Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

PPP - Forscher loten Chancen für Kommunen aus

03.03.2010
Nicht erst die weltweite Finanzkrise hat das Modell PPP in Diskredit gebracht. Gerade angesichts knapper Kassen sehen Forscher der Hochschule Biberach dagegen Möglichkeiten für Öffentlich-Private Partnerschaften, insbesondere für Kommunen. Das Zwischenergebnis ihres Forschungsprojektes stellen sie am heutigen Mittwoch in einem Workshop in Kooperation mit dem Sparkassenverband Baden-Württemberg dar.

Als das Institut für Immobilienökonomie und Projektmanagement (IIP) der Hochschule Biberach 2008 mit dem Forschungsprojekt "PPP: Risikotransfer und innovative Finanzierungsformen - Projektfinanzierung als Herausforderung für mittelständische Bauunternehmer (PRuF)" im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung startete, da war die Ausgangssituation eine völlig andere als heute: PPP (deutsch Öffentlich-Private Partnerschaften - ÖPP) waren im Aufwind - und die Professoren Dr. Gotthold Balensiefen und Dr. Hans Mayrzedt wollten sich mit den besonderen Herausforderungen für mittelständische Unternehmen beschäftigen. Inzwischen haben sich die Rahmenbedingungen drastisch geändert und damit die Ausrichtung für das Forschungsprojekt.

"In Zeiten der Kapitalmarktkrise und sinkender Steuereinnahmen der öffentlichen Daseinsversorgung im Bereich der Infrastruktur," so Balensiefen, "müsse nach wirtschaftlichen Beschaffungsvarianten und Planungsformen Ausschau gehalten werden". Als Beispiel nennt der Forscher, der Mitglied des PPP-Beirates des Wirtschaftsministeriums Baden-Württemberg ist, die vielerorts dringend notwendige Erweiterung und Sanierung von Schulen. Allein der Betrieb verursache über den Zeitraum von 30 Jahren das drei- bis vierfache der Baukosten. Hier setzen Öffentlich-Private Partnerschaften an, in dem private Bauunternehmen nicht nur mit dem Bau beauftragt, sondern auch in die Betriebsverantwortung über einen Lebenszyklus einer Infrastruktureinrichtung genommen werden, so Balensiefen. Und gerade in diesem Bereich habe sich die Situation seit der weltweiten Finanzkrise verschlechtert, denn Unternehmen erhalten kaum mehr die hierfür notwendigen Kredite.

Balensiefens Forschergruppe plädiert deshalb für die Möglichkeit der Herausnahme der privaten Finanzierung aus ÖPP-Projekten und damit der Möglichkeit der klassischen Kommunalkreditfinanzierung auch bei ÖPP-Projekten. Die private Finanzierung scheine kein unabdingbares Element von ÖPP-Projekten zu sein, so Balensiefen. Der private Projektträger müsse nicht derjenige sein, der die im Wettbewerb beste Finanzierung mitbringt. Eine Entkoppelung von Bau und Betrieb einerseits und der Finanzierung andererseits käme auch dem Mittelstand entgegen. So genannte Forfaitierungsmodelle seien sowohl gegenüber der Projektfinanzierung (Risikostruktur, Umgehungsgefahr von Kreditbegrenzungsvorgaben) als auch gegenüber der klassischen Finanzierung (Zinszuschlag) defizitär.

ÖPP-Modelle blieben so für mittelständische Bauunternehmen erfolgreiche Modelle und sicherten gleichzeitig qualitativ hochwertige und zuverlässige Bau- und Betriebsleistungen für Schulen, Verwaltungsgebäude, Feuerwachen oder ähnliche kommunale oder staatliche Einrichtungen. Entscheidend sei letztlich der Lebenszyklusansatz für Einrichtungen der öffentlichen Infrastruktur: Bau und Betrieb müssen im Hinblick auf Nutzen, Kosten und Risiken zusammen betrachtet werden, so Balensiefen. Dies sei auch nichts Neues: 1863 habe Biberach wie viele andere Städte auch Bau und Betrieb der gasbetriebenen Stadtbeleuchtung privat vergeben: für 40 Jahre an die "L.A. Riedingersche Maschinen- und Bronzewarenfabrik" als Vorläuferin der Vereinigten Gaswerke Augsburg, bis die Stadt Biberach 1903 die Gasversorgung in eigener Regie übernahm, so Balensiefens historisches Beispiel.

Der jetzt stattfindende Workshop wird die vorläufigen Forschungsergebnisse vorstellen und Experten zusammenführen, die sich insbesondere mit den Fragen der von Privaten zu übernehmenden Risiken und Finanzierungsmöglichkeiten solcher Projekte befassen.

Immer deutlicher, so Balensiefen, zeichne sich als Zwischenergebnis die nachhaltige Forderung nach mehr Transparenz ab: Von erheblicher Bedeutung sei eine Vereinfachung in der praktischen Umsetzung sowie eine Standardisierung der Vorgehensweisen und der Verträge.

Als Kooperationspartner für das Forschungsvorhaben konnte das IIP der Hochschule Biberach u.a. den Sparkassenverband in Stuttgart gewinnen, der seine Räumlichkeiten gleichzeitig als Veranstaltungsort bereit gestellt hat. Die Sparkassen-Finanzgruppe in Deutschland ist laut eigenen Angaben Marktführer bei der Finanzierung von PPP-Projekten. An den bislang in Deutschland umgesetzten über 140 PPP-Projekten waren an über 60 PPP-Projekten Institute der Sparkassen-Finanzgruppe beteiligt. Bezogen auf das Investitionsvolumen von über 3,22 Mrd. EUR hat die Sparkassen-Finanzgruppe einen Marktanteil von über 50 Prozent, mit einem Volumen von rund 1,7 Milliarden Euro finanziert. Die Zahlen belegen deutlich, dass die Sparkassen ihre Aufgaben als bedeutender kreditwirtschaftlicher Partner der Kommunen gerade in der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise wahrnehmen und den Kommunen bei ihrem Bedarf an langfristigen Finanzierungen zu Seite stehen.

Anette Schober-Knitz | idw
Weitere Informationen:
http://www.hochschule-biberach.de/iip

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Seminare Workshops:

nachricht Virtuelle Welten: Forschungstrends in der mobilen 3D-Datenerfassung
30.11.2016 | Fraunhofer IPM

nachricht Workshop Biodegradierbare Schichten für Verpackung und Medizin
24.11.2016 | Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Seminare Workshops >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie