Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das Gehirn als Karikaturist?

07.10.2011
Psychologen der Universität Jena veranstalten am 13./14. Oktober 2011 Workshop zur „Personenwahrnehmung“

„Die meisten Menschen sind ausgesprochene Experten darin, sich Gesichter zu merken und bekannte Gesichter wiederzuerkennen“, sagt Prof. Dr. Stefan Schweinberger von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Vermutlich sei diese Fähigkeit deshalb so gut ausgeprägt, weil ihr eine hohe soziale Bedeutung zukommt.

Doch wie gelingt es uns, in Bruchteilen von Sekunden Gesichter zu erkennen und richtig einzuordnen? Der Psychologe Stefan Schweinberger nennt eine mögliche Erklärung: „Unser Gehirn stellt wahrscheinlich charakteristische individuelle Abweichungen von einem prototypischen Gesicht fest.“ Vergleichbar sei das mit der Arbeit eines Künstlers, der mit einer Karikatur die wesentlichen Merkmale eines Gesichts herausarbeitet.

Kleinere Abweichungen von unserer Fähigkeit, Gesichter zu erkennen, fallen normalerweise kaum ins Gewicht. Sind die Fähigkeiten zur Wahrnehmung sozialer Signale in Gesichtern jedoch gravierend gestört, drohen den Betroffenen starke Einbußen im sozialen Leben. „Personen mit Autismus etwa haben enorme Probleme, Intentionen oder Emotionen in anderen Gesichtern zu lesen“, sagt Stefan Schweinberger, der in Jena die DFG-Forschergruppe „Personenwahrnehmung“ leitet. Andere Patienten, die einen Schlaganfall erlitten haben, litten unter Störungen der Gesichtererkennung. „Wenn wir wissen, wie unser Gehirn diese Informationen verarbeitet, können wir Therapien entwickeln oder zumindest erklären, weshalb bestimmte Defizite auftreten“, sagt Schweinberger.

Um den aktuellen Forschungsstand zu diskutieren, hat die Jenaer DFG-Forschergruppe am 13. und 14. Oktober renommierte Fachkollegen zum Workshop „Person Perception“ nach Jena eingeladen. Zu den Gästen gehören unter anderem die Professoren James W. Tanaka von der University of Victoria (Kanada), Bruno Rossion von der Université catholique de Louvain (Belgien) und Pascal Belin von der University of Glasgow (Schottland).

Tanaka gilt als weltweit führender Fachmann in Sachen Wahrnehmungs-Expertise. Er ist zudem Direktor des Forschungszentrums für Autismusforschung, Technologie und Erziehung (CARTE) und hat ein vielbeachtetes Trainingsprogramm zur Gesichterwahrnehmung entwickelt, das u. a. bei der Therapie von Autismus angewandt wird. Der Belgier Bruno Rossion forscht insbesondere über die kognitiv-neurowissenschaftlichen Grundlagen der Gesichterwahrnehmung. Hingegen hat sich der in Glasgow arbeitende Franzose Belin der Erforschung der menschlichen Stimme im Kontext der Personenwahrnehmung verschrieben. Belin untersucht, wie Menschen beispielsweise feine Untertöne im gesprochenen Wort erkennen können oder wie wir das Geschlecht oder den Gefühlszustand eines Sprechenden zu bestimmen vermögen.

Prof. Schweinberger, der den Lehrstuhl für Allgemeine Psychologie/Kognitive Neurowissenschaften in Jena innehat, betont, dass alle sechs Projekte der Jenaer Forschergruppe hochaktuelle Ergebnisse vorzuweisen hätten, die mit den internationalen Fachkollegen erörtert werden sollen. Beim Workshop „Person Perception“ gehe es darum, den eigenen Forschungsstand zu referieren und kritische Diskussionen für die Arbeit fruchtbringend anzuwenden.

Kontakt:
Prof. Dr. Stefan R. Schweinberger
Institut für Psychologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Am Steiger 3, Haus 1, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 945180
E-Mail: stefan.schweinberger[at]uni-jena.de

Stephan Laudien | idw
Weitere Informationen:
http://www2.uni-jena.de/svw/Allgpsy1/workshop_4_ppru.htm

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Seminare Workshops:

nachricht Workshop »Emissionsarme Bauprodukte und Wohngesundheit«
28.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Holzforschung WKI

nachricht Nachwuchswissenschaftler blicken in die Quantenwelt
28.03.2017 | Max-Planck-Institut für Physik komplexer Systeme

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Seminare Workshops >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Herzerkrankungen: Wenn weniger mehr ist

30.03.2017 | Medizin Gesundheit

Flipper auf atomarem Niveau

30.03.2017 | Physik Astronomie

Europaweite Studie zu „Smart Engineering“

30.03.2017 | Studien Analysen