Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gebärdensprache - viel mehr als eine Handbewegung

30.03.2009
Internationaler Workshop in Frankfurt befasst sich am 4. und 5. April mit den nichtmanuellen Komponenten in Gebärdensprachen

Ist von Gebärdensprache die Rede, so wird damit häufig das Bild von den "fliegenden Händen" verbunden. Tatsächlich spielen die Hände bei der Gebärdensprache eine große Rolle, aber genauso wichtig sind die sogenannten nichtmanuellen Komponenten.

"Augen, Mund, Augenbrauen, die ganze Mimik, die Blickrichtung und der Oberkörper übernehmen in der Gebärdensprache wichtige grammatische Funktionen, die teilweise mit der Betonung in Lautsprachen verglichen werden können", erklärt Dr. Markus Steinbach vom Deutschen Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Am 4. und 5. April befasst sich ein internationaler Workshop in Frankfurt mit der Form und Funktion nichtmanueller Komponenten in verschiedenen Gebärdensprachen.

Etwa 80.000 Menschen in Deutschland sind gehörlos, rund eine Million Menschen gelten als hochgradig schwerhörig. Ein Verständigungsmittel, das in seiner Ausdrucksfähigkeit und auch in seiner Schnelligkeit der Lautsprache in nichts nachsteht, ist die Gebärdensprache, die hierzulande von etwa 100.000 Menschen beherrscht wird. Neben der Deutschen Gebärdensprache werden in unserem Sprachraum die Deutschschweizer Gebärdensprache und die Österreichische Gebärdensprache verwendet sowie zahlreiche Dialekte. Alle Gebärdensprachler weltweit drücken sich nicht nur durch Handbewegungen aus, sondern verändern die Blickrichtung, die Neigung des Oberkörpers, die Stellung der Augenbrauen oder die Gesichtsmimik insgesamt, um sich mitzuteilen. "Hierzulande wird der Unterschied zwischen einem Frage- und einem Aussagesatz beispielsweise durch die Augenbrauen markiert", erläutert Steinbach. "Überhaupt wird bei Fragen in europäischen Gebärdensprachen mehr mit der Mimik gemacht, in Asien dagegen mehr mit den Händen." Steinbach erforscht als Linguist seit 10 Jahren die Deutsche Gebärdensprache und hat zusammen mit Wissenschaftlern der Johann Wolfgang Goethe-Universität den Frankfurter Workshop organisiert.

Zu der Veranstaltung wurden renommierte Experten aus dem In- und Ausland eingeladen, die beispielsweise über nichtmanuelle Komponenten in der Gebärdensprache auf Mauritius oder in Hongkong referieren. Ein Vortrag stellt die besondere Rolle vor, die das Kopfschütteln, die Kopfneigung und Nicken bei Fragesätzen in der türkischen Gebärdensprache hat. Die Referenten sind teilweise selbst Gebärdensprachler, wie der angesehene Hamburger Wissenschaftler Christian Rathmann. Für eine breite Verständigung sorgen Gebärdensprachdolmetscher, die die Vorträge in die Deutsche und Amerikanische Gebärdensprache übersetzen.

Die rund 100 Teilnehmer werden den Workshop nicht nur zum wissenschaftlichen Austausch nutzen, sondern auch um bestehende Netzwerke zu intensivieren und neue zu knüpfen oder gemeinsame Projekte anzustoßen. Zusammen mit Kollegen aus den Niederlanden und Großbritannien wird Steinbach nächstes Jahr ein Handbuch zur Gebärdensprache herausgeben, das erstmals alle wesentlichen Informationen über das Thema enthält. Ein weiteres Projekt wird in Kooperation mit Neurolinguisten der Uni Mainz die Gehirnaktivität von Gebärdensprachlern untersuchen. "Hinzu kommt, dass zahlreiche Gebärdensprachen kaum untersucht sind, so dass es auf diesem Gebiet noch eine Menge Feldforschung zu betreiben gibt", so Steinbach. Um künftigen Projekten einen Rahmen zu geben, wird daher in Zusammenarbeit mit den Universitäten in Frankfurt, Köln und Hamburg die Einrichtung einer DFG-Forschergruppe angestrebt. Aber nicht nur in der Wissenschaft, sondern auch in der Lehre spielt die Gebärdensprache eine immer wichtigere Rolle: Seminare zur Gebärdensprache jedenfalls stoßen bei den Studierenden laut Steinbach auf "sehr große Nachfrage."

Kontakt und Informationen:
Dr. Markus Steinbach
Deutsches Institut
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Tel. 06131 39-25512
E-Mail: steinbac@uni-mainz.de

Petra Giegerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.germanistik.uni-mainz.de/linguistik/nisl
http://www.uni-mainz.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Seminare Workshops:

nachricht Wärmebildkameras, Infrarotthermometer und deren richtige Anwendung
21.02.2017 | Optris GmbH

nachricht Pflanzen und Böden besser verstehen
21.02.2017 | Hochschule Rhein-Waal

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Seminare Workshops >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie