Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mehrfachrückstände von Pflanzenschutzmitteln in Lebensmitteln

22.04.2013
Internationaler Workshop am BfR zur kumulativen Bewertung von Mehrfachrückständen von Pflanzenschutzmitteln in Lebensmitteln
Mehrfachrückstände von Pflanzenschutzmitteln in Lebensmitteln sollten anhand klarer und einfacher Kriterien bewertet werden

Das Vorkommen von Mehrfachrückständen von Pflanzenschutzmitteln in Lebensmitteln führt immer wieder zur Besorgnis in der öffentlichen Wahrnehmung. Die zulässigen Rückstandsmengen (Rückstandshöchstgehalte) von Pflanzenschutzmitteln in Lebensmitteln dürfen die Gesundheit von Verbrauchern aber auch dann nicht beeinträchtigen, wenn mehrere Rückstände gleichzeitig oder kurz nacheinander aufgenommen werden.

Noch fehlt allerdings eine allgemein akzeptierte Methode zur gesundheitlichen Bewertung solcher Mehrfachrückstände. Die kumulative Risikobewertung sollte einfach und transparent sein, damit sie routinemäßig in der regulatorischen Praxis eingesetzt werden kann: Zur Festsetzung von Rückstandshöchstgehalten von Pestizidwirkstoffen auf EU-Ebene, in der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln und bei der gesundheitlichen Bewertung von Rückstandsproben durch die Überwachungsbehörden der Länder.

In der EU wird derzeit ein solches Konzept wissenschaftlich erprobt. Auf dem BfR-Kolloquium zur Bewertung von Mehrfachrückständen von Pflanzenschutzmitteln auf Lebensmitteln diskutierten im März Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über ihre praktischen Erfahrungen mit der Anwendung dieses Konzepts. „Das BfR hat ein alltagstaugliches Bewertungskonzept für Mehrfachrückstände vorgeschlagen, das kurzfristig von den Überwachungsbehörden angewendet werden könnte“, so BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel.

Für Rückstände von Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffen in Lebensmitteln sind Höchstgehalte festgelegt - bis zu diesen Mengen sind die Stoffe in Lebensmitteln erlaubt, da kein Gesundheitsrisiko besteht. Diese Einzelwirkstoffe sind toxikologisch gut untersucht. Verbraucher nehmen in der Realität aber häufig mehrere Rückstände - sogenannte Mehrfachrückstände - über die verschiedenen Lebensmittel auf, die sie essen. Auch werden auf Obst und Gemüse immer häufiger Rückstände mehrerer Wirkstoffe nachgewiesen, die miteinander wechselwirken können.

Ziel des internationalen BfR-Workshops war es, Erkenntnisse der wissenschaftlichen Grundlagenbewertung zu Mehrfachrückständen auf ihre Anwendbarkeit in der regulatorischen Praxis hin zu prüfen. Über 50 nationale und internationale Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Forschung, Behörden, NGOs und der Industrie diskutierten mit BfR-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftlern die bisherigen Erfahrungen mit dem Konzept zur Bewertung von Mehrfachrückständen. Sie identifizierten noch offene Fragen zur Festsetzung von kumulativen Bewertungsgruppen und zu den Berechnungsmethoden für die Exposition.

Die Erfahrungen zeigen, dass sich nur einfach umzusetzende Bewertungsmethoden für eine Standardanwendung in der regulatorischen Praxis eignen. Behörden, die mit der Festsetzung von Rückstandshöchstgehalten für Pestizidwirkstoffe und mit der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln beauftragt sind, brauchen Methoden, mit der sie die ca. 150 000 im europäischen Recht existierenden Rückstandshöchstgehalte daraufhin überprüfen können, ob sie auch unter Berücksichtigung möglicher kumulativer Effekte für Verbraucher sicher sind. Die Lebensmittelüberwachung muss mit den Methoden schnell und sicher beurteilen können, ob eine Lebensmittelprobe mit den Rückständen mehrerer Pflanzenschutzmittelwirkstoffe für Verbraucher ein gesundheitliches Problem darstellt. Modelle, die umfangreiche toxikologische Informationen und bezüglich der Exposition die Handhabung großer Datenbestände und komplexer probabilistischer Rechenmodelle verlangen, sind dafür untauglich.

Das BfR empfiehlt für die Bewertung von Mehrfachrückständen in der regulatorischen Praxis folgendes: Das kumulative Risiko sollte mittels einer Bestimmung und Addition von Gefahrenindizes (Hazard Index, HI) für die Einzelwirkstoffe bewertet werden. Dies ist eine einfache und schnelle Methode, die aber gleichzeitig Verbraucher ausreichend schützt und die bei Bedarf durch weitere toxikologische Informationen schrittweise verfeinert werden kann. Der Hazard Index ist ein Maß dafür, wie weit der über ein Lebensmittel aufgenommene Rückstand eines Wirkstoffs an dessen toxikologische Grenzwerte (ADI, ARfD) heranreicht. Zudem sollten die kumulativen Bewertungsgruppen, in die die Einzelsubstanzen aufgrund ihrer toxikologischen Wirkung eingeordnet werden, nicht zu groß sein. Zur Abschätzung der kumulativen Exposition sollten vorzugsweise deterministische Verfahren verwendet werden.
Über das BfR

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftliche Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.

Dr. Suzan Fiack | idw
Weitere Informationen:
http://www.bfr.bund.de/de/veranstaltung/mehrfachrueckstaende_von_pestiziden_in_lebensmitteln-133186.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Seminare Workshops:

nachricht Praxisworkshop Mikrooptische Beleuchtungsanwendungen, 12.09.17 in Göttingen
24.04.2017 | PhotonicNet GmbH Kompetenznetz Optische Technologien

nachricht 1. Essener Gefahrguttage am 19.-20. September 2017 mit fachbegleitender Ausstellung
24.04.2017 | Haus der Technik e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Seminare Workshops >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungen

Berührungslose Schichtdickenmessung in der Qualitätskontrolle

25.04.2017 | Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Weg zur lückenlosen Qualitätsüberwachung in der gesamten Lieferkette

25.04.2017 | Verkehr Logistik

Digitalisierung bringt Produktion zurück an den Standort Deutschland

25.04.2017 | Wirtschaft Finanzen