Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016

Moderne mechatronische Systeme integrieren eine große Anzahl von Funktionen und besitzen entsprechend vielfältige Schnittstellen mit ihrer Umgebung. Um solche Systeme im Versuchsfeld testen zu können, ist eine realitätsnahe Simulation ihrer Umgebung erforderlich. Das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF hat ein neuartiges Prüfsystem entwickelt, das durch hochdynamische Aktoren und entsprechende Regelung eine experimentelle Simulation komplexer schwingungstechnischer Problemstellungen ermöglicht. Ein vom LBF initiierter Workshop „Realitätsnah testen mit Hardware in-the-Loop“ im Januar 2017 wird das Potenzial moderner Testverfahren näher beleuchten.

Probleme mit der Funktionalität oder der Zuverlässigkeit hochdynamisch belasteter Komponenten werden häufig erst nach der Integration ins Gesamtsystem erkennbar, was hohen Arbeits- und Zeitaufwand für entsprechende Versuche nach sich zieht.


Mehrachsprüfstand zur Nachbildung von Fahrmanövern gleichzeitig in alle sechs Raumachsen

Foto: Fraunhofer LBF.

Eine Nachbildung der mechanischen Wechselwirkungen im Laborversuch kann somit Produktentwicklungsprozesse deutlich beschleunigen und vereinfachen. „Die Herausforderung besteht in solchen Fällen darin, Testumgebungen zu entwickeln, die die im Feld auftretenden Schwingungen präzise simulieren können, um so zum Beispiel Ausfallmechanismen unter reproduzierbaren Bedingungen zu studieren“, erklärt Jiri Vrbata, Spezialist für Regelungstechnik im Fraunhofer LBF.

Mehraxialer Prüfstand entwickelt

Im Rahmen eines Industrieprojektes mit der Robert Bosch GmbH entwickelte das Fraunhofer LBF ein neuartiges Prüfsystems, mit dem es möglich ist, die in der realen Umgebungsbedingung auftretenden dynamischen Belastungen von mechatronischen Komponenten in einem Frequenzbereich von 200 Hertz bis 7 Kilohertz mit geringem Aufwand automatisiert nachzubilden.

Die entwickelte Prüfumgebung ermöglicht die realistische Nachbildung eines mechanischen Anregungsprofils sowohl für harmonische als auch für transiente Anregungssignale in allen sechs Raumrichtungen. „Dabei müssen wir die Stellsignale für die Belastungseinrichtung mit hoher Genauigkeit erzeugen. Dazu passen wir Algorithmen an, die wir bereits erfolgreich in der aktiven Schwingungsminderung eingesetzt haben“, so Vrbata.

Darüber hinaus verwenden die Forscher für die Nachbildung von hochdynamischen Signalen mit kleiner Amplitude bis zu neun Piezoaktoren, wobei sie darauf achten, dass der Versuchsstand selbst im relevanten Frequenzbereich keine eigene Dynamik, beispielsweise in Form von Resonanzen, aufweist. Dies würde zu einer deutlich verschlechterten Signalnachbildung führen.

Designvarianten schnell validiert

Die Validierung schwingungstechnischer Eigenschaften möglichst früh im Entwicklungsprozess hat mehrere Vorteile. Zunächst lässt sich durch leistungsfähige Laborversuche der Aufwand für wesentlich umfangreichere Testaufbauten oder Feldversuche reduzieren. Weiterhin sind frühzeitige Designänderungen mechatronischer Systeme meist wesentlich einfacher durchzuführen als Modifikationen in späteren Entwicklungsphasen.

Der Mehrwert wird besonders groß, wenn auf diese Weise Designvarianten schnell validiert werden können. Potentielle Anwendungsgebiete sind Entwicklungsprojekte, in denen Laborversuche mit üblichen Schwingerregern Probleme nicht genügend genau reproduzieren können, aber der Aufwand für eine vollständige Systemintegration und Erprobung im Feld zu aufwändig ist. Das bestätigt auch Dr. Thomas Kimpel von der Robert Bosch GmbH: „Mit Hilfe des entwickelten Prüfstands können Versuche an Steuergeräten in frühen Entwicklungsstadien durchgeführt und notwendige Designänderungen schnell umgesetzt werden.“

Experten im Dialog

Passend zum Thema veranstaltet das Fraunhofer LBF am 31. Januar 2017 den Workshop „Realitätsnah testen mit Hardware in-the-Loop“. Die Veranstaltung führt in die Thematik des HiL-Tests ein und stellt aktuelle Anwendungen und Entwicklungen im Bereich der Komponenten- und Systemprüfung in den Mittelpunkt. Drei praxisnahe Expertenvorträge der Firmen dSPACE, Schaeffler und AVL unterstützen den Workshop. Die Teilnahme ist kostenfrei und erfordert eine Anmeldung über die Homepage des Fraunhofer LBF. Der Workshop bietet Zeit für Austausch und Diskussionen und die Teilnehmer können die Laborflächen des Fraunhofer LBF besichtigen.

Weitere Informationen:

http://www.lbf.fraunhofer.de/HiLanmeldung (Anmeldung zum Workshop)
http://www.lbf.fraunhofer.de/hardwareintheloop (Hintergrundinformationen zum Thema)

Anke Zeidler-Finsel | Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF

Weitere Berichte zu: Betriebsfestigkeit Fraunhofer-Institut LBF Piezoaktoren Workshop

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Seminare Workshops:

nachricht Mit 48 Volt Bordnetz unterwegs zur Elektromobilität
11.01.2018 | Haus der Technik e.V.

nachricht Batteriespeicher als Energielösung der Zukunft
11.01.2018 | Haus der Technik e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Seminare Workshops >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Im Focus: Scientists decipher key principle behind reaction of metalloenzymes

So-called pre-distorted states accelerate photochemical reactions too

What enables electrons to be transferred swiftly, for example during photosynthesis? An interdisciplinary team of researchers has worked out the details of how...

Im Focus: Erstmalige präzise Messung der effektiven Ladung eines einzelnen Moleküls

Zum ersten Mal ist es Forschenden gelungen, die effektive elektrische Ladung eines einzelnen Moleküls in Lösung präzise zu messen. Dieser fundamentale Fortschritt einer vom SNF unterstützten Professorin könnte den Weg für die Entwicklung neuartiger medizinischer Diagnosegeräte ebnen.

Die elektrische Ladung ist eine der Kerneigenschaften, mit denen Moleküle miteinander in Wechselwirkung treten. Das Leben selber wäre ohne diese Eigenschaft...

Im Focus: The first precise measurement of a single molecule's effective charge

For the first time, scientists have precisely measured the effective electrical charge of a single molecule in solution. This fundamental insight of an SNSF Professor could also pave the way for future medical diagnostics.

Electrical charge is one of the key properties that allows molecules to interact. Life itself depends on this phenomenon: many biological processes involve...

Im Focus: Wie Metallstrukturen effektiv helfen, Knochen zu heilen

Forscher schaffen neue Generation von Knochenimplantaten

Wissenschaftler am Julius Wolff Institut, dem Berlin-Brandenburger Centrum für Regenerative Therapien und dem Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

2. Hannoverscher Datenschutztag: Neuer Datenschutz im Mai – Viele Unternehmen nicht vorbereitet!

16.01.2018 | Veranstaltungen

Fachtagung analytica conference 2018

15.01.2018 | Veranstaltungen

Tagung „Elektronikkühlung - Wärmemanagement“ vom 06. - 07.03.2018 in Essen

11.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal mit neuem Onlineauftritt - Lösungskompetenz für alle IT-Szenarien

16.01.2018 | Unternehmensmeldung

Die „dunkle“ Seite der Spin-Physik

16.01.2018 | Physik Astronomie

Wetteranomalien verstärken Meereisschwund

16.01.2018 | Geowissenschaften