Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weniger illegales Holz in Deutschland?

21.03.2014

Unternehmen, Wissenschaftler und Behördenvertreter zogen nach einem Jahr EU-Holzhandelsverordnung erste Bilanz

Seit einem Jahr gilt in der Europäischen Union die EU-Holzhandelsverordnung, die die Einfuhr und den Handel von illegal eingeschlagenem Holz verbietet. Aus diesem Anlass fand am 18./19. März 2014 im Thünen-Kompetenzzentrum Holzherkünfte in Hamburg ein Workshop statt, bei dem die Frage im Raum stand, ob sich nach einem Jahr schon Veränderungen am Markt abzeichnen.

Vertreter wichtiger Holzhandelsunternehmen, der Wissenschaft, der zuständigen Behörden, Zertifizierungsorganisationen sowie der Umweltverbände nutzten die Möglichkeit zum Austausch ihrer Erfahrungen in der praktischen Umsetzung und Kontrolle und diskutierten die Auswirkungen der neuen Verordnung.

Importeure, Holzhändler, aber auch Baumärkte und Discounter seien zunehmend sensibilisiert für das Problem des illegalen Holzeinschlags, vor allem im Bereich Tropenholz, berichtete Dr. Gerald Koch vom Thünen-Institut für Holzforschung. So hätte sein Team im vergangenen Jahr deutlich mehr Einsendungen von Holzmustern bekommen mit der Bitte, die Holzart zu bestimmen.

„Im Zuge der Globalisierung werden viele Holzprodukte in Südostasien gefertigt. Unternehmen wollen wissen, ob ihre im Ausland bestellten Gartenmöbel, Spielzeuge oder Musikinstrumente aus unkritischen Hölzern hergestellt wurden, um später unliebsame Überraschungen zu vermeiden“, so Koch.

Sein Kollege Dr. Bernd Degen vom Thünen-Institut für Forstgenetik bestätigte, auch in seinem Institut hätte sich die Nachfrage nach genetischen Untersuchungen sprunghaft erhöht, mit denen sich die Herkunft bestimmter Hölzer nachweisen lässt. Durch die dynamische Entwicklung in der Molekularbiologie würden solche Laboruntersuchungen immer kostengünstiger und schneller durchführbar sein.

Prüfungen, ob die Bestimmungen der neuen Verordnung von den Markteilnehmern auch eingehalten werden, obliegen der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Deren Vertreter Jörg Appel berichtete von ersten Erfahrungen: In den Monaten März bis Dezember 2013 hätten die Inspekteure der BLE rund 150 Prüfungen vorgenommen.

Bei 25 Prüfungen zeigten sich Verstöße, vor allem bei der Beachtung der Sorgfaltspflichten. Offenbar noch nicht hinreichend bekannt ist auch, dass alle deutschen Marktteilnehmer, die Holz in die EU importieren, sich bei der BLE anmelden müssen. Die Behörde räumt den Unternehmen noch Zeit bis zum 31. März ein, dies nachzuholen.

Inwiefern Zertifizierungsorganisationen die beteiligten Unternehmen dabei unterstützen können, ihren Sorgfaltspflichten nachzukommen und geeignete Systeme zur Risikoerkennung und -minimierung aufzubauen, wurde intensiv diskutiert. Ein weiterer wichtiger Diskussionspunkt war der bislang noch sehr ungleichmäßige Stand der Umsetzung der Holzhandelsverordnung innerhalb der einzelnen EU-Mitgliedstaaten.

Während Deutschland hier eine Vorreiterrolle einnimmt und auch einige EU-Staaten die Expertise des Thünen-Kompetenzzentrums in Sachen Holzartenbestimmung und Herkunftskontrolle in Anspruch nehmen, hat sich in verschiedenen anderen Staaten noch so gut wie nichts getan. Vertreter der Holzhandelsunternehmen sahen hier mögliche Wettbewerbsverzerrungen zulasten der Firmen, die sich mit erheblichem Aufwand um die Einhaltung der Bestimmungen bemühen. Im Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) wird dieses Defizit gesehen; bei den Gesprächen auf europäischer Ebene wird auf eine gleichmäßige Anwendung der Regularien gedrängt werden.

Die rund 130 Teilnehmer des Workshops begrüßten die Möglichkeit, sich in diesem Rahmen austauschen zu können. Sie werteten die Holzhandelsverordnung als einen wichtigen Schritt, illegalen Holzeinschlag zurückzudrängen und damit gleichzeitig die öffentliche Akzeptanz des Werkstoffs Holz als nachwachsendem Rohstoff zu verbessern.

Weitere Informationen:

http://www.ti.bund.de/holzherkuenfte - Weiterführende Informationen

Dr. Michael Welling | Thünen-Institut

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Seminare Workshops >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

Tag der Seltenen Erkrankungen – Deutsche Leberstiftung informiert über seltene Lebererkrankungen

21.02.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Kameratechnologie in Fahrzeugen: Bilddaten latenzarm komprimiert

21.02.2018 | Messenachrichten

Mit grüner Chemie gegen Malaria

21.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Periimplantitis: BMBF fördert zahnärztliches Verbund-Projekt mit 1,1 Millionen Euro

21.02.2018 | Förderungen Preise

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics