Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer Round Table für Forschung und Gesundheitspolitik

14.11.2008
Thema Präventionsforschung auf dem ersten Helmholtz-Forum Gesundheit

„Mit Spitzenforschung Volkskrankheiten vorbeugen“ - So lautete das Thema des ersten Helmholtz-Forums Gesundheit, zu dem die fünf Gesundheitszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, u.a. das Forschungszentrum Jülich, heute in Kooperation mit ZEIT WISSEN nach Berlin eingeladen haben.

Helmholtz-Wissenschaftler präsentierten neueste Erkenntnisse über innovative Ansätze in der Präventionsforschung. Auf dem einstündigen Podium diskutierten anschließend Vertreter von Gesundheitsforschung, Politik, Pharmaindustrie und Krankenkassen über Möglichkeiten, die Erkenntnisse aus der Forschung zukünftig noch zielgerichteter in die Praxis umzusetzen.

In Deutschland führen Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine traurige Statistik an: Mit fast der Hälfte aller Opfer stehen sie unangefochten auf Platz eins der Liste der Todesursachen, gefolgt von Krebsleiden und Stoffwechselstörungen.

Gleichzeitig werden neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson zu einer immer größeren gesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Belastung. Trotz rasanter medizinischer Fortschritte lassen sich diese Volkskrankheiten bislang nur eingeschränkt vorbeugen oder erfolgreich therapieren. Manche sind sogar – etwa wegen resistenter Erreger – auf dem Vormarsch. Neue Forschungskonzepte und therapeutische Ansätze sind also gefragt.

Den Fortschritten der modernen Medizin verdanken die westlichen Gesellschaften eine kontinuierlich steigende Lebenserwartung – die sie aber teuer zu stehen kommt. Denn ältere Menschen sind oft kranke Menschen. „Die Frage ist doch: Werden wir Möglichkeiten finden, um länger gesund und aktiv zu bleiben? Dafür treiben die fünf Gesundheitszentren der Helmholtz-Gemeinschaft nun ganz gezielt die Forschung zu großen Volkskrankheiten voran und entwickeln wirksame Maßnahmen zur Früherkennung und Vorbeugung“, so Prof. Jürgen Mlynek, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft. Prof. Otmar D. Wiestler, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums, wies darauf hin, dass die Präventionsforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft bereits bedeutende Erfolge vorzuweisen habe. „Die mit dem diesjährigen Nobelpreis für Medizin gewürdigte Entdeckung, dass bestimmte menschliche Warzenviren Gebärmutterhalskrebs auslösen, hat die Entwicklung der ersten Impfung gegen Krebs ermöglicht“, betonte Wiestler. „Ein neu entwickelter Gentest kann Leben retten, indem er Personen identifiziert, die ein besonders hohes Risiko für einen plötzlichen Herztod tragen.“

Vorbeugen ist besser als heilen. Doch wie erkennt man, wer der Patient von morgen ist und warum ein Mensch krank wird? Prof. H.-Erich Wichmann vom Helmholtz-Zentrum München stellte in seinem Vortrag die Bedeutung von großen Kohortenstudien für die Vorbeugung von Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen heraus. Diese groß angelegten Untersuchungen sollen genetische und umweltbedingte Risikofaktoren für verschiedene Krankheiten aufzeigen. Dafür sollen nun in der gerade neu bewilligten "Helmholtz-Kohorte"

200.000 gesunde Teilnehmer über 20 Jahre untersucht und begleitet werden.

Ein Organ allerdings entzieht sich weitgehend einer Analyse per Blut- oder Gewebeprobe: das Gehirn. Nicht zuletzt deshalb werden neurodegenerative Leiden wie die Alzheimersche Erkrankung oft erst diagnostiziert, wenn sich bereits Symptome der Demenz manifestiert haben.

Die moderne Technik des „Neuroimagings“ soll nun die Suche nach neuen Ansätzen für die Diagnose und Prävention von Demenzerkrankungen und anderen Fehlfunktionen des Gehirns ermöglichen, wie Prof. Karl Zilles vom Forschungszentrum Jülich in seinem Vortrag berichtete. Er und seine Kollegen werden künftig an einem weltweit einzigartigen Gerät arbeiten, das zwei der wichtigsten bildgebenden Verfahren kombiniert. Mit Hilfe dieses Systems wollen die Forscher Prozesse im normal alternden Gehirn entschlüsseln, um diese erstmals von den Vorgängen im erkrankten Organ unterscheiden zu können.

Von einer Schattenseite der High-Tech-Medizin handelte der Vortrag von Dr. Susanne Häußler vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig. Manche Erreger finden heute mehr und mehr Opfer, weil sie auf medizinischen Geräten, Prothesen und anderen Fremdkörpern im Körper perfekte Oberflächen zur Besiedelung finden. Viele dieser Keime entgehen den Attacken unseres Immunsystems ebenso wie der Antibiotikatherapie, weil sie sich in nahezu unangreifbaren Biofilmen zusammenschließen. Die Folge sind chronische, nicht selten lebensgefährliche Infektionen. Häußler und ihr Team untersuchen, welche molekularen Mechanismen für die Entstehung dieser komplexen bakteriellen Gemeinschaften essenziell sind – und wie man sie mit neuen präventiven Ansätzen blockieren kann.

Ebenfalls nur schwer zu bekämpfen sind Viren. Sie dringen in Wirtszellen ein und verstecken sich dort vor der Körperabwehr und Medikamenten. Das kann zu schweren Infektionen führen – in einigen Fällen sogar zu Krebs. Der Gebärmutterhalskrebs etwa ist das zweithäufigste Tumorleiden bei Frauen und wird durch bestimmte Typen des Humanen Papillomvirus verursacht. Prof. Lutz Gissmann vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg war entscheidend an der Entwicklung eines Impfstoffs gegen diesen Erreger beteiligt, für das Prof. Harald zur Hausen den diesjährigen Medizin-Nobelpreis zuerkannt bekam.

Eine geradezu radikale Prophylaxe kann bei bestimmten Hochrisikopatienten angeraten sein. Ein genetischer Defekt lässt bei ihnen aus Herzmuskelzellen Fett- oder Bindegewebe entstehen. Die Erkrankung verläuft oft schleichend und unbemerkt, kann im schlimmsten Fall aber schon in jungen Jahren zum Herzstillstand führen. Ein neu entwickelter Gentest kann Leben retten, wie Prof. Ludwig Thierfelder vom Max-Delbrück-Centrum in Berlin-Buch berichtete. Denn wenn die Träger des Defekts frühzeitig identifiziert sind, kann die Erkrankung möglicherweise verhindert werden. In besonders schweren Fällen muss ein Defibrillator in die Nähe des Herzens implantiert werden, der bei gefährlichen Herzrhythmusstörungen das Organ per Stromstoß wieder in den richtigen Takt bringt.

In diesem Fall ist aus einem wichtigen Forschungsergebnis bereits eine Anwendung entstanden. Oft ist dieser Weg aber lang und steinig. „Aus der Forschung in die Praxis: Wie können die Erkenntnisse zur Prävention umgesetzt werden?“ Diesem Thema widmeten sich im Anschluss an die Vorträge Marion Caspers-Merk, Bundesministerium für Gesundheit, Dr. Peter Lange, Bundesministerium für Bildung und Forschung, Dr. Bernhard Egger, AOK-Bundesverband, Prof. Karl Max Einhäupl, Charité - Universitätsmedizin Berlin, und Dr. Jürgen Schwiezer, Roche Diagnostics. In einem Punkt waren sich alle Teilnehmer der zum Teil kontrovers geführten Diskussion einig: Das Interesse und die Sicherheit der Patienten stehen an erster Stelle. Wie am besten eine zügige Umsetzung vielversprechender Forschungsergebnisse – unter Ausschluss aller Risiken – erreicht werden kann, darüber gingen die Meinungen allerdings auseinander.

Ansprechpartner für die Medien:

Annette Stettien
Forschungszentrum Jülich
Tel. 02461 61-2388
Dr. Stefanie Seltmann
Deutsches Krebsforschungszentrum
Tel. 06221 42-2854
Hannes Schlender
Helmholtz-Zentrum für
Infektionsforschung
Tel. 0531 6181-1400
Heinz-Jörg Haury
Helmholtz Zentrum München
Tel. 089 3187-2460
Barbara Bachtler
Max-Delbrück-Centrum für
Molekulare Medizin
(MDC) Berlin-Buch
Tel. 030 94 06-3896
Thomas Gazlig
Helmholtz-Gemeinschaft
Tel. 030 206329-57
Das Forschungszentrum Jülich…
… betreibt interdisziplinäre Spitzenforschung zur Lösung großer gesellschaftlicher Herausforderungen in den Bereichen Gesundheit, Energie & Umwelt sowie Information. Kombiniert mit den beiden Schlüsselkompetenzen Physik und Supercomputing werden in Jülich sowohl langfristige, grundlagenorientierte und fächerübergreifende Beiträge zu Naturwissenschaften und Technik erarbeitet als auch konkrete technologische Anwendungen. Mit rund 4 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gehört Jülich, Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, zu den größten Forschungszentren Europas.

Annette Stettien | Forschungszentrum Jülich GmbH
Weitere Informationen:
http://www.fz-juelich.de

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Seminare Workshops >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise