Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Diagnostik und Therapie von Allergien: IPES – Internationales Paul-Ehrlich-Seminar

14.10.2014

Allergien gehören zu den großen Volkskrankheiten, werden in ihrer sozio­ökonomischen Bedeutung jedoch oft unterschätzt.

Im Rahmen des 14. Inter­nationalen Paul-Ehrlich-Seminars diskutieren Allergologen, die pharma­zeutische Industrie, Mitarbeiter der Arzneimittel-Zulassungs­agenturen und Patienten­verbände über den aktuellen Stand und die weitere Entwicklung der Diagnostik und Immuntherapie von Allergien.

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) mit seiner weltweit einzigen Fachabteilung für die Prüfung und Zulassung von Allergen­produkten ist Veranstalter des Treffens, das vom 29. Oktober bis 1. November 2014 im Hotel Dolce in Bad Nauheim stattfindet.

Weitere Themen der Veranstaltung, die von der U.S. Food and Drug Administration (FDA), der European Academy of Allergology and Clinical Immunology (EAACI) sowie der Deutschen Gesellschaft für Aller­gologie und Klinische Immu­nologie unterstützt wird, sind innovative Entwick­lungen in der Immun­therapie wie die epikutane Immuni­sierung, synthetische Peptide oder auch gentech­nisch hergestellte Allergene.

Zudem werden u.a. neue Erkennt­nisse der Wirkungsweise von Immun­therapien, klinische Studien bei Heuschnupfen und allergischem Asthma oder auch Adjuvanzien und Immunmodulatoren auf der Tagesordnung stehen.

Die Immuntherapie von Allergien bei Kindern wird thema­tisch breiten Raum einnehmen: In einer Round-Table-Diskussion werden die Forderung nach Nachweis der lang­fristigen Wirksamkeit und der Wunsch nach einer schnellen Verfügbarkeit von Therapieallergenen für Kinder gegenübergestellt. Der Grund hierfür sind die Prüfpläne des Kinderkomitees (PDCO, Paediatric Committee) der Europäischen Arzneimittel­agentur (EMA, European Medicines Agency), die Studien bei Kindern über fünf Jahre zum Nachweis der langfristigen Wirksamkeit vorsehen.

In den geforderten Studien erhält ein Teil der teil­nehmenden Kinder für eine Therapiedauer von drei Jahren das Allergen, der andere Teil Placebo. Daran schließt sich eine zweijährige Nachbeobach­tungsphase an. Das bedeutet, dass frühestens nach ca. sieben Jahren ein Zulassungs­antrag für eine "nachhaltige Verbesserung des Krankheitsverlaufs" bei Kindern gestellt werden könnte.

Generell sieht das PEI ebenfalls die Notwendigkeit des Nachweises einer anhaltenden Wirkung. Darüber hinaus ist es aber notwendig, dass für Kinder zugelassene Allergene verfügbar sind, damit Kinder nicht mit Präparaten behandelt werden müssen, die nur für Erwachsene zugelassen sind. Um zu vermeiden, dass Präparate während der langen Studien zur langfristigen Wirksamkeit für Kinder noch nicht verfügbar sind, lässt das PEI mit der Indikation "Behandlung von allergischen Symptomen" auch Allergene für Kinder zu, wenn für eine Pollensaison die Wirksamkeit in einer klinischen Studie erbracht wurde, und ein vom PDCO genehmigter Prüfplan vorliegt. Nach erfolgreichem Abschluss der aufwendigen Langzeit­studie lautet die Indikation dann "nachhaltige Verbesserung des Krankheitsverlaufs".

Allergien sind eine weit verbreitete Erkrankung – so ist in einer Untersuchung bei Erwachsenen in Deutschland bei knapp einem Drittel der Erwachsenen mindestens eine Allergie ärztlich diagnostiziert worden. Abhängig von Art und Ausmaß der Allergie ist die Lebensqualität der Betroffenen häufig deutlich eingeschränkt.

"Nach einer aktuellen Studie der Universität Duisburg-Essen erhält nur jeder 20. Asthmatiker und jeder 14. Heuschnupfen-Patient eine spezifische Immuntherapie. Zudem erfolgt nur bei etwa einem Fünftel der behandelten Patienten die Therapie über die geforderte Dauer von mindestens drei Jahren", sagt Prof. Stefan Vieths, Leiter der Abteilung Allergologie und Vizepräsident des Paul-Ehrlich-Instituts und ergänzt: "Gleichzeitig haben wir die Situation, dass die bisher etablierten Therapien bei einem Teil der Patienten nicht gut genug oder gar nicht wirken, was im schlimmsten Fall zu einer Verschlechterung der Erkrankung trotz Therapie führen kann. Unser Ziel ist es darauf hinzuwirken, dass Betroffene mit wirksamen und möglichst nebenwirkungsarmen Arzneimitteln therapiert werden, um die allergische Symptomatik zu verbessern und möglichst den gefürchteten Etagenwechsel – die Weiterentwicklung eines Heuschnupfens hin zum Asthma – zu verhindern."

"Um dies zu erreichen, hat die Abteilung Allergologie maßgeblich die Entwicklung und Umsetzung der im Jahr 2008 in Kraft getretenen Therapieallergene­verordnung vorangetrieben. Diese sorgt dafür, dass künftig für die Therapie von häufigen Allergien wie solchen gegen Gräserpollen, Birkenpollen oder Hausstaubmilben nur noch Präparate eingesetzt werden dürfen, deren Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit unabhängig nach den neusten Standards geprüft sind. Zurzeit befinden sich beim PEI 96 dieser Therapieallergene im Zulassungsverfahren.

Die Abteilung Allergologie des PEI ist in Deutschland für die Durchführung von nationalen Zulassungsverfahren von Allergenextrakten zuständig. Zudem nimmt sie bei Verfahren, bei denen Allergenextrakte in mehreren EU-Mitgliedstaaten zugelassen werden sollen, eine wichtige Rolle ein. Neben weiteren nationalen und internationalen Aufgaben und der Beratung pharmazeutischer Unternehmen im Vorfeld der klinischen Prüfung und Zulassung neuer Allergenprodukte organisiert die Abteilung alle drei Jahre das "International Paul-Ehrlich-Seminar – Allergen Products for Diagnosis and Therapy: Regulation and Science", um den internationalen Austausch aller interessierten Kreise zu ermöglichen und so die Entwicklung innovativer Therapien zu fördern.

Das Paul-Ehrlich-Institut in Langen bei Frankfurt am Main ist als Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel eine Bundesoberbehörde im Geschäfts­bereich des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG). Es erforscht, bewertet und lässt bio­medizinische Human-Arzneimittel und immunologische Tierarzneimittel zu und ist für die Genehmigung klinischer Prüfungen sowie die Pharmakovigilanz – Erfassung und Bewertung möglicher Nebenwirkungen – zuständig.

Die staatliche Chargenprüfung, wissenschaftliche Beratung/Scientific Advice und Inspektionen gehören zu den weiteren Aufgaben des Instituts. Unverzichtbare Basis für die vielseitigen Aufgaben ist die eigene experimentelle Forschung auf dem Gebiet der Biomedizin und der Lebenswissenschaften.

Das Paul-Ehrlich-Institut mit seinen rund 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nimmt zudem Beratungsfunktionen im nationalen (Bundesregierung, Länder) und inter­nationalen Umfeld (Weltgesundheitsorganisation, Europäische Arzneimittel­behörde, Europäische Kommission, Europarat und andere) wahr.

Weitere Informationen:

http://www.pei.de/DE/infos/presse/pressemitteilungen/2014/14-diagnostik-therapie...

Dr. Susanne Stöcker | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Seminare Workshops:

nachricht Wärmebildkameras, Infrarotthermometer und deren richtige Anwendung
21.02.2017 | Optris GmbH

nachricht Pflanzen und Böden besser verstehen
21.02.2017 | Hochschule Rhein-Waal

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Seminare Workshops >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie