nicht die Krankheiten der Fische durch Zugabe von Medikamenten zu kurieren, sondern mit Hilfe der Forschung Konzepte zu entwickeln, die Krankheiten gar nicht erst entstehen lassen. Ganz nach dem Motto: ein glücklicher Fisch ist ein gesunder Fisch. So einfach diese Idee ist, so schwierig ist sie umzusetzen. Aber sie verdeutlicht, wie wichtig es ist, dass die Forschung sich dieses Themas annimmt.

Sorgeloos verdeutlichte in seinem Eröffnungsvortrag die Bedeutung der Aquakultur. Mehr als die Hälfte der Fischbestände werden bereits heute bis an ihre Grenzen ausgebeutet. Ein Drittel der Bestände befindet sich in bedenklichem Zustand. Mittlerweile werden in Aquakultur Fische für die Auswilderung und Wiederansiedlung von Fischbeständen gezüchtet. Das Wachstum der Menschheit und der steigende Bedarf an Fischen und Krustentieren, so prognostiziert Sorgeloos, wird die Branche Aquakultur um 50% wachsen lassen. Umso wichtiger ist es, die Wachstumsbranche Aquakultur im Einklang mit Mensch und Natur weiterzuentwickeln.

Denkt man dieses Bild konsequent weiter, so wird deutlich, dass die für die Welternährung positive Entwicklung der Aquakultur an einen zunehmenden Ressourcenverbrauch gekoppelt ist. Dabei geht es nicht nur um den Verbrauch von Fischereiressourcen für die Produktion von Futtermitteln, sondern auch um Wasserverbrauch, Landnutzung und Energieverbrauch. Hier können neue Biotechnologien helfen, wenn sie an ein verantwortliches Management gekoppelt sind. Dieses Gebiet wurde in mehreren Vorträgen thematisiert. Die Fakultät für Ingenieurwissenschaften der HTW sieht hier ein prosperierendes Arbeitsfeld.

Aquakultur wird sich, so ist Waller überzeugt, im 21. Jahrhundert vom wenig technisierten, landwirtschaftlichen Verfahren zu einer modernen Biotechnologie entwickeln, die Ressourcen schonend und umweltkompatibel einen Beitrag zur Proteinversorgung der Weltbevölkerung leistet. Eine moderne Aquakulturanlage, die diesen Anforderungen genügt, wird jetzt im Saarland, basierend auf innovativer Biotechnologie, errichtet. Sie ist weltweit die erste Kreislaufanlage, die in unmittelbarer Nähe zu Ballungsgebieten im Binnenland Seefisch produzieren wird, einen äußerst geringen Wasserbedarf hat und für das Stoff- und Energierecycling ausgelegt ist.

Die HTW wird sich im Studien- und Forschungsbereich Aquakultur speziell mit den Bio- und Umwelttechnologien von Kreislaufanlagen befassen. Die Forschungshalle, die modernste in Deutschland, wird nationalen wie internationalen Wissenschaftlern als Ort zur Weiterentwicklung dieser neuen Biotechnologie dienen.

Dass der Workshop zweifelsfrei ein Erfolg war, bestätigten die Teilnehmer, die in den zwei Tagen viel über die Problematik, aber insbesondere auch über Lösungswege erfahren und diskutiert haben. Sorgeloos fasste zusammen, dass gerade die enge Zusammenarbeit von Ingenieurwissenschaften und Biologie im Saarland das herausragende Merkmal sei und nur auf diesem Wege Erfolge zu erwarten seien. Die Aquakultur müsse sich zu einer wissensbasierten Biotechnologie entwickeln, die wirtschaftlich umsetzbar sei und dem Umwelt- und dem Ressourcenschutz gerecht werde, betonte er.

Katja Jung | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.htw-saarland.de/

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