Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Personalisierte Medizin erhöht die Therapiechancen bei schwarzem Hautkrebs

21.07.2014

Das maligne Melanom macht mit 75% den größten Anteil an den Hautkrebs-Todesfällen weltweit aus und betrifft häufig auch schon jüngere Patienten in einem Alter von unter 40 Jahren.

Im Stadium der Metastasierung ist es ein besonders aggressiver Tumor, der u.a. in Lunge, Leber, Gehirn und Knochen streut. Der dann in der Regel tödliche Verlauf lässt sich wenig durch Chemotherapie oder Strahlentherapie beeinflussen.

Erst mit der Entwicklung der sogenannten zielgerichteten Therapie (targeted therapy) konnte erstmals ein Medikament eine signifikante Verlängerung des Überlebens dieser Patienten bewirken. Wenn im Melanom eine BRAF-V600-Punktmutation vorliegt, die bei etwa 40-50% aller Melanompatienten vorkommt, kann die Hemmung des onkogenen, also Krebs auslösenden BRAF-Proteins zu einem Stopp der Tumorzellproliferation und damit zu einer Schrumpfung der Tumoren führen.

Das BRAF-Protein ist an der Regulation des MAPK/ERK Signalwegs beteiligt und beeinflusst u.a. die Zellteilung und die Differenzierung der Zellen. Mutationen im BRAF-Gen können dazu führen, dass dieser Signalweg ständig aktiviert ist. Eine Folge kann Krebs sein.

Dabrafenib ist ein Medikament, das in einer multizentrischen klinischen Phase-III-Studie an unbehandelten metastasierten Melanompatienten mit einer BRAF-V600E-Mutation objektive Ansprechraten von 59 % gezeigt hat – gegenüber 24 % unter einer Standard-Chemotherapie mit dem Zytostatikum DTIC* (Dacarbazin).

Das mediane progressionsfreie Überleben verlängerte sich auf 6,9 Monate unter Dabrafenib gegenüber 2,7 Monate unter DTIC*. Eine Wirksamkeit von Dabrafenib konnte in einer anderen Studie auch speziell bei Patienten mit Gehirnmetastasen gezeigt werden.

Dabrafenib ist nach Vemurafenib nun der zweite BRAF-Inhibitor, der für das nicht chirurgisch zu behandelnde und metastasierte maligne Melanom beim Vorliegen einer BRAF-V600-Mutation als Monotherapie zugelassen ist (Zulassungserteilung am 02. September 2013).

Die Einnahme erfolgt als Kapseln oral zweimal täglich. Als häufigste (≥10%) Nebenwirkungen treten Hyperkeratosen, Fieber, Gelenkschmerzen, Müdigkeit, Übelkeit, Hautpapillome, Haarausfall, Hautausschlag und Erbrechen auf. Seltener kann es auch zu neuen Hauttumoren, Nierenversagen, Augenentzündungen (Uveitis, Iritis), Pankreatitis und EKG-Veränderungen (QT-Verlängerung) führen. Die Rate der Photosensitivität lag in der Dabrafenib Zulassungsstudie bei < 3%.

Das größte Problem bei der zielgerichteten Therapie stellt die Ausbildung von Resistenzen des Tumors gegenüber Vemurafenib oder Dabrafenib nach einer durchschnittlichen Einnahmezeit von etwa 7 Monaten dar. Diese Resistenz beruht auf einer Reaktivierung von Signalwegen, die Wachstum fördern, aufgrund von Mutationen oder Amplifikationen von anderen Genen, die die BRAF-Inhibition umgehen können.

Ein weiterer moderner Ansatz stellt die immunonkologische Therapie dar. Seit Juli 2011 ist der CTLA4-Antikörper Ipilimumab zur Behandlung des metastasierten Melanoms zugelassen. Seine Wirkung beruht auf einer Aktivierung der T-Zellen und damit auf der Induktion der körpereigenen Immunabwehr. Mit Ipilimumab konnte erstmals ein Langzeitüberleben von Patienten mit fortgeschrittenen Melanomen gezeigt werden.

Seit 31. Oktober 2013 ist die Zulassung von Ipilimumab auf die Erstlinientherapie von Patienten mit nicht resezierbarem oder metastasiertem Melanom erweitert worden. Die Gabe erfolgt intravenös über einen Zeitraum von 90 Minuten und wird insgesamt dreimal wiederholt im Abstand von jeweils 3 Wochen (insgesamt 4 Dosen).

Als unerwünschte Wirkung kann es zu immunvermittelten Reaktionen kommen, die den Gastrointestinaltrakt, die Haut, Leber oder das Nerven- oder Hormonsystem betreffen können. In diesem Fall kann eine immunsuppressive Therapie mit Glukokortikoiden lebenswichtig sein.

Als weitere Hoffnungsträger der immunonkologischen Therapie gelten PD1-Antikörper oder PD-Liganden1-Antikörper. Im Prinzip führen diese ebenfalls zu einer T-Zellaktivierung bei möglicherweise höheren Ansprechraten als Ipilimumab und ähnlichem Nebenwirkungsprofil. Der PD1-Antikörper Nivolumab ist am 04. Juli 2014 in Japan zur Behandlung von nicht resezierbarem Melanom zugelassen worden. Der Antrag für die Genehmigung der Zulassung in den USA wird bei den Behörden (FDA) in Kürze eingereicht. Aktuell wird in Studien überprüft, ob eine Kombination aus Ipilimumab und Nivolumab die Antitumorwirkung noch verbessern kann. 

Die immunonkologische Therapie ist auch bei anderen Krebsarten wie zum Beispiel Bronchial- und Nierenzellkarzinom wirksam und die Zulassung dieser Antikörper für weitere Indikationen wird daher erwartet.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. med. Carola Berking
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie
Klinikum der Universität München
Frauenlobstraße 9-11
80337 München
Tel: +49 (0)89 4400-56324
Fax: +49 (0)89 4400-56322
Email: carola.berking@med.uni-muenchen.de

Während der Fortbildungswoche: +49 (0)89/48098 97100

Fortbildungswoche für praktische Dermatologie und Venerologie

Die Fortbildungswoche fand erstmals 1951 statt, initiiert von der Klinik und Poliklinik für Allergologie und Dermatologie der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). Seither wird sie alle zwei Jahre mit großem Erfolg durchgeführt. In diesem Jahr findet die Veranstaltung zwischen dem 19. und 25. Juli statt. Insgesamt werden 50 Kurse, 76 Plenarvorträge und 65 Industrieseminare und -symposien sowie eine Vielzahl weiterer Veranstaltungen angeboten. Die Veranstalter erwarten mehr als 4.000 Teilnehmer aus dem In- und Ausland im Kulturzentrum Gasteig und im Holiday Inn-Munich City Center. Tagungsleiter ist Prof. Dr. Dr. h.c. Thomas Ruzicka, Direktor der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der LMU. Verantwortlich für das wissenschaftliche Programm ist Prof. Dr. Peter Thomas, unterstützt von Prof. Dr. Carola Berking und Prof. Dr. Jörg Prinz (alle LMU-Klinik).

Weitere Informationen:

http://www.fortbildungswoche.de

Philipp Kressirer | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenchen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Seminare Workshops:

nachricht Fazit der Pilotphase – Qualifizierung für Schulleiterinnen und Schulleiter hat sich bewährt
22.06.2017 | Heraeus Bildungsstiftung

nachricht Elektromobilität im ÖPNV, ein Werkstattproblem?
22.06.2017 | Haus der Technik e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Seminare Workshops >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften