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Zwischen Chemie und Kunst, zwischen Freiheit und Verantwortung

15.04.2011
Cheesefondue-Workshop mit Nobelpreisträger Professor Roald Hoffmann

Ein besonderer Mensch, ein außergewöhnlicher Wissenschaftler: Professor Roald Hoffmann, Chemiker an der Cornell University im US-Bundesstaat New York und Nobelpreisträger im Fach Chemie des Jahres 1981, besucht im Mai die Universität Bayreuth. Hoffmann ist Forschern nicht nur wegen seines Fachwissens ein Vorbild. Was ihn nicht minder auszeichnet, ist sein Engagement für die Einhaltung ethischer Grundsätze in der Wissenschaft.


Professor Roald Hoffmann, Nobelpreisträger und Chemiker an der Cornell University

An der Universität Bayreuth wird Professor Roald Hoffmann (Foto) den von Professor Heinz Hoffmann ins Leben gerufenen Otto-Warburg-Preis entgegennehmen und in seiner Festvorlesung ganz sicher nicht ausschließlich über Chemie sprechen. Sein Thema ist immer auch die Verantwortung des Forschers für sein Tun: Beim Weltkongress der Internationalen Chemikervereinigung IUPAC im August 2007 in Turin nutzte er die ihm gestellte Aufgabe, einen der Hauptvorträge zu halten, für einen eindringlichen Appell: „Egal ob man ein Gewehr macht oder ein Molekül, ein Gemälde oder ein Gedicht, man sollte immer fragen: Könnte ich damit jemandem Schaden zufügen?“

Zusätzlich zu seinem Vortrag über „Ethik in der Wissenschaft“ ließ er damals ein von ihm geschriebenes Theaterstück mit dem Titel „Should’ve“ („Hätte man bloß!“) aufführen. Darin diskutiert eine zerstrittene Familie den Selbstmord des toten Familienoberhauptes, der als Chemiker ein tödliches Nervengift entwickelt hat, das in die Hände von Kriminellen gelangt ist. In 26 kurzen Szenen behandelt der Chemiker und Autor Hoffmann eine Vielzahl von Aspekten der Verantwortung des Wissenschaftlers: vom Priester bis Hitler, vom Holocaust bis zur Unvereinbarkeit von Forscher- und Familienleben.

Dieses Theaterstück wird in einer szenischen Lesung als deutsche Ur-Aufführung während Roald Hoffmanns Bayreuth-Aufenthalt in neuer Form zu sehen sein. Am Freitag, 6. Mai , wird es im Rahmen eines Cheesefondue Workshops, den Professor Dr. Hartmut Frank von der Universität Bayreuth organisiert, ab 19 Uhr im Kleinen Haus der Stadthalle als szenische Lesung aufgeführt. Einen besseren Partner als Roald Hoffmann hätte sich Hartmut Frank für die fünfte Auflage seines Cheesefondue-Workshops kaum wünschen können: „Wir verfolgen in unseren Workshops einen breiten Ansatz, der speziell die ethische Verantwortung des Forschers einbezieht“, so der Emeritus der Universität Bayreuth. „Entscheidungen basieren nun mal nicht nur auf Technik, sie haben auch eine ethische Dimension.“ Vor 20 Jahren trafen sich Frank und Hoffmann zum ersten Mal – was sie verbindet ist die Einsicht, dass Freiheit und Verantwortung untrennbar zusammengehören.

Mehr noch werden die Tage im Mai zwischen Chemie und Kunst, zwischen Forschung und Verantwortung zu bieten haben. Der Journalist, Filmemacher und Publizist Albrecht Heise wird am Samstag, 7. Mai, zu einer Vortrags- und Filmveranstaltung mit dem Titel „Crime pays – 500 Jahre Tatort Afrika“ erwartet. Der Freiburger Autor ist bekannt für seine eher kritische Haltung gegenüber der Entwicklungshilfe und für sein Bekenntnis zur Verantwortung.

Die Organisatoren des Cheesefondue-Workshops erhoffen sich auch vom Treffen von Roald Hoffmann mit Senouvo Agbota Zinsou neue Impulse. Der togoische Autor, seit 1993 als politischer Flüchtling in Bayreuth, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Leiter des Internationalen Ateliertheaters der Universität Bayreuth. Er studierte Literatur- und Theaterwissenschaften in Lomé, Paris und Bordeaux und leitete von 1978 bis 1993 das togoische Theaterensemble. Dabei zeigte er sich als scharfer Kritiker des damaligen Präsidenten Eyadema und musste daher 1993 das Land verlassen. Zu seinen Werken gehört unter anderem das Stück „Die siebte Königin“, das am Samstag, 7. Mai, seine Premiere haben wird.

Bliebe noch die Frage, warum Professor Frank seine Veranstaltungen ausgerechnet Cheesefondue-Workshops nennt. „Weltethik ist ein großes Wort, es klingt zu moralistisch. Da ist Cheesefondue leichter verdaulich und es ist doch ein schönes Symbol.“

Programm-Tipps:
„Wissenschaft und Geist – Verantwortung zur Freiheit“. Unter diesem Motto steht der Cheesefondue-Workshop, der vom 5. bis 8. Mai an der Universität Bayreuth stattfindet. Zu den öffentlichen Programmteilen gehören diese Veranstaltungen:

Donnerstag, 5. Mai, 17 Uhr, im Hörsaal 14 des Gebäudes Naturwissenschaften I: Professor Roald Hoffmann erhält den Otto-Warburg-Preis 2011. Ein Empfang des Oberbürgermeisters schließt sich an.

Freitag, 6. Mai, 19 Uhr im Kleinen Haus der Stadthalle: Deutsche Uraufführung des Stücks „Hätte man bloß…“ in szenischer Lesung. Autor ist Roald Hoffmann, Regie führte Isabella Gregor, Wien.

Samstag, 7. Mai, 15 Uhr im Hörsaal 8 des Gebäudes Geowissenschaften: „Wer stützt, wer stürzt Afrikas Autokraten? Crime Pays – 500 Jahre Tatort Afrika“. Diese Vortrags- und Filmveranstaltung gestaltet der Freiburger Autor Albrecht Heise.

Samstag, 7. Mai, 19 Uhr, Hörsaal 1 im Gebäude am Geschwister-Scholl-Platz: „Die siebte Königin“ – ein Stück von Senouvo Agbota Zinsou in gemeinsamer Bearbeitung mit Roald Hoffmann.

Kontakt:
Pressestelle der Universität Bayreuth
Frank Schmälzle
Universitätsstr. 30
95447 Bayreuth
Tel. 0921 / 55-5323
Fax 0921 / 55-5325
E-mail: pressestelle@uni-bayreuth.de

Frank Schmälzle | Universität Bayreuth
Weitere Informationen:
http://www.uni-bayreuth.de

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