Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Therapieansätze mit Stammzellen aus Nabelschnurblut

16.10.2008
"Nabelschnurblut ist meine bevorzugte Stammzellquelle"

Mediziner aus Deutschland und USA diskutieren in Heidelberg über Therapieansätze mit Stammzellen aus Nabelschnurblut

Nabelschnurblut wird Knochenmark in wenigen Jahren als Primärquelle für Stammzellen ablösen. Diese Ansicht vertrat Prof. Dr. Joanne Kurtzberg, eine der führenden Stammzelltransplanteure in den USA, auf einem gemeinsamen Workshop am 26. September 2008 der Deutschen Gesellschaft für Regenerative Medizin (GRM) und des Universitätsklinikums Heidelberg. Der Workshop "Sources for Stem Cell Transplantations: Think across borders" unter der Schirmherrschaft von Prof. Dr. Anthony Ho, Ärztlicher Direktor der Klinik für Hämatologie, Onkologie und Rheumatologie des Universitätsklinikums Heidelberg, widmete sich insbesondere dem Potenzial von adulten Stammzellen.

Beeindruckende Behandlungserfolge stellte insbesondere Prof. Kurtzberg vor. Sie leitet als Ärztliche Direktorin das pädiatrische Blut- und Knochenmarktransplantationsprogramm des Duke University Medical Center in Durham, USA. Kurtzberg, die auf eine 15-jährige Erfahrung in der Transplantation von Nabelschnurblut zurückblickt, hat nach eigenen Angaben bereits deutlich über 500 Patienten auf diese Art behandelt. Sie stellte unter anderem ihren ersten Patienten vor: Der heute 20-Jährige hatte als Kind eine Hochdosistherapie mit anschließender Infusion von gespendetem Nabelschnurblut erhalten, weil er an der der Sandhoff-Erkrankung litt. Diese lysosomale Speicherkrankheit mit zentralnervöser Neurodegeneration führt bei den betroffenen Kindern noch vor dem zehnten Lebensjahr zum Tode.

Seither wurden von Kurtzbergs Team bereits 220 Patienten mit verschiedenen Erbkrankheiten, darunter Morbus Krabbe, Adrenoleukodystrophie sowie Morbus Hunter, mit gespendetem Nabelschnurblut behandelt. Kurtzberg berichtete darüber hinaus über 60 Patienten, bei denen die eigenen Nabelschnurblut-Stammzellen unter anderem zur Behandlung von zerebraler Lähmung verwendet wurden.

Für Kurtzberg ist Nabelschnurblut bereits heute die bevorzugte Stammzellquelle. Die wichtigsten Vorteile gegenüber Knochenmark-Stammzellen sind eine höhere Vitalität, die hohe Proliferationsfähigkeit sowie die sofortige Verfügbarkeit. Im Falle einer allogenen Transplantation ist zudem eine weniger ausgeprägte Graft-versus-Host-Reaktion zu beobachten, so dass die Überlebensraten im Vergleich zu Knochenmark wesentlich günstiger ausfallen. Dies gilt auch, wenn die Gewebemerkmale des Spenders nicht zu einhundert Prozent mit denen des Empfängers übereinstimmen. Letzteres ist insbesondere dann von Vorteil, wenn kein passender Knochenmark-Spender verfügbar ist, wie Professor Dr. Rupert Handgretinger, Ärztlicher Direktor, Department für Hämatologie/Onkologie und Allgemeine Pädiatrie der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin in Tübingen, ausführte.

Einig waren sich die Teilnehmer in dem therapeutischen Potenzial von adulten Stammzellen zur Behandlung geschädigter Zellverbände. Hier übertreffen die bisherigen Erfolge in vielen Fällen die Erwartungen, auch wenn noch nicht von einer breiten klinischen Anwendung gesprochen werden kann. In diesem Zusammenhang informierte Prof. Dr. Ezio Bonifacio vom DFG-Zentrum für Regenerative Therapien in Dresden über eine jetzt gestartete klinische Studie zur Therapie von Diabetes Typ 1 mit Stammzellen. Unter der Leitung des Instituts für Diabetesforschung in München sollen Patienten mit frisch manifestiertem jugendlichem Diabetes mit den eigenen Nabelschnurblut-Stammzellen behandelt werden. Zur Zeit läuft die Patientenrekrutierung. Voraussetzung für eine Teilnahme ist, dass das eigene Nabelschnurblut zur Geburt aufbewahrt wurde.

Eine ähnliche Studie in den USA hatte ergeben, dass die Stammzellen offenbar eine Erneuerung der vom Immunsystem attackierten Beta-Zellen des Pankreas bewirken, so Bonifazio. Zudem enthält Nabelschnurblut regulatorische T-Lymphozyten, die eine starke immun-modulatorische Wirkung besitzen und somit der weiteren Zerstörung der Insulin-produzierenden Zellen entgegenwirken können. In der Folge zeigten die behandelten Kinder und Jugendlichen über den Zeitraum von mehreren Jahren eine konstant bessere Blutzuckereinstellung und benötigten geringere Insulinmengen als in der Vergleichsgruppe ohne Stammzelltherapie. Ob durch eine solche Therapie auch eine Heilung von Typ-1-Diabetes möglich ist, wird nach Meinung von Bonifazio nicht zuletzt von einer frühzeitigen Gabe der Stammzellen abhängen. Empfehlenswert sei daher ein früh einsetzendes Screening von Risikokindern, um mit der Stammzelltherapie nicht warten zu müssen, bis der Diabetes infolge von Stoffwechselstörungen manifest wird.

Fazit der Veranstaltung: Obwohl Nabelschnurblut in Deutschland noch relativ selten Verwendung findet, stellt es eine bedeutende Quelle für adulte Stammzellen dar. Ziel muss es sein, bei einem möglichst hohen Anteil der Geburten die Stammzellen in öffentlichen oder privaten Blutbanken einlagern zu lassen und sie somit für eine spätere therapeutische Anwendung zu bewahren.

Workshop "Sources for Stem Cell Transplantations: Think Across Borders", Universitätsklinikum Heidelberg, 26.09.2008

Veranstalter:
Deutsche Gesellschaft für Regenerative Medizin e.V.

Ulrike Schwemmer | grm-aktuell
Weitere Informationen:
http://www.grm-aktuell.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Seminare Workshops:

nachricht Workshop Aufbau-und Verbindungstechnik, 18.10.2017 in Hannover
20.07.2017 | PhotonicNet GmbH Kompetenznetz Optische Technologien

nachricht Blick Richtung Zukunft: Optische Sensoren im Kfz!
06.07.2017 | Haus der Technik e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Seminare Workshops >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Im Focus: Das Proton präzise gewogen

Wie schwer ist ein Proton? Auf dem Weg zur möglichst exakten Kenntnis dieser fundamentalen Konstanten ist jetzt Wissenschaftlern aus Deutschland und Japan ein wichtiger Schritt gelungen. Mit Präzisionsmessungen an einem einzelnen Proton konnten sie nicht nur die Genauigkeit um einen Faktor drei verbessern, sondern auch den bisherigen Wert korrigieren.

Die Masse eines einzelnen Protons noch genauer zu bestimmen – das machen die Physiker um Klaus Blaum und Sven Sturm vom Max-Planck-Institut für Kernphysik in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

Technologietag der Fraunhofer-Allianz Big Data: Know-how für die Industrie 4.0

18.07.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - September 2017

17.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

1,4 Millionen Euro für Forschungsprojekte im Industrie 4.0-Kontext

20.07.2017 | Förderungen Preise

Von photonischen Nanoantennen zu besseren Spielekonsolen

20.07.2017 | Physik Astronomie

Bildgebung von entstehendem Narbengewebe

20.07.2017 | Biowissenschaften Chemie