Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Technisierte Medizin – Dehumanisierte Medizin?

01.12.2010
Angesichts einer demographischen Entwicklung, die durch die Überalterung der Gesellschaft, eine damit einhergehende Kostenexplosion und zunehmenden Fachkräftemangel gekennzeichnet ist, suchen Industrienationen in einer immer weitreichenderen Technisierung die Lösung für gesundheitspolitische Herausforderungen.

Viele Maßnahmen der Technisierung scheinen vor allem einer Maxime zu folgen: der Reduktion der menschlichen Betreuung. Die individuellen, gesellschaftlichen und ethischen Folgen dieser Entwicklung sollen im Mittelpunkt einer zweitägigen interdisziplinären Tagung stehen, wozu die folgenden Szenarien exemplarisch ausgewählt werden:

• Mobiler Datentransfer im Gesundheitswesen

Als zukunftsgerichtete Strategie für die Verkürzung der Wartezeiten für medizinische Behandlungen, ein höheres Niveau und geringere Kosten gilt der mobile Datentransfer im Gesundheitswesen. So verspricht der iPad zur Schlüsselstelle in der Krankenhauskommunikation zu werden. Kommunikationsdienste befördern ärztliche Überweisungen und Anfragen, Röntgenüberweisungen und -befunde, Laboranfragen und -ergebnisse sowie den Schriftwechsel mit Krankenversicherungen. Am Horizont steht zudem der aufgeklärte Patient als sein eigener Gesundheitsmanager, der örtlich unabhängig rund um die Uhr Gesundheitsinformationen abrufen kann. Tele-Monitoring wird mittlerweile in zahlreichen Versuchsprojekten zur gesundheitlichen Überwachung von Patienten gewisser Risikogruppen genutzt. Dabei erfasst der Patient mit Hilfe eines Gerätes in seinem Haushalt in regelmäßigen Abständen seine Vitaldaten und übermittelt diese über das Internet an seinen Arzt oder ein Krankenhaus. Hierdurch wird ein Großteil der persönlichen Konsultationen eingespart.

Als ökonomische Vorteile werden die Möglichkeit der Kostenreduktion durch einen gemeinsamen Leistungserbringer, Transparenz der Entgeltabrechnungsprogramme, beschleunigte Prozesse und reduzierte Verwaltungskosten genannt. Der Schutz von Patientendaten in der digitalen Welt zählt gleichzeitig zu den brisantesten ethischen Problemen, die sich in Sachen Gesundheit stellen. In diesem Zusammenhang sind die Fragen zentraler Speicherung von Gesundheitsdaten gesetzlich Versicherter wie auch das Festhalten stigmatisierender Erkrankungen auf einer elektronischen Gesundheitskarte zu thematisieren. Vor diesem Hintergrund sind der Verlust der persönlichen, unmittelbaren Arzt-Patient-Beziehung durch mobile Kommunikation und daraus resultierende Folgen und ethische Probleme für die Arzt-Patient-Beziehung zu erörtern.

• Robotik und Assistenzsysteme

In der Chirurgie werden Navigationssysteme und Roboter entwickelt, die präziser und schneller als die menschliche Hand arbeiten können. Gleichzeitig schwindet der persönliche Kontakt zwischen Arzt und Patient. Um einem künftigen Personalmangel in der Altenpflege und in der Betreuung Demenzkranker entgegenzuwirken, werden zudem vermehrt spezielle Roboter eingesetzt, die für das Pflegepersonal eine Entlastung darstellen können. Zukunftsprojektionen lassen die Zunahme des Einsatzes von Assistenzsystemen im Wohnbereich und im Alltagsleben von Senioren und körperlich eingeschränkten Menschen erwarten („Ambient Assisted Living“, AAL). Trägt die Fortentwicklung einer solchen Technologie dazu bei, dass zwischenmenschliche Kontakte abreißen und ältere Menschen mehr vereinsamen? Ist der sogenannte „AAL-Markt“ ein Markt wie jeder andere, oder existieren spezielle Bedingungen, weil AAL alternativ als medizinische Maßnahme, Gesundheitsförderung oder Enhancement anzusehen ist? Behindert eine geringere Technikerfahrung bei Senioren den Einsatz neuer Assistenzsysteme gerade bei einer Personengruppe, für die sie gedacht ist? Wie kann dann mit intuitiver Handhabbarkeit dagegen gesteuert werden?

Der zweitägige Workshop am 11. und 12. Februar 2011 in Aachen dient dazu, diese speziellen Innovationen auf ihre ethischen und ökonomischen, individuellen und gesellschaftlichen Auswirkungen hin zu untersuchen, die hierbei beteiligten Disziplinen in einen fruchtbaren Dialog zu bringen und zukunftsweisende interdisziplinäre Forschungsfragen zu identifizieren.

Interessenten, die sich mit einem Impulsreferat an der Veranstaltung beteiligen möchten, werden gebeten, sich mit einem einseitigen Abstract an Katsiaryna Laryionava (klaryionava@ukaachen.de) oder Christoph Schweikardt (cschweikardt@ukaachen.de) bis zum 14.12.2010 zu bewerben. Es wird erwartet, dass die Workshopteilnehmer während der gesamten Veranstaltung anwesend sind und alle Beiträge in geschlossener Experten-Runde diskutieren (Closed-Workshop). Reisekosten können übernommen werden. Eine Publikation der Workshop-Beiträge und Diskussionsergebnisse ist vorgesehen.

Thomas von Salzen | idw
Weitere Informationen:
http://www.rwth-aachen.de

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Seminare Workshops >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

Von Bitcoins bis zur Genomchirurgie

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Die Zukunft wird gedruckt

19.02.2018 | Architektur Bauwesen

Fraunhofer HHI präsentiert neueste VR- und 5G-Technologien auf dem Mobile World Congress

19.02.2018 | Messenachrichten

Stabile Gashydrate lösen Hangrutschung aus

19.02.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics