Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

EU-Projekt: Nachwuchsforscher untersuchen Ausbreitung der Milchwirtschaft im Europa der Jungsteinzeit

28.08.2009
Marie Curie Research Training Network "Leche" zur Rolle der Milchwirtschaft in der menschlichen Evolution veranstaltet Workshop in Mainz

Milch zählt zu den wichtigsten Nahrungsmitteln - zumindest für uns Europäer. Denn im Gegensatz zu dem größten Teil der Weltbevölkerung können die Bewohner Nord- und Mitteleuropas Milch sehr gut verdauen und sich somit eine wertvolle Nahrungsquelle erschließen.

Der Grund dafür liegt in einer Fähigkeit, die als Laktasepersistenz bezeichnet wird und die fast nur nördlich der Alpen und bei wenigen Afrikanern vorkommt: die Fähigkeit, Milchzucker mit Hilfe des Enzyms Laktase auch noch im Erwachsenenalter zu verdauen. Mit dieser erstaunlichen Selektion beschäftigt sich eine Gruppe von Nachwuchswissenschaftlern, die von der Europäischen Union im Rahmen ihrer Marie-Curie-Förderungen unterstützt werden und nun Anfang September zu einem Arbeitstreffen nach Mainz kommen. Bei dem Workshop wird vor allem das Thema Domestikation und Milchwirtschaft behandelt.

Das Gen, das den Organismus befähigt, Milch zu verdauen, ist das am stärksten von der Evolution selektierte Gen des Menschen, zumindest bei Europäern und einigen Afrikanern. Diese molekulargenetische Erkenntnis führte zur Einrichtung des EU-geförderten Ausbildungsnetzwerks "Leche". Seit 2008 forschen 15 Doktoranden und zwei Postdoktoranden mit ihren Betreuern rund um das Thema Milch. Beteiligt sind Archäologen, Genetiker, Isotopenchemiker, Zoologen und Spezialisten für Computersimulationen. Sie vertreten verschiedene Institutionen, die teilweise auf ihrem Gebiet führend sind, so etwa die Universitäten von Oxford und Cambridge aber auch den CNRS in Paris und die Römisch-Germanische Kommission in Frankfurt am Main. Das grundlegende Prinzip eines Marie Curie Research Training Networks ist, dass die Kandidaten jeweils aus dem europäischen Ausland kommen müssen, um so die Mobilität und Vernetzung innerhalb der EU-Jungwissenschaftler zu fördern. In Mainz arbeitet seit Januar 2009 die gebürtige Römerin Michela Leonardi, die ihr bisheriges Studium in Ferrara und Paris absolviert hat. An der Johannes Gutenberg-Universität beschäftigt sie sich mit popula-tionsgenetischen Simulierungen von Domestikationsereignissen in der Vorgeschichte. Ihre Leidenschaft gilt also großen Datenmengen und dem Computer, und das, obwohl sie ursprünglich Archäologie studiert hat. "Sie vertritt exakt die Kombination aus Prähistorie und Bioinformatik, die uns vorschwebte", so Joachim Burger, Juniorprofessor am Institut für Anthropologie und Gastgeber des Workshops. "Neue Sequenziertechnologien in der Molekulargenetik produzieren derzeit eine ungeahnte Menge an DNA-Daten, die nun statistisch aufgearbeitet werden müssen. Insofern wird die Dissertation von Frau Leonardi bedeutend für unser Feld sein." Burger und sein Palaeogenetik-Team untersuchen die DNA aus prähistorischen Skelettpopulationen und modellieren Bevölkerungsdynamiken der letzten Jahrtausende. Das Team gilt hinsichtlich der Analyse alter humaner DNA als weltweit führend.

Während des Workshops muss jeder teilnehmende Nachwuchswissenschaftler eine schriftliche Arbeit zum Thema "Domestikation und Milchwirtschaft" verfassen. Morgens bzw. abends erhalten die Teilnehmer zusätzlich Unterricht von Seiten der Betreuer aus der EU, die ebenso an dem Workshop teilnehmen. Diese stehen dann auch tagsüber für Diskussionen zur Verfügung. "Es ist ein großes Privileg, von den besten Lehrern aus ganz Europa unterwiesen zu werden. Das Marie-Curie-Stipendium ist ein wahrer Glücksfall für jeden, der es bekommt", sagt Michela Leonardi. "Und ein besonderes Glück ist es, nach Mainz am Rhein zu kommen, wo mir die Atmosphäre in der Gruppe, aber auch in der Stadt besonders gut gefällt", fügt sie hinzu.

Der Workshop beginnt am 8. und endet am 15. September und findet in den Räumen des Instituts für Anthropologie im SBII, 2. Stock, Campus der Johannes Gutenberg-Universität Mainz statt. Die Vorträge im Hörsaal des Instituts sind öffentlich.

Petra Giegerich | idw
Weitere Informationen:
http://ec.europa.eu/research/fp6/mariecurie-actions/action/training_en.html
http://sites.google.com/a/palaeome.org/leche/
http://www.uni-mainz.de/FB/Biologie/Anthropologie/MolA/Deutsch/Home/Home.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Seminare Workshops:

nachricht Forschungsprojekt führt Erkenntnisse der Holzfeuerungsbranche mit Sensorik und Regelung zusammen
17.11.2017 | Deutsches Biomasseforschungszentrum

nachricht Mikro-Computertomografie für die biologische und medizinische Forschung
16.11.2017 | Universitätsklinikum Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Seminare Workshops >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte