Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Woher stammt der Honig, von welcher Rinderrasse das Filet?

15.01.2009
Internationaler Workshop über Nachweismethoden zur geografischen und biologischen Herkunft von Lebensmitteln im BfR

Von welcher Rinderrasse stammt mein Filet? Woher kommt der Honig im Glas? Enthält das Futter Bestandteile gentechnisch veränderter Organismen?

Um solche Fragen zu beantworten, brauchen die Lebensmittelüberwachungsbehörden und die Industrie verlässliche Nachweismethoden für die geografische und biologische Herkunft von Lebensmitteln, die obendrein schnell und preiswert sein sollen.

Auf dem Workshop "Molecular Methods for Traceabiltity Purposes" am 18. und 19. Dezember 2008 stellten Fachleute aus 16 Ländern im Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin vor, welche molekularen Methoden heute schon alltagstauglich sind. Ferner zeigten sie, welche Entwicklungen in naher Zukunft die Arbeit der Überwachungsbehörden erleichtern sowie die Qualitätssicherung in der Lebensmittelherstellung verbessern können.

"Angesichts weltweit gehandelter Lebensmittel und dem zunehmenden Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen für Futter- und Lebensmittel sind der Herkunftsnachweis und die Bestimmung des geografischer Ursprungs eines Produktes eine Herausforderung für Industrie und Überwachungsbehörden", betonte BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. "Der Verbraucher soll sicher sein, dass drin ist, was draufsteht." Die Identifizierung der regionalen Herkunft mit naturwissenschaftlichen Methoden im Lebensmittel selbst dient aber nicht nur dem Schutz vor Täuschung, sondern auch der Lebensmittelsicherheit, vor allem wenn Kontaminationen von Lebensmitteln regional klar begrenzt sind.

Das Etikett und der Begleitschein zeigen zwar an, woher ein Produkt stammt. In Zweifelsfällen erscheint es jedoch sinnvoll, wenn man die Herkunft am Produkt selbst ablesen und nachweisen kann. Darüber hinaus schreckt eine sichere Nachweismethode vor Verfälschung ab und kann somit als Präventivmaßnahme angesehen werden.

Wissenschaftler der Abteilung Lebensmittelsicherheit am BfR haben im Rahmen des europäischen Forschungsprojektes zur Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln "Trace" gezeigt, dass die geografische Herkunft von Honig mit molekularbiologischen Methoden prinzipiell bestimmt werden kann. Ausgangspunkt ist dabei das Pollenprofil im Produkt. Denn die Zusammensetzung der Pollen aus der lokalen Flora, von deren Blüten die Bienen den Nektar sammeln, ist typisch für eine geografische Lage und schlägt sich im daraus gewonnenen Honig nieder. Zunächst bestimmten die BfR-Wissenschaftler das typische Pollenprofil der Flora auf Korsika mit molekularbiologischen Methoden und legten es als geografischen DNA-Fingerabdruck in einer Datenbank ab. Dann ermittelten sie den DNA-Fingerabdruck der Pollen aus verschiedenen Honigproben. Die Untersuchungen zeigten, dass man mit diesem Ansatz auf dem richtigen Weg ist, zuverlässig und schnell den geografischen Ursprung des Honigs nachweisen zu können.

Ähnliche Methoden wurden von spanischen Forschern für die Bestimmung der Herkunft von Thunfischstücken in der Dose entwickelt. Hier ging es darum, den teuren weißen Thunfisch mittels molekularbiologischen Techniken wie der polymerasen Kettenreaktion PCR vom preiswerteren Bonito zu unterscheiden. Doch die modernen molekularbiologischen Methoden können noch mehr. Italienischen Forschern gelang es, im Filet nachzuweisen, von welcher Rinderrasse es gewonnen wurde. Auch der Nachweis, ob das Bioprodukt tatsächlich aus ökologischem Anbau stammt oder nicht, wird schon bald auf diese Weise schnell und zuverlässig erbracht werden.

Im Workshop wurde festgestellt, dass der exakte Nachweis der Tierspezies in Proben aus Futtermitteln, die einen hohen Verarbeitungsgrad aufweisen (unter hohem Druck hocherhitzt hergestellt, fein zerkleinert etc.) ein Problem darstellt. Hier ist eine weitere Methodenentwicklung unter anderem auch durch das Nationale Referenzlabor für tierisches Protein in Futtermitteln am BfR erforderlich.

Neben der Entwicklung solcher molekularer Nachweismethoden verfolgt das Projekt "Trace" aber noch ein zweites Ziel. Parallel wird eine Datenbank aufgebaut, in der die molekularen Nachweisverfahren und Fingerabdrücke von Lebensmitteln sortiert nach geografischer und biologischer Herkunft abgelegt werden. Den Überwachungsbehörden und der Industrie soll sie später zur Verfügung stehen, wenn es um Fragen des Herkunftsnachweises und der Produktidentität geht. Das Europäische Forschungsprojekt, an dem 54 wissenschaftliche Einrichtungen und Firmen aus der EU beteiligt sind, endet 2009.

Jürgen Thier-Kundke | idw
Weitere Informationen:
http://www.bfr.bund.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Seminare Workshops:

nachricht Seminar zu Einblicken in die unterschiedlichen Ebenen des 3D-Druckens und wirtschaftlichen Nutzungsmöglichkeiten - 2017
26.04.2017 | Haus der Technik e.V.

nachricht Praxisworkshop Mikrooptische Beleuchtungsanwendungen, 12.09.17 in Göttingen
24.04.2017 | PhotonicNet GmbH Kompetenznetz Optische Technologien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Seminare Workshops >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie