Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kieler Geologen empfangen Laser-Experten aus 16 Nationen

29.06.2010
Wissenschaftliche Erkenntnisse können immer nur so gut sein, wie die Analysenergebnisse, auf denen sie beruhen. Eine der aktuell innovativsten Analysenmethoden, um die Element- und Isotopenzusammensetzung von Materialien zu bestimmen, ist die sogenannte Laser-Ablation. Kieler Geowissenschaftler nutzen sie beispielsweise, um aus Gesteinsproben vergangene Umweltbedingungen herauslesen zu können. Vom 28. Juni bis 2. Juli 2010 treffen sich 100 Experten für dieses Verfahren aus sechzehn Nationen in Kiel zum 10. Europäischen Laser-Ablation-Workshop.

Manchmal liegen nur Bruchteile eines Millimeters zwischen gewaltigen Vulkanausbrüchen und ruhiger Sedimentation, zwischen Eis- und Warmzeiten oder zwischen giftigen Umweltbedingungen und blühendem Leben. Das gilt beispielsweise, wenn Meeresgeologen aus Sedimentschichten und Kalkskeletten mariner Organismen die Geschichte des Klimas, die Entwicklung des Meeresspiegels oder die Zusammensetzung des Meerwassers in der Vergangenheit rekonstruieren wollen.

Die einzelnen Schichten im Karbonat oder im Sediment, die Aufschluss über unterschiedliche Umweltbedingungen während der Erdgeschichte geben, müssen dabei sorgfältig voneinander getrennt werden, um zu präzisen Aussagen zu gelangen. Ein noch recht junges Verfahren erleichtert diese Arbeit: die Laser-Ablation (LA). Dabei wird mit einem Laserstrahl punktgenau Material aus der Probe herausgeschossen. Dieses kann anschließend direkt in einem ICP-Massenspektrometer (ICP-MS) auf seine chemische Zusammensetzung hin untersucht werden. Weltweit gewinnt diese Analysenmethode zunehmende Aufmerksamkeit, da immer mehr Anwendungsfelder erschlossen werden. Rund 100 Experten aus 16 Nationen treffen sich in dieser Woche (Montag, 28. Juni, bis Freitag, 2. Juli) in Kiel zum Erfahrungsaustausch beim 10. Europäischen Laser-Ablation-Workshop (European Workshop on Laser Ablation, EWLA). Organisiert wurde er gemeinsam vom IFM-GEOMAR, dem Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft” und dem Institut für Geowissenschaften der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU).

An der Kieler Christian-Albrechts-Universität hat dieses Arbeitsgebiet schon eine lange Tradition. „Als ich damals 1988 mit LA-ICP-MS angefangen habe, wurde ich noch belächelt, dass ich mich mit einer so problembeladenen Analysentechnik intensiv auseinandersetze. Heute gehört LA-ICP-MS zu einem geologischen Forschungsinstitut wie die Mikrowelle in die Küche“, sagt der Geochemiker Dr. Dieter Garbe-Schönberg vom Institut für Geowissenschaften der CAU mit einem Schmunzeln. In jüngster Zeit haben neue Geräteanschaffungen zu einer starken Aufwertung dieser Analysentechnik geführt. Zwei neue Lasersysteme am IFM-GEOMAR und eines am Institut für Geowissenschaften sorgen dafür, dass Kiel in diesem Bereich weiterhin innovative Forschungsbeiträge liefern kann.

„Dass Kiel in diesem Jahr Ausrichter des Workshops sein darf, verstehen wir auch als Anerkennung unserer Arbeit“, sagt der Physiker Dr. Jan Fietzke vom IFM-GEOMAR, „da wir in den letzten Jahren einige wichtige Beiträge zu verschiedensten Anwendungen der Methode leisten konnten.“ Vorher mussten zum Beispiel Karbonatschichten aufwendig von einander getrennt und anschließend zerkleinert werden, um an die Zusammensetzung der einzelnen Schichten zu gelangen. „Mit dem Laser können wir eine polierte Probe als Ganzes betrachten und trotzdem jede Schicht präzise auf ihre Bestandteile hin untersuchen“, erklärt Fietzke. Dabei konnten die Kieler Wissenschaftler die Methoden dahingehend weiterentwickeln, dass sie nicht nur die chemischen Elemente einer bestimmten Schicht exakt bestimmen können, sondern auch deren Varianten, die Isotope. „Das ist gerade bei unseren Fragestellungen wichtig, weil die verschiedenen Isotope eines Elements viel über Umweltbedingungen oder Herkunft von Material aussagen“, so Fietzke.

Die Herkunft der Teilnehmer am Treffen der Laser-Ablations-Experten zeigt, dass diese als Europäischer Workshop gestartete Veranstaltung mittlerweile für Wissenschaftler weltweit von Interesse ist, denn es werden auch Experten aus den USA, aus Taiwan und Japan erwartet.

Weitere Informationen:
http://www.ewla.eu European Workshop on Laser Ablation
http://www.ifg.uni-kiel.de Institut für Geowissenschaften der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
http://www.ozean-der-zukunft.de Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft“
http://www.ifm-geomar.de Das Leibniz-Institut für Meereswissenschaften IFM-GEOMAR

Andreas Villwock | idw
Weitere Informationen:
http://www.ifm-geomar.de/

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Seminare Workshops >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Highlight der Halbleiter-Forschung

20.02.2018 | Physik Astronomie

Wie verbessert man die Nahtqualität lasergeschweißter Textilien?

20.02.2018 | Materialwissenschaften

Der Bluthochdruckschalter in der Nebenniere

20.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics