Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Längere Laufzeiten für europäische Kernkraftwerke

10.01.2014
Im EU-Projekt LONGLIFE haben internationale Wissenschaftler Alterungseffekte in Reaktormaterialien untersucht. Auf einem abschließenden Workshop, der am 15. und 16. Januar 2014 im Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) stattfindet, präsentieren sie ihre Ergebnisse.

Rund um Deutschland entstehen neue Kernkraftwerke und werden die Laufzeiten für vorhandene Anlagen verlängert. Deshalb ist es wichtig, dass auch in Zukunft deutsche Experten die Sicherheit der Kernkraftwerke in unseren Nachbarländern bewerten können, unabhängig vom Ausstiegsbeschluss der deutschen Regierung.

So sind auch Wissenschaftler aus Deutschland an dem von der Europäischen Union mit rund 2,7 Mio. Euro geförderten Projekt LONGLIFE beteiligt. Die Projektpartner haben untersucht, wie Druckbehälter von Kernkraftwerken altern und präsentieren ihre Ergebnisse auf einem internationalen Workshop, an dem über 70 Experten aus aller Welt teilnehmen. Das EU-Projekt wurde vom Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) koordiniert.

Europäische Kernkraftwerke sind in der Regel für einen Betrieb von circa 40 Jahren ausgelegt. Unabhängig von der Energiewende und dem damit verbundenen Ausstiegsbeschluss in Deutschland werden weltweit die Voraussetzungen für längere Laufzeiten der Kernkraftwerke (60 bis 80 Jahre) geschaffen.

Auch bei längeren Laufzeiten dürfen Alterungseffekte in den Reaktormaterialien die Sicherheit der Kernkraftwerke nicht beeinträchtigen. Der Zustand der Werkstoffe wird daher regelmäßig überwacht. Im Laufe des Betriebs verändern die Reaktormaterialien durch die hochenergetische Neutronenstrahlung, die bei der Kernspaltung im Reaktor entsteht, allmählich ihre mechanischen Eigenschaften und verlieren an Zähigkeit – sie werden spröde. Dieser Versprödungseffekt wird durch die auf atomarer Ebene stattfindende Wechselwirkung der Neutronen mit dem Metallgitter der Werkstoffe hervorgerufen und spiegelt sich etwa im Bruchverhalten von Materialproben wider.

Bei längeren Laufzeiten sind die Materialien insgesamt einer höheren Neutronendosis ausgesetzt. Welchen Einfluss hat dies auf die Materialien? Sind die Verfahren und Vorhersagemodelle, mit denen die Versprödung bisher überwacht wird, auch für den Langzeitbetrieb von Kernkraftwerken geeignet oder müssen sie angepasst werden? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des EU-Projektes LONGLIFE, an dem 16 Partner aus neun europäischen Ländern beteiligt gewesen sind.

Die Versprödung im Langzeitbetrieb wurde anhand einer Vielzahl unterschiedlich bestrahlter Materialproben, die von den Projektpartnern bereitgestellt wurden, untersucht. Dabei können die mechanischen Eigenschaften bestrahlter Werkstoffe nur in „heißen Zellen“, wie sie am HZDR vorhanden sind, getestet werden. Besonders interessiert sind die Forscher dabei an dem Einfluss, den die Intensität der Bestrahlung (der sogenannte Neutronenfluss) in einer bestimmten Zeit auf die Materialien hat. So zeigen Materialien, die über viele Jahre mit einem niedrigen Neutronenfluss bestrahlt wurden, andere Veränderungen auf atomarer Ebene als Werkstoffe, die über einen kürzeren Zeitraum einem hohen Neutronenfluss ausgesetzt waren. Dieser und andere für die Langzeitbestrahlung bedeutsamen Effekte können nun bei der Überwachung der Alterung der Materialien berücksichtigt werden. Eine entsprechende Richtlinie wurde im Rahmen von LONGLIFE erarbeitet.

Weitere Informationen:
Dr. Eberhard Altstadt
Institut für Ionenstrahlphysik und Materialforschung im HZDR
Tel.: 0351 260 - 2276
e.altstadt@hzdr.de
Medienkontakt:
Dr. Christine Bohnet | Pressesprecherin
Tel. 0351 260 - 2450 oder 0160 969 288 56 | c.bohnet@hzdr.de | www.hzdr.de
Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf | Bautzner Landstr. 400 | 01328 Dresden
Das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) forscht auf den Gebieten Energie, Gesundheit und Materie. Folgende Fragestellungen stehen hierbei im Fokus:
• Wie nutzt man Energie und Ressourcen effizient, sicher und nachhaltig?
• Wie können Krebserkrankungen besser visualisiert, charakterisiert und wirksam behandelt werden?
• Wie verhalten sich Materie und Materialien unter dem Einfluss hoher Felder und in kleinsten Dimensionen?

Zur Beantwortung dieser wissenschaftlichen Fragen werden Großgeräte mit einzigartigen Experimentiermöglichkeiten eingesetzt, die auch externen Nutzern zur Verfügung stehen.

Das HZDR ist seit 2011 Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Es hat vier Standorte in Dresden, Leipzig, Freiberg und Grenoble und beschäftigt rund 1.000 Mitarbeiter – davon ca. 500 Wissenschaftler inklusive 150 Doktoranden.

Dr. Christine Bohnet | Helmholtz-Zentrum
Weitere Informationen:
http://www.hzdr.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Seminare Workshops:

nachricht Workshop: Future Trends in DNA-based Nanotechnology vom 29. Mai bis 2. Juni 17
23.05.2017 | Max-Planck-Institut für Physik komplexer Systeme

nachricht Dritter internationaler Workshop „Innovations in Oncology“: Anmeldung offen
18.05.2017 | Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Seminare Workshops >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten